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news/APA/Donnerstag, 25.11.21, 08:55:00

SPD, Grü­ne und FDP über deut­sche Ampel-Koali­ti­on einig

In Deutsch­land ist die Ampel-Koali­ti­on aus Sozi­al­de­mo­kra­ten (SPD), Grü­nen und FDP fix. Das ver­kün­de­te SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Olaf Scholz bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Ber­lin am Mitt­woch. Die SPD unter Scholz erhält laut dem Koali­ti­ons­ver­trag neben dem Kanz­ler sechs von 15 Minis­ter­pos­ten, an die libe­ra­le FDP gehen unter ande­rem das Finanz­mi­nis­te­ri­um sowie das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um. Die Grü­nen erhal­ten etwa das neue Super­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz sowie das Außenamt.
APA/APA/AFP/ODD ANDER­SEN

Scholz kün­dig­te nach Abschluss der Ver­hand­lun­gen mit Grü­nen und FDP eine „Koali­ti­on auf Augen­hö­he” an. Ziel sei kei­ne Poli­tik „des kleins­ten gemein­sa­men Nen­ners”, son­dern gemein­sam „eine Stär­kung des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halts”, um „das Land bes­ser zu machen”. „Uns eint der Glau­be an den Fort­schritt”, hob Scholz bei der Vor­stel­lung des Koali­ti­ons­ver­tra­ges für die geplan­te Ampel-Regie­rung wei­ter hervor.

FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner beton­te, Deutsch­land wer­de „der Anwalt soli­der Finan­zen” blei­ben. Zie­le der Ampel sei­en zudem, pri­va­te Initia­ti­ve, pri­va­tes Know-how und pri­va­tes Kapi­tal zu ent­fes­seln. Auch müs­se der Staat digi­ta­li­siert, die Bil­dung ver­bes­sert, sozia­ler Auf­stieg erleich­tert wer­den und eine gesell­schafts­po­li­ti­sche Libe­ra­li­sie­rung gelin­gen. Lind­ner wür­dig­te Scholz als „star­ke Führungspersönlichkeit”.

Grü­nen-Co-Chef Robert Habeck äußer­te sich zufrie­den mit dem Koali­ti­ons­ver­trag, ins­be­son­de­re mit den Ver­ein­ba­run­gen zur Kli­ma­po­li­tik. „Wir sind auf einem 1,5‑Grad-Pfad”, sagt er. Die Ampel-Par­tei­en woll­ten eine neue Geschich­te schrei­ben, die „die Ver­ein­bar­keit von Wohl­stand und Kli­ma­schutz” zei­ge. Statt immer neue Kli­ma­schutz­zie­le zu set­zen, habe man sich ent­schie­den, kon­kre­te Maß­nah­men zu vereinbaren.

Der Koali­ti­ons­ver­trag von SPD, Grü­nen und FDP ebnet nach Wor­ten der Grü­nen-Ko-Vor­sit­zen­den Anna­le­na Baer­bock den Weg Deutsch­lands in die Kli­ma­neu­tra­li­tät. Die Ampel-Par­tei­en woll­ten nicht den kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner suchen, son­dern in den ent­schei­den­den Berei­chen einen Para­dig­men­wech­sel ein­lei­ten, sag­te Baerbock.

Die Ampel-Par­tei­en einig­ten sich in ihren Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen auf ein neu­es Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bau­en. Vor­ge­se­hen ist zudem eine Erwei­te­rung des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums um das The­ma Kli­ma­schutz, hieß es in dem Koali­ti­ons­ver­trag, der am Mitt­woch vor­lag. Das Innen­mi­nis­te­ri­um gibt die Bau­ab­tei­lung an das neu geschaf­fe­ne Minis­te­ri­um ab.

Neben dem Bun­des­kanz­ler­amt, das Scholz als Bun­des­kanz­ler und einem Kanz­ler­amts­mi­nis­ter gelei­tet wer­den soll, wird es künf­tig 15 statt bis­her 14 Bun­des­mi­nis­te­ri­en geben. Davon sol­len sechs von der SPD besetzt wer­den (Innen und Hei­mat, Ver­tei­di­gung, Bau­en, Gesund­heit, Arbeit und Sozia­les sowie Wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung), fünf von den Grü­nen (Wirt­schaft und Kli­ma­schutz, Aus­wär­ti­ges Amt, Umwelt, Natur­schutz, nuklea­re Sicher­heit und Ver­brau­cher­schutz, Ernäh­rung und Land­wirt­schaft sowie Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend) und vier von der FDP (Finan­zen, Ver­kehr und Digi­ta­les, Bil­dung und For­schung sowie Justiz).

Ange­sichts immer stär­ker stei­gen­der Coro­na-Zah­len auch in Deutsch­land kün­dig­te Scholz einen stän­di­gen Coro­na-Kri­sen­stab im Kanz­ler­amt an. Er sprach sich zugleich für eine Impf­pflicht in bestimm­ten Ein­rich­tun­gen mit Risi­ko­grup­pen aus. „Imp­fen ist der Aus­weg aus die­ser Pan­de­mie.” Der SPD-Poli­ti­ker sag­te wei­ter: „In Ein­rich­tun­gen, in denen beson­ders vul­nerable Grup­pen betreut wer­den, soll­ten wir die Imp­fung ver­pflich­tend machen. Eine Aus­wei­tung die­ser Rege­lung bleibt zu prüfen.”

Die öster­rei­chi­schen Schwes­ter­par­tei­en gra­tu­lier­ten am Mitt­woch zur Bil­dung der Ampel-Koali­ti­on in Deutsch­land. „Die rasche Eini­gung für eine fort­schritt­li­che Koali­ti­on ist ein wich­ti­ges Signal für einen poli­ti­schen Auf­bruch nicht nur in Deutsch­land, son­dern in ganz Euro­pa”, teil­te SPÖ-Che­fin Pame­la Ren­di-Wag­ner in einer Aus­sendung mit. NEOS-Che­fin Bea­te Meinl-Rei­sin­ger gra­tu­lier­te ihrer­seits der FDP und lob­te das „umfas­sen­de, ambi­tio­nier­te Erneue­rungs- und Moder­ni­sie­rungs­pro­gramm, das auf Frei­heit, Gerech­tig­keit und Nach­hal­tig­keit” set­ze. „Solch eine muti­ge Poli­tik brau­chen Deutsch­land und die Euro­päi­sche Uni­on drin­gend”, so Meinl-Rei­sin­ger in einer Mitteilung.

Auch die öster­rei­chi­schen Grü­nen gra­tu­lier­ten. „Die größ­te Indus­trie­na­ti­on Euro­pas geht jetzt mit grü­nem Antrieb in Rich­tung Kli­ma­neu­tra­li­tät, Umbau der Wirt­schaft und sozia­len Zusam­men­halt. Die ambi­tio­nier­ten Vor­ha­ben die­ser Koali­ti­on wer­den auch für die aktu­el­len gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen in der EU Anstoß und Takt für wich­ti­ge Erneue­rungs­schrit­te geben”, beton­te Vize­kanz­ler Wer­ner Kog­ler (Grü­ne) am Mitt­woch­abend in einer Stel­lung­nah­me. Kli­ma­schutz­mi­nis­te­rin Leo­no­re Gewess­ler (Grü­ne) sah „ein star­kes Zei­chen für den Kli­ma­schutz”. Der Koali­ti­ons­ver­trag neh­me vie­le wich­ti­ge Wei­chen­stel­lun­gen, beton­te sie. „Der Koh­le­aus­stieg, der Umstieg auf sau­be­re E‑Autos und der Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien sind wich­ti­ge, zukunfts­träch­ti­ge Maß­nah­men – und gut fürs Klima.”

Finanz­mi­nis­ter Ger­not Blü­mel (ÖVP) lob­te „ein kla­res Bekennt­nis zum Euro­päi­schen Sta­bi­li­täts- und Wachs­tums­pakt” im neu­en deut­schen Koali­ti­ons­pro­gramm. „Damit bleibt Deutsch­land auch in der neu­en Koali­ti­on ein wich­ti­ger Part­ner für Öster­reich und unse­re Anlie­gen”, erklär­te Blü­mel in einer Stel­lung­nah­me. Auch hob er die geplan­te stär­ke­re Regu­lie­rung von Kryp­to­wäh­run­gen hervor.

Der Koali­ti­ons­ver­trag muss bei SPD und FDP jeweils durch Par­tei­ta­ge und bei den Grü­nen in einer Mit­glie­der­be­fra­gung gebil­ligt wer­den. In der Woche nach Niko­lo soll der bis­he­ri­ge Finanz­mi­nis­ter Scholz im Bun­des­tag zum Kanz­ler gewählt wer­den. Damit endet nach 16 Jah­ren die Ära von Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU), die bei der Bun­des­tags­wahl am 26. Sep­tem­ber nicht wie­der kan­di­diert hatte.