news/APA/Freitag, 26.06.20, 20:00:12

Busi­ness: Schram­böck kün­digt Inves­ti­ti­ons­prä­mie und Ver­lust­rück­trag an

Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Mar­ga­re­te Schram­böck (ÖVP) will mit einer Inves­ti­ti­ons­prä­mie und der Mög­lich­keit eines Ver­lust­rück­trags die Unter­neh­men in der Wirt­schafts­kri­se unter­stüt­zen. Eine Inves­ti­ti­ons­prä­mie von 14 Pro­zent soll­te jenen Fir­men gewährt wer­den, die sich in den nächs­ten sechs Mona­ten zu Inves­ti­tio­nen beken­nen, kün­dig­te sie in der „Pres­se­stun­de” des ORF-Fern­se­hens am Sonn­tag an.
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Dabei kön­ne es eine Basis­prä­mie von sie­ben Pro­zent und dar­auf auf­bau­end eine wei­te­re Prä­mie bei Inves­ti­tio­nen etwa in Digi­ta­li­sie­rung, Life Sci­ence oder Gesund­heits­we­sen geben. Ide­al wäre eine Inves­ti­ti­ons­prä­mie von 20 Pro­zent, mein­te die Minis­te­rin. Die­se Prä­mie soll­te in Cash aus­be­zahlt wer­den und unab­hän­gig von der Unter­neh­mens­grö­ße sein.

Mit einem Ver­lust­rück­trag sol­len die heu­er erlit­te­nen Ver­lus­te mit den Gewin­nen aus 2019 und 2018 steu­er­lich gegen­ge­rech­net wer­den kön­nen. Auch damit wol­le man den Unter­neh­men unter die Arme grei­fen. Den Beschäf­tig­ten etwa in Super­märk­ten könn­ten die Fir­men bis zu 2.000 Euro Bonus steu­er­frei aus­be­zah­len, erin­ner­te sie. Wie­viel den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern tat­säch­lich als Boni aus­be­zahlt wor­den sei, das wis­se sie nicht.

Ange­spro­chen auf Beschwer­den aus der Wirt­schaft wegen zu lang­sa­mer oder zu gerin­ger Aus­zah­lun­gen von Coro­na-Hil­fen ver­wies Schram­böck einer­seits auf die Bei­hil­fen­re­ge­lun­gen der EU, die man­ches ver­zö­gert hät­ten. „Wir ler­nen alle dazu. Jetzt ist es wich­tig, dass wir rasch in die­se Pha­se hin­ein­kom­men dass die Unter­neh­men unter­stützt wer­den bei Inves­ti­tio­nen, und dass sie die Fix­kos­ten län­ger abge­deckt bekom­men.” Die Kri­se sei eine Welt­wirt­schafts­kri­se gewor­den, die Wirt­schaft wer­de sicher noch zwei Jah­re beglei­tet wer­den. „Die Öster­rei­cher sol­len kon­su­mie­ren, da müs­sen wir sie ent­las­ten”, sag­te die Minis­te­rin. Daher wer­de die Steu­er­re­form vor­ge­zo­gen und der Ein­gangs­steu­er­satz in der Lohn- und Ein­kom­mens­steu­er von 25 auf 20 Pro­zent gesenkt.

Auch die Tur­bu­len­zen um die Ryan­air-Toch­ter Lau­da­mo­ti­on, die einen Kol­lek­tiv­ver­trag vor­leg­te, der von der Wirt­schafts­kam­mer (WKÖ) gebil­ligt wur­de, aber von der Gewerk­schaft vida wegen zu gerin­ger Löh­ne für Flug­be­glei­ter abge­lehnt wur­de, wur­den von Schram­böck kom­men­tiert. „Es ist schon wich­tig hier dage­gen zu hal­ten und auch ein neu­es Paket zu ver­han­deln. Das jet­zi­ge schaut auch bes­ser aus, denn es ist schon wich­tig, dass die Men­schen von ihrer Arbeit auch leben kön­nen.” Und auch die Arbeits­plät­ze wür­den nun gesi­chert.

Dass laut dem AUA-Hilfs­pa­ket inner­ös­ter­rei­chi­sche Flü­ge gestri­chen wer­den sol­len, wenn die Bahn­fahrt zum Wie­ner Flug­ha­fen deut­lich unter drei Stun­den daue­re, ist für Schram­böck ver­tret­bar. Dazu müs­se Umwelt­mi­nis­te­rin Leo­no­re Gewess­ler (Grü­ne) noch ein Kon­zept vor­le­gen.

In die Tiro­ler Lan­des­po­li­tik zieht es die aus St. Johann in Tirol stam­men­de Minis­te­rin jeden­falls nicht. „Die­se Fra­ge stellt sich gar nicht”, mein­te Schram­böck auf eine ent­spre­chen­de Fra­ge. Sie sehe ihre poli­ti­sche Zukunft im Bund, gera­de in den Berei­chen Digi­ta­li­sie­rung und Wirt­schaft gebe es noch eini­ges zu tun. Ange­spro­chen auf den „Wider­wär­ti­ges Luder-Sager” des Tiro­ler ÖVP-LHStv. Josef Geis­ler mein­te sie, dass sie mit der Aus­sa­ge „kei­ne Freu­de” habe. Gleich­zei­tig lob­te sie Geis­ler für die gute Arbeit, die die­ser in den ver­gan­ge­nen Jah­ren geleis­tet habe. Ob eine Neu­wahl im Raum gestan­den sei, woll­te Schram­böck, die auch im Lan­des­par­tei­vor­stand der Volks­par­tei sitzt, nicht kom­men­tie­ren.

Die Ver­tre­ter der Oppo­si­ti­ons­par­tei­en SPÖ, FPÖ und NEOS haben Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Mar­ga­re­te Schram­böck (ÖVP) nach ihrem Auf­tritt in der „ORF”-Pressestunde Ver­sa­gen bei den Hil­fen für die Wirt­schaft vor­ge­wor­fen. SPÖ-Wirt­schafts­spre­cher Chris­toph Matz­net­ter sag­te, die Regie­rung über­neh­me kei­ne Ver­ant­wor­tung und schie­be die Schuld lie­ber auf ande­re, etwa die EU.

„Ist Deutsch­land gemein­sam mit Groß­bri­tan­ni­en aus der EU aus­ge­tre­ten?” fragt Matz­net­ter, denn Deutsch­land habe es geschafft, schnell und unbü­ro­kra­tisch zu hel­fen. Die Coro­na-Hil­fen der Regie­rung sei­en „zu wenig, zu büro­kra­tisch und zu spät – sie kom­men bei den Betrof­fe­nen nicht an”, rüg­te er. „Sich ange­sichts die­ser Situa­ti­on auf die EU raus­zu­re­den, ist wirk­lich unan­stän­dig Frau Schram­böck.”

Auch NEOS wirft der Wirt­schafts­mi­nis­te­rin vor, sie wol­le „vom eige­nen Ver­sa­gen ablen­ken”. „Dass die Unter­neh­men in Öster­reich immer noch kei­ne Hil­fe bekom­men haben, liegt nicht an ihnen, weil sie laut Kanz­ler Kurz die For­mu­la­re nicht rich­tig aus­fül­len kön­nen, und es ist auch nicht die ‚böse EU”, die bremst”, sagt NEOS-Wirt­schafts­spre­cher Sepp Schell­horn zu den „Aus­flüch­ten” von Wirt­schafts­mi­nis­te­rin. Es lie­ge „ein­zig und allein in der Ver­ant­wor­tung und am Ver­sa­gen der öster­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung.”

Als voll­kom­men inhalts­leer bezeich­ne­te FPÖ-Wirt­schafts­spre­cher Erwin Ange­rer die Pres­se­stun­de mit Schram­böck. „Ein­zi­ges Fazit: Die KMU wer­den wei­ter im Stich gelas­sen.” Die „Regie­rungs­stra­te­gie der Angst­ma­che” zei­ge jetzt ihre schlim­men Fol­gen, wie auch die Kon­junk­tur­pro­gno­se der OeNB unter Beweis stel­le: ein Minus von 7,2 Pro­zent beim BIP-Wachs­tum, 11,6 Pro­zent weni­ger Expor­te und ein Ein­bruch von 5,8 Pro­zent beim pri­va­ten Kon­sum. Jeder Öster­rei­cher sol­le einen Gut­schein über 1.000 Euro erhal­ten, der aus­schließ­lich bei hei­mi­schen Unter­neh­men bis 31. Dezem­ber 2020 ein­ge­löst wer­den kön­ne.

Kri­tik übte Ange­rer auch am AUA-Ret­tungs­pa­ket: Es gebe für die 150 Mil­lio­nen Euro, mit denen sich Öster­reich betei­li­ge, und für die 300 Mil­lio­nen Euro Haf­tun­gen für Bank­ga­ran­tien weder Stand­ort- noch Arbeits­platz­ga­ran­tien oder eine Sperr­mi­no­ri­tät. Dies sei schlicht­weg dilet­tan­tisch.

Posi­ti­ver fie­len die Reak­ti­on von den Wirt­schafts­ver­bän­den aus. Die Wirt­schafts­kam­mer lob­te die ange­kün­dig­te Inves­ti­ti­ons­prä­mie. Auch die Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung (IV) äußer­te sich zustim­mend. Opti­mis­mus und ein inves­ti­ti­ons­ge­trie­be­nes Wachs­tum sei­en der sichers­te und nach­hal­tigs­te Weg aus der Kri­se.