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news/APA/Samstag, 15.01.22, 01:18:25

Ten­nis-Star Djo­ko­vic erneut in Aus­tra­li­en inhaftiert

Der ser­bi­sche Ten­nis-Star Novak Djo­ko­vic ist in Aus­tra­li­en erneut inhaf­tiert wor­den, weil er ohne Coro­na-Imp­fung ein­ge­reist ist. Das teil­ten Djo­ko­vics Anwäl­te am Sams­tag mit, nach­dem die aus­tra­li­sche Regie­rung sein Visum am Frei­tag ein zwei­tes Mal für ungül­tig erklärt hat­te. Der 34-Jäh­ri­ge will bei den Aus­tra­li­an Open in Mel­bourne sei­nen 21. Grand-Slam-Sieg holen und damit einen neu­en Rekord aufstellen.
APA/APA/AFP/GREG WOOD

Nach dem ange­kün­dig­ten Ein­spruch sei­ner Anwäl­te gegen die erneu­te Annul­lie­rung sei­nes Visums für Aus­tra­li­en soll nun eine Anhö­rung vor dem Bun­des­ge­richt am Sonn­tag Klar­heit über eine Teil­nah­me des Ser­ben bei den am Mon­tag begin­nen­den Aus­tra­li­an Open brin­gen. Das ent­schied Rich­ter Antho­ny Kel­ly bei einer Anhö­rung am Frei­tag. Titel­ver­tei­di­ger Djo­ko­vic ist nach wie vor in der Aus­lo­sung und soll am Mon­tag erst­mals spielen.

Bis dahin darf Djo­ko­vic nicht abge­scho­ben wer­den. Für den Welt­rang­lis­ten-Ers­ten ist zudem am Sams­tag um 8.00 Uhr Orts­zeit eine Anhö­rung bei der Ein­wan­de­rungs­be­hör­de anbe­raumt. Anschlie­ßend kann er von 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr mit sei­nen Anwäl­ten den Gerichts­ter­min am Sonn­tag vor­be­rei­ten. Bis dahin muss er nicht in Abschiebehaft.

Das Visum des unge­impf­ten Djo­ko­vic war zuvor in einer per­sön­li­chen Ent­schei­dung von Ein­wan­de­rungs­mi­nis­ter Alex Haw­ke ein zwei­tes Mal für ungül­tig erklärt wor­den. Dies sei gut begrün­det und „im öffent­li­chen Inter­es­se”, hat­te der Minis­ter mit­ge­teilt. Djo­ko­vic ist nicht gegen das Coro­na­vi­rus geimpft und des­we­gen eine umstrit­te­ne Per­son in dem Land, das seit Beginn der Pan­de­mie har­te Regeln auf­ge­stellt hat.

Djo­ko­vics Anwalt Nicho­las Wood kün­dig­te umge­hend einen Ein­spruch gegen die Ent­schei­dung an und dräng­te dar­auf, kei­ne Zeit zu ver­lie­ren. „Jede Minu­te, bevor das Tur­nier am Mon­tag beginnt, ist kost­bar”, sag­te Wood bei der Anhö­rung vor Rich­ter Antho­ny Kel­ly. Zugleich kri­ti­sier­te der Jurist, dass die Ent­schei­dung „irra­tio­nal” und unver­hält­nis­mä­ßig gewe­sen sei.

Rich­ter Kel­ly war bereits mit dem Fall befasst und hat­te am Mon­tag wegen eines Form­feh­lers der Behör­den zuguns­ten von Djo­ko­vic ent­schie­den, nach­dem dem 34-Jäh­ri­gen zunächst die Ein­rei­se in Mel­bourne ver­wei­gert wor­den war.

Zuvor hat­te der Immi­gra­ti­ons­mi­nis­ter Haw­ke nach vier Tagen sei­ne Ent­schei­dung ver­laut­bart. „Heu­te habe ich von mei­nem Recht, das Visa von Herrn Novak Djo­ko­vic für ungül­tig zu erklä­ren, Gebrauch gemacht”, so Haw­ke in einer Erklä­rung, „und zwar auf der Basis, dass es im öffent­li­chen Inter­es­se ist, so zu han­deln.” Er habe sich die Ent­schei­dung nicht leicht gemacht und sorg­fäl­tig alle Unter­la­gen geprüft, die ihm die Immi­gra­ti­ons­be­hör­den, der aus­tra­li­sche Grenz­schutz und Djo­ko­vic vorlegten.

Bei ihrer Ent­schei­dung weiß die Regie­rung aller­dings die gro­ße Mehr­heit der Aus­tra­li­er hin­ter sich: Einer Umfra­ge der Medi­en­grup­pe News Corp zufol­ge befür­wor­ten 83 Pro­zent der Befrag­ten den Ver­such, Djo­ko­vic wie­der des Lan­des zu ver­wei­sen. Die Impf­quo­te in Aus­tra­li­en liegt bei 91 Pro­zent, vie­le Men­schen sind über Aus­nah­men für Unge­impf­te empört. Sie hat­ten sich zudem in der Pan­de­mie mas­siv ein­schrän­ken müs­sen, als sie den welt­weit längs­ten Lock­down über sich erge­hen las­sen muss­ten. Zuletzt stieg die Zahl der Neu­in­fi­zier­ten wie­der stark an.

Unge­ach­tet des­sen sorgt der Fall Djo­ko­vic welt­weit für Dis­kus­sio­nen und sogar auch für diplo­ma­ti­sche Span­nun­gen zwi­schen Aus­tra­li­en und Ser­bi­en. Zudem nahm die welt­wei­te Debat­te über Rech­te für Unge­impf­te an Fahrt auf. Djo­ko­vic gilt als Impfskeptiker.

Die ers­ten Reak­tio­nen von ser­bi­schen Medi­en spie­geln die auf­ge­heiz­te Stim­mung wider. „Unglaub­lich, was der (aus­tra­li­sche) Minis­ter als Begrün­dung angibt: die öffent­li­che Gesund­heit und das Gemein­wohl. Und das in einem Land, das täg­lich 150.000 Neu­in­fek­tio­nen hat!”, schrieb „tele​graf​.rs” und befand: „Das ist ver­rückt!”. „Die Ver­fol­gung des Novak”, schrieb „blic.rs.„und „infor​mer​.rs” sah in einer Kari­ka­tur einer aus­tra­li­schen Zei­tung gar als Beleg für „Lynch­stim­mung”.

Rücken­de­ckung bekam Djo­ko­vic auch vom ser­bi­schen Prä­si­den­ten. „Die Angrif­fe und der Druck auf Novak Djo­ko­vic, einen Bür­ger Ser­bi­ens, sind für mich unver­ständ­lich”, sag­te Alek­san­dar Vucic in einer Anspra­che, die er am Frei­tag auf Insta­gram ver­öf­fent­lich­te. Er beklag­te dabei auch den „Druck, dem Ser­bi­en aus­ge­setzt” sei. Doch den Ser­ben habe man in ihrer Geschich­te „Wür­de und Stolz nicht zu neh­men ver­mocht”. Sei­ne Anspra­che schloss der Prä­si­dent mit den Wor­ten: „Es lebe Ser­bi­en! Novak, Ser­bi­en ist mit dir!”

Zu kei­ner Reak­ti­on sahen sich bis­her die Ver­an­stal­ter der am Mon­tag begin­nen­den Aus­tra­li­an Open ver­an­lasst. In der Aus­lo­sung auf der Web­site ist Titel­ver­tei­di­ger Djo­ko­vic auch nach wie vor als Num­mer 1 ganz oben ange­führt. Man wird wohl zuwar­ten, bis Djo­ko­vic alle Rechts­mit­tel aus­ge­schöpft hat. Bleibt die Ent­schei­dung auf­recht, dann wird der als Num­mer 5 gesetz­te Rus­se Andrej Rublew den Platz von Djo­ko­vic ein­neh­men und ein Lucky Loser aus der Qua­li­fi­ka­ti­on ins Feld auf­rü­cken. In der Jagd nach dem Major-Rekord von 21 Titeln ver­blie­be somit nur noch Rafa­el Nadal im Feld.

Ein Nicht­an­tre­ten von Djo­ko­vic könn­te aber auch nach­hal­ti­ge Aus­wir­kun­gen auf die Welt­rang­lis­te haben: Falls Daniil Med­we­dew oder Alex­an­der Zver­ev das Tur­nier gewin­nen, wür­de der „Djo­ker” die Num­mer-1-Posi­ti­on im ATP-Ran­king verlieren.

Ganz unab­hän­gig vom Aus­gang der Mel­bourne-Saga wird auch der Rest des Ten­nis-Jah­res für Djo­ko­vic zur Her­aus­for­de­rung, wenn er wei­ter unge­impft bleibt. Es ist zumin­dest nicht unwahr­schein­lich, dass auch ande­re Ten­nis-Ver­an­stal­ter dem Bei­spiel Aus­tra­li­ens fol­gen wer­den und nur geimpf­te Spie­le­rin­nen und Spie­ler zulassen.