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news/APA/Samstag, 21.11.20, 20:23:22

Thiem im End­spiel der ATP Finals – Kri­mi-Sieg über Djokovic

Ein Halb­fi­na­le zum Nägel­bei­ßen haben die Ten­nis-Fans am Sams­tag­nach­mit­tag bei den ATP Finals in Lon­don gebo­ten bekom­men. Domi­nic Thiem besieg­te den Welt­rang­lis­ten-Ers­ten Novak Djo­ko­vic nach 2:54 Stun­den mit 7:5,6:7(10),7:6(5) und steht zum zwei­ten Mal en suite im End­spiel des Mas­ters. Für Thiem war es sein 300. ATP-Ein­zel-Sieg, der ganz beson­ders war. Im Tie­break des zwei­ten Sat­zes ver­gab Thiem vier Match­bäl­le, über eine Stun­de spä­ter ver­wer­te­te er den sechsten.
APA/APA (AFP)/GLYN KIRK

Der US-Open-Sie­ger und Vor­jah­res­fi­na­list kämpft damit zum zwei­ten Mal in Fol­ge um den Titel beim letz­ten ATP-Tur­nier des Jah­res. Der 27-jäh­ri­ge Nie­der­ös­ter­rei­cher hat­te in den Grup­pen­spie­len Vor­jah­res­sie­ger Ste­fa­nos Tsit­si­pas und Rafa­el Nadal bezwun­gen. Am Sonn­tag (nicht vor 19.00 Uhr/live Sky) trifft Thiem nun ent­we­der erneut auf Nadal oder den Rus­sen Daniil Medwedew.

Thiem hat damit wie im Vor­jahr zwei der „big three” beim mit 5,7 Mio. Dol­lar dotier­ten Sai­son-Show­down der ATP geschla­gen. Wie viel die­se Sie­ge über Roger Fede­rer, Nadal und Djo­ko­vic wert sind, zeigt eine ande­re Sta­tis­tik: Es war im 12. Duell der fünf­te Sieg über den „Djo­ker” und damit ist Thiem neben Andy Mur­ray (GBR) der ein­zi­ge Spie­ler über­haupt, der gegen alle drei leben­den Ten­nis-Legen­den zumin­dest fünf Sie­ge errun­gen hat. Gegen Fede­rer steht es 5:2, gegen Nadal 6:9.

Mit die­sem Erfolg, übri­gens sei­nem fünf­ten über eine aktu­el­le Num­mer 1, hat Thiem schon ein­mal 800 ATP-Zäh­ler und 861.000 US-Dol­lar (725.786 Euro) Preis­geld brut­to sicher. Im Fina­le geht es um wei­te­re 500 Punk­te und zusätz­li­che 550.000 Dol­lar für Thiem.

„Das war sicher eine men­ta­le Schlacht. Ich war so ner­vös im Tie­break des zwei­ten Sat­zes”, mein­te ein erleich­ter­ter Thiem, nach­dem er auf die TV-Kame­ra „300 🙂 Play for the Oce­an” geschrie­ben hat­te. „Gegen die­se Legen­den zu spie­len, wird immer etwas Spe­zi­el­les sein und auch hier ums Fina­le zu spie­len, ist auch sehr beson­ders.” Sei­ne Annah­me, dass er nach dem Tri­umph in Flus­hing Mea­dows bei gro­ßen Spie­len nun befrei­ter sein wer­de, rela­ti­vier­te er.

„Nach mei­nem ers­ten gro­ßen Titel in New York dach­te ich, dass ich ein biss­chen ruhi­ger sein wür­de, aber das war schein­bar ein Feh­ler”, sag­te er lachend in die wegen der Coro­na­kri­se lee­re O2-Are­na. „Ich war genau­so ner­vös wie sonst, das Match war so sehr auf der Kip­pe. Ich bin unglaub­lich glück­lich, dass ich durch bin.”

Egal, ob gegen Nadal oder Med­we­dew, Thiem will nun auch in Lon­don den letz­ten Schritt gehen. „Nach­dem ich so hart gekämpft habe, möch­te ich natür­lich alles ver­su­chen, um den Titel zu gewin­nen. Wir haben jetzt auf jeden Fall einen wei­te­ren erst­ma­li­gen Sie­ger hier”, erklär­te Thiem, denn auch Nadal und Med­we­dew haben die ATP Finals noch nie gewonnen.

Das Match begann aus­ge­gli­chen, wenn zunächst auch nicht hoch­klas­sig. Bei­de Top-3-Spie­ler blie­ben beim Ser­vice unan­ge­tas­tet. Es dau­er­te bis zum 5:5, als Thiem als Ers­ter eine Break­chan­ce vor­fand. Und er nutz­te sie zum 6:5 und ser­vier­te in der Fol­ge mit einem Ass zum 7:5 nach 51 Minu­ten aus.

Auch im zwei­ten Durch­gang war es Thiem, der bei 2:2 und 30:40 eine Break­chan­ce vor­fand, die der 33-jäh­ri­ge Ser­be aber abweh­ren konn­te. Bei 4:3 für Djo­ko­vic muss­te dann Thiem erst­mals einen Break­ball abweh­ren. Rich­tig eng wur­de es bei 5:6, als Thiem mit 15:40 in Rück­stand geriet. Doch dank neu­er­lich star­ker Auf­schlä­ge bei den „big points” wehr­te er bei­de Satz­bäl­le ab und glich zum 6:6 aus.

Die­ses Tie­break ver­lief höchst dra­ma­tisch, dies­mal aber zuun­guns­ten des 17-fachen Tur­nier­sie­gers aus Lich­ten­wörth: Bei 6:5,7:6,9:8 und 10:9 hat­te Thiem nicht weni­ger als vier Match­bäl­le, alle blie­ben unge­nutzt – beson­ders bit­ter war der Dop­pel­feh­ler bei 7:6. So war es der Ser­be, der sei­nen ins­ge­samt vier­ten Satz­ball zum 12:10 und Satz­aus­gleich nutzte.

Nach zwei­stün­di­ger Spiel­zeit ging es in den Ent­schei­dungs­satz. In die­sem hiel­ten Thiem und Djo­ko­vic ihre Auf­schlä­ge bis in ein neu­er­li­ches Tie­break nach 2:45 Stun­den. Und in die­sem gelang Thiem eine nicht mehr für mög­li­che gehal­te­ne Auf­hol­jagd: Nach einem Dop­pel­feh­ler zum Start geriet er 0:4 in Rück­stand, so etwas lässt sich Djo­ko­vic nor­mal nicht mehr neh­men. Doch u.a. mit zwei Assen hol­te Thiem sechs Punk­te in Fol­ge zum 6:4, den ins­ge­samt sechs­ten Match­ball nutz­te der Schütz­ling von Nico­las Mas­su zum Sieg.

Thiem hat von den ver­gan­ge­nen sie­ben Par­tien gegen den „Djo­ker” nun fünf gewon­nen und sich für die knap­pe Fünf-Satz-Nie­der­la­ge die­ses Jahr im Fina­le der Aus­tra­li­an Open revan­chiert. Und Djo­ko­vic zeig­te sich durch­aus beein­druckt: „Was er bei 0:4 im Tie­break gemacht hat, war unwirk­lich”, erklär­te der Ser­be nach sei­ner knap­pen Nie­der­la­ge. „Ich glau­be nicht, dass ich schlecht gespielt habe. Ich habe alle mei­ne ers­ten Auf­schlä­ge rein­ge­bracht. Er hat ein­fach auf die Bäl­le drauf­ge­fetzt und alles ist rein­ge­gan­gen. Was kann man da tun?”, sag­te Djo­ko­vic. „Ich muss ein­fach mei­nen Hut zie­hen und sagen: „Gra­tu­lie­re”.”

Djo­ko­vic hat durch die­se Nie­der­la­ge sei­nen ange­streb­ten sechs­ten Titel bei den ATP Finals ver­passt, womit er mit Rekord­sie­ger Roger Fede­rer gleich­ge­zo­gen hät­te. Die Nie­der­la­ge sicher­te zudem das nächs­te neue Sie­ger­sicht beim „Mas­ters”: Weder Rafa­el Nadal, noch Domi­nic Thiem und Daniil Med­we­dew haben dort bis­her tri­um­phiert. Es wird zudem nach Djo­ko­vic (2015), Andy Mur­ray (2016), Gri­gor Dimitrow (2017), Alex­an­der Zver­ev (2018) und Ste­fa­nos Tsit­si­pas (2019) den sechs­ten ver­schie­de­nen Sie­ger in Fol­ge geben.