news/APA/Sonntag, 05.07.20, 18:30:49

Sport: Bottas gewinnt tur­bu­len­tes F1-Auf­takt­ren­nen in Öster­reich

Eine Aus­fall­s­or­gie und ein skur­ri­les Ende haben den Neu­start der For­mel 1 geprägt. Nur elf von 20 Autos kamen am Sonn­tag beim ohne Zuschau­er aus­ge­tra­ge­nen Grand Prix von Öster­reich ins Ziel. Spiel­berg-Spe­zia­list Valt­te­ri Bottas gewann im Mer­ce­des von der Pole aus vor Fer­ra­ri-Jung­star Charles Leclerc. Der 20-jäh­ri­ge Lan­do Nor­ris wur­de im McLa­ren sen­sa­tio­nell Drit­ter.
APA/APA (AFP)/MARK THOMP­SON

Der Bri­te ist damit dritt­jüngs­ter Pilot der For­mel 1 auf einem Sie­ges­po­dest. Mög­lich gewor­den war dies, weil der auf Platz zwei lie­gen­de Welt­meis­ter Lewis Hamil­ton kurz vor Schluss bei einem Über­hol­ma­nö­ver von Alex­an­der Albon eine Fünf­se­kun­den-Zeit­stra­fe erhielt. Obwohl Bottas und der Eng­län­der im Finish auf die Tube drück­ten und Hamil­ton auch als Zwei­ter über die Ziel­li­ne fuhr, wur­de er am Ende sogar nur als Vier­ter gewer­tet. Damit ver­pass­te „Stra­fen-Welt­meis­ter” Hamil­ton auch die Ehrung auf dem impro­vi­sier­ten Podi­um.

217 Tage und damit die längs­te Pau­se im Rück­spie­gel lie­fer­te die For­mel 1 in Spiel­berg ein aus­falls­rei­ches, aber auch span­nen­des Ren­nen ab. Wegen der lan­gen Coro­na-Pau­se waren die For­mel-Fabri­ken erst im Juni wie­der hoch­ge­fah­ren wor­den. Erst­mals wur­de am Sonn­tag bei einem WM-Auf­takt die öster­rei­chi­sche Bun­des­hym­ne gespielt.

Waren im Vor­jahr, als Öster­reich der elf­te WM-Lauf gewe­sen war, alle 20 Autos ins Ziel gekom­men, schaff­ten es dies­mal nur elf ins Ziel sowie 13 in die Wer­tung. Als ers­ten erwisch­te es aus­ge­rech­net Vor­jah­res­sie­ger Max Ver­stap­pen. Dabei war der Nie­der­län­der nach einem erfolg­rei­chen Video-Pro­test sei­nes Red Bull Teams gegen Hamil­ton in letz­ter Minu­te sogar in die ers­te Start­rei­he auf­ge­rückt.

Hamil­ton hin­ge­gen muss­te von Platz fünf los fah­ren. Ein Elek­tronik­pro­blem sorg­te aber für Schalt­pro­ble­me am RB16 und das frü­he Ende für Ver­stap­pen. Der Nie­der­län­der hät­te auf dem 53 Grad hei­ßen Asphalt des Red Bull Rings dank sei­ner här­te­ren Rei­fen zu Beginn erneut gute Sieg­chan­cen gehabt.

Die bei­den Mer­ce­des bau­ten in der Fol­ge einen der­ar­ti­gen Vor­sprung auf den zwei­ten Red Bull mit Alex Albon auf, dass sogar kurz die Motor­leis­tung gedros­selt wer­den konn­te. Doch dann kam doch noch alles anders. Unfäl­le und ins­ge­samt drei Safe­ty-Car-Pha­sen sorg­ten für ein Tohu­wa­bo­hu und wir­bel­ten das Ergeb­nis durch­ein­an­der. Als Albon im Finish dank schnel­le­rer Rei­fen außen an Hamil­ton vor­bei woll­te, ver­hak­te sein rech­tes Vor­der­rad am Auto des Bri­ten und der Thai­län­der dreh­te sich ins Aus. Wäh­rend ORF-Exper­te Alex­an­der Wurz dar­in einen Renn­un­fall sah, for­der­te Red-Bull-Bera­ter Hel­mut Mar­ko sogar eine här­te­re Stra­fe.

Mer­ce­des-Team­chef Toto Wolff war natür­lich mit der Zeit­stra­fe gegen Hamil­ton gar nicht ein­ver­stan­den. „Die Ste­wards haben eine har­ten Job. Ich habe mir das Video ange­se­hen und es war ein­deu­tig so, dass Lewis das Lenk­rad nicht bewegt und Albon genü­gend Platz gehabt hat.” Der Sonn­tag in Spiel­berg sei kein wirk­lich guter für Hamil­ton gewe­sen. „Zuerst in der Start­auf­stel­lung um drei Plät­ze zurück und dann auch das noch. Für mich waren die fünf Sekun­den ein­fach zu hart”, sag­te Wolff. Dass Hamil­ton von sei­nen Anti-Rras­sis­mus-Akti­vi­tä­ten abge­lenkt gewe­sen sein könn­te, wies Wolff aber zurück. „Natür­lich ist das ein The­ma, das ihm sehr am Her­zen liegt. Es hat­te aber sicher kei­ne Aus­wir­kung auf sei­ne Renn-Per­for­mance.”

Bei­de Mer­ce­des ver­such­ten danach zwar noch­mals nach­zu­le­gen, es ging sich aber für Hamil­ton nicht mehr aus. Auch, weil Nor­ris im Finish sogar die schnells­te Renn­run­de hin­leg­te. „Ich bin sprach­los und stolz”, sag­te der jüngs­te Fah­rer im Feld. „Die Wie­ner Schnit­zel in die­ser Woche haben gehol­fen”, spaß­te Team­chef Andre­as Seidl.

Der durch die Umstän­de auf Platz zwei gespül­te Leclerc mein­te: „Das ist heu­te wie ein Sieg.” Der Fin­ne Bottas jubel­te über sei­nen nun ach­ten GP-Sieg. „Ich hat­te das gan­ze Ren­nen Druck. Es gibt nichts Bes­se­res, als eine Sai­son mit einem Sieg zu begin­nen.”

Auf­fal­lend in Spiel­berg war, dass vie­le For­mel-1-Autos noch nicht wirk­lich stand­fest waren. Aber auch den Boxen­crews fehlt offen­bar durch die lan­ge Pau­se noch etwas die Rou­ti­ne. Beim Alfa von Kimi Räik­kö­nen etwa lös­te sich bei Höchst­tem­po ein schlecht befes­tig­tes Vor­der­rad. Bis zum zwei­ten Ren­nen kom­men­den Sonn­tag erneut auf dem Red Bull Ring war­tet viel Arbeit auf die Teams. Dann steht als zwei­tes Sai­son­ren­nen der Grand Prix der Stei­er­mark auf dem Pro­gramm.