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news/APA/Mittwoch, 13.01.21, 12:51:27

Thea­ter rech­nen mit län­ge­ren Schlie­ßun­gen und Eintrittstests

Spä­tes­tens seit einer Video­kon­fe­renz mit Vize­kanz­ler Wer­ner Kog­ler und Kul­tur­staats­se­kre­tä­rin Andrea May­er (bei­de Grü­ne) am spä­ten Diens­tag­nach­mit­tag ist den Direk­to­ren der gro­ßen Theater‑, Opern- und Kon­zert­häu­ser Öster­reichs wohl klar: Mit einem bal­di­gen Wie­der­auf­sper­ren ist nicht zu rech­nen. „Die Regie­rung sieht die jüngs­te Ent­wick­lung rund um die bri­ti­sche Virus-Muta­ti­on dra­ma­tisch”, so einer der Teil­neh­mer zur APA.
APA/APA (Archivbild)/HERBERT NEUBAUER

Vor allem die jüngs­ten Aus­sa­gen der deut­schen Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel hät­ten auch in Kul­tur­krei­sen für Ernüch­te­rung gesorgt, hieß es. Wenn in Deutsch­land über eine Ver­län­ge­rung des Lock­downs bis Ostern dis­ku­tiert wer­de, sei es wohl müßig, in Öster­reich über das Auf­sper­ren von Kul­tur­be­trie­ben zu reden. „Wer mit einem Auf­sper­ren am 24. Jän­ner rech­net, geht an der Rea­li­tät vor­bei. Auch, wer jetzt über­haupt an einem Spiel­plan arbei­tet, macht etwas falsch. Jetzt kön­nen wir lei­der nur abwar­ten”, sag­te der Direk­tor des Thea­ters in der Josef­stadt, Her­bert Föt­tin­ger, zur APA.

Föt­tin­ger kon­sta­tier­te eine gewis­se „Schock­star­re” ange­sichts des Auf­tre­tens der neu­en, deut­lich anste­cken­de­ren Virus-Vari­an­te B.1.1.7., die klar mache: „Es wird eine neue Stra­te­gie geben müs­sen.” Klar sei nun auch, dass die Imp­fung wohl nicht so bald der ver­spro­che­ne „Game Chan­ger” sein wer­de: „Das Tes­ten wird nicht auf­hö­ren.” Auch Kon­zert­haus-Chef Mat­thi­as Nas­ke emp­fin­det Tests der­zeit als „Gebot der Ver­nunft”, wie er gegen­über der „Wie­ner Zei­tung” sag­te. Raben­hof-Chef Tho­mas Grat­zer dage­gen fin­det, es kön­ne „nicht sein, dass wir Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen den Job der Gesund­heits­be­hör­de über­neh­men müs­sen. (…) Lie­ber, als über sol­che Sze­na­ri­en, wäre mir, über eine gene­rel­le Schlie­ßung der Thea­ter bis März nach­zu­den­ken”, so Grat­zer zum „Stan­dard”.

Sei­ne Kol­le­gen von den gro­ßen Häu­sern und in den Bun­des­thea­tern stel­len sich aller­dings dar­auf ein, dass auch bei einem Wie­der­auf­sper­ren im Früh­jahr gül­ti­ge Covid-19-Tests Bedin­gung für einen Besuch sein wer­den. Vor­aus­set­zung dafür sei jedoch, kla­re und auch prak­ti­ka­ble Richt­li­ni­en für Durch­füh­rung und Aner­ken­nung sol­cher Tests aus­zu­ar­bei­ten und zu kom­mu­ni­zie­ren. Dem will sich auch Föt­tin­ger, der zunächst ver­lau­ten ließ, sein Publi­kum „nicht selek­tie­ren” zu wol­len („Ich bin nicht der Block­wart der Bun­des­re­gie­rung.”), nicht ver­schlie­ßen: „Wir müs­sen noch siche­rer wer­den. Wir müs­sen zu Recht sagen kön­nen: Das Thea­ter ist der sichers­te Ort der Welt. Thea­ter muss eine Vor­bild­wir­kung über­neh­men – auch für die Gas­tro­no­mie!” Denn eines gehe gar nicht, sind sich die Chefs der Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen einig: Dass man in der Gas­tro­no­mie frei­en Zugang habe, wäh­rend man für den Besuch von Auf­füh­run­gen und Ver­an­stal­tun­gen Tests vor­le­gen müs­se. Föt­tin­ger: „Eine Ungleich­be­hand­lung wäre eine Kata­stro­phe. Ich glau­be aber, dass die Poli­tik das nicht zulas­sen wird.”

Einen kon­kre­ten Zeit­ho­ri­zont gibt es der­zeit nicht – weder für die Kom­mu­ni­ka­ti­on einer Ent­schei­dung der Bun­des­re­gie­rung noch für ein Ende des Kul­tur-Lock­downs. „Die Schwie­rig­keit der aktu­el­len Situa­ti­on liegt für uns im Hin und Her der poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen”, sag­te Burg­thea­ter-Direk­tor Mar­tin Kusej zur „Wie­ner Zei­tung”. „Solan­ge die Ent­schei­dun­gen so wenig belast­bar und die Rah­men­be­din­gun­gen für den Thea­ter­be­such für unser Publi­kum so unklar sind, ent­steht neben den Kos­ten nur wei­ter Ver­un­si­che­rung, die Bereit­schaft für einen Besuch nach Wie­der­eröff­nung droht zu sin­ken und die Nach­voll­zieh­bar­keit für die unter­schied­li­chen Maß­nah­men lei­der eben­so.” Im Burg­thea­ter hat­te man zuletzt die Wie­der­auf­nah­me des Betriebs für den 29. Jän­ner geplant.

Bereits einen Schritt wei­ter ist das Lin­zer Thea­ter Phö­nix gegan­gen. Die Urauf­füh­rung von „Win­ne­tou eins bis drei” im Febru­ar wird nur noch als „Online-Pre­mie­re” avi­siert, vor Saal­pu­bli­kum will man erst im März wie­der spie­len. „Wir stei­gen aus dem Stand-by-Modus aus”, beton­ten die Thea­ter­lei­ter Harald Gebartl und Roma­na Stau­fer-Hut­ter gegen­über der APA. „Win­ne­tou eins bis drei” ist bereits fer­tig geprobt, die Pre­mie­re wur­de aber immer wie­der ver­scho­ben. Ein Ter­min und ein genau­er Modus – etwa ob die Kar­ten etwas kos­ten wer­den oder wo man das Stück sehen kann – steht noch nicht fest. Die Details sind noch in Aus­ar­bei­tung. Aber man möch­te mit dem Stück ein­fach vor das Publikum.

„Aus der Not­wen­dig­keit den Fol­ge­pro­duk­tio­nen gegen­über wird aus der Vor­stel­lung „Win­ne­tou eins bis drei” eine Online­ver­si­on kon­zi­piert. Mit die­sem Schritt ist es vor­ab wie­der mög­lich res­sour­cen­ef­fi­zi­ent und trans­pa­rent für unser Publi­kum und unse­re Part­ner agie­ren zu kön­nen”, so die Thea­ter­lei­tung. Mit der ers­ten Saal-Pre­mie­re will man erst am 4. März star­ten. Der Titel könn­te für das Thea­ter­pu­bli­kum aller­dings noch län­ger Pro­gramm sein: „Drau­ßen vor der Tür.”