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news/APA/Dienstag, 12.01.21, 21:20:53

Skur­ri­le Befra­gung Kath­rin Glocks im U‑Ausschuss

Kath­rin Glock hat am Diens­tag im Ibi­za-U-Aus­schuss zur mut­maß­li­chen Käuf­lich­keit der tür­kis-blau­en Regie­rung aus­ge­sagt. Die Befra­gung gestal­te­te sich zum Groß­teil skur­ril, was unter ande­rem auch dar­an lag, dass die Frau des Waf­fen­pro­du­zen­ten Gas­ton Glock wegen von ihr geäu­ßer­ten Befürch­tun­gen einer Coro­na-Anste­ckung in einem sepa­ra­ten Raum befragt wur­de. Wegen der Video­über­tra­gung gab es Ver­ständ­nis­schwie­rig­kei­ten. Auch mit Glocks Art hat­ten die Abge­ord­ne­ten zu kämpfen.
APA/HELMUT FOHRIN­GER

In ihrer ein­lei­ten­den Stel­lung­nah­me zeig­te Glock wenig Ver­ständ­nis ob ihrer Vor­la­dung, und dass ihr „in Zei­ten der Pan­de­mie” nicht die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wor­den sei, am Ende des U‑Ausschusses aus­zu­sa­gen. Ihr sei es immer dar­um gegan­gen, ihren Mann vor einer Erkran­kung zu schützen.

Glock, deren Mann als ver­meint­li­cher Par­tei­spen­der von Stra­che im Video genannt wur­de, beton­te, dass alle straf­recht­lich rele­van­ten Vor­wür­fe von der WKS­tA geprüft wor­den sei­en und dass sie Fra­gen, die ihr ein straf­recht­lich rele­van­tes Ver­hal­ten unter­stell­ten, nicht beant­wor­ten wer­de. Immer wie­der des­in­fi­zier­te sich Glock demons­tra­tiv die Hän­de, wech­sel­te ihre Mas­ke und bat um Pau­sen. Außer­dem bean­stan­de­te sie oft die Fra­gen der Abge­ord­ne­ten und wei­ger­te sich gene­rell, die­se zu beant­wor­ten. Sie las­se sich nicht wie ein „Schul­mäd­chen” behandeln.

Zur Bestel­lung zur Auf­sichts­rä­tin der Aus­tro Con­trol durch den dama­li­gen Ver­kehrs­mi­nis­ter Nor­bert Hofer (FPÖ) mein­te Glock, dass die­ser sie zwei Mona­te vor der Bestel­lung ange­ru­fen und gefragt habe. Dar­auf­hin habe sie sich „Bedenk­zeit” erbe­ten und ihre „zeit­li­che Res­sour­cen” geprüft, denn sie sei Geschäfts­füh­re­rin von sie­ben Gesell­schaf­ten. Fern­ab des Glock-Kon­zerns füh­re sie auch ihr Fami­li­en­un­ter­neh­men. Schließ­lich habe sie Hofer aber zuge­sagt. Auf Fra­gen nach ihrer Qua­li­fi­zie­rung für den Pos­ten reagier­te Glock groß­teils emo­tio­nal. Ihr Mann habe sie sechs Jah­re auf ihre Auf­ga­ben vor­be­rei­tet, sie gehe durch die har­te Schu­le und: „Ich hal­te es wie unser Bun­des­kanz­ler, der hat bewie­sen, dass man alles kann.”

Hofer habe sie das ers­te Mal 2016 im Zuge eines Tier­heim­be­suchs in Vil­lach getrof­fen, so Glock, die anmerk­te: „Vil­lach liegt in Kärn­ten”. Zudem habe es auch Pri­vat­be­su­che Hofers in Vel­den gege­ben, so „zwei bis drei­mal”. Bei Pri­vat­be­su­chen sei er stets allei­ne gekom­men, erklär­te Glock auf Nach­fra­ge von Ver­fah­rens­rich­ter Wolf­gang Pöschl. Auch der ehe­ma­li­ge Vize­kanz­ler Heinz-Chris­ti­an Stra­che sei „bei unse­ren Reit­tur­nie­ren” zu Gast gewe­sen, so wie die ehe­ma­li­ge Sozi­al­mi­nis­te­rin Bea­te Har­tin­ger-Klein (FPÖ). Sie wies aber dar­auf hin, dass dabei immer Ein­tritts­geld bezahlt wor­den sei, und die­ses sei dann immer für kari­ta­ti­ve Zwe­cke gespen­det wor­den. Aus den Medi­en ken­ne man nur „die hal­ben Wahr­hei­ten”, sie sei aber nun hier, „um auf­zu­klä­ren”, beton­te sie.

Auf die Fra­ge, ob auch ande­re Poli­ti­ker als Frei­heit­li­che zu Gast gewe­sen sei­en, führ­te Glock etwa den Vil­la­cher Bür­ger­meis­ter an, ohne des­sen Namen zu nen­nen. Genau kön­ne sie sich aber nicht mehr erin­nern, denn bei den Ver­an­stal­tun­gen sei­en immer über 500 Gäs­te gela­den gewe­sen. „Ich begrü­ße bei einem Tur­nier täg­lich 500.” Zudem habe sie den Ablauf der Ver­an­stal­tun­gen über. Leich­ter wür­de sie sich tun, wenn man sie danach frag­te, ob der Schau­spie­ler John Tra­vol­ta anwe­send gewe­sen sei. Dass Bun­des­kanz­ler Sebas­ti­an Kurz (ÖVP) ein­mal dabei war, kön­ne sie aber jeden­falls ausschließen.

Glock bestä­tig­te auch, dass Stra­che bei ihr um eine Par­tei­spen­de ange­fragt habe, aber: „Ich habe nicht dar­auf geant­wor­tet.” Statt­des­sen sei die Nach­richt an den Anwalt des Unter­neh­mens wei­ter­ge­lei­tet wor­den. Dass es Spen­den an Par­tei­en oder par­tei­na­he Ver­ei­ne habe es aber nie gege­ben, Wahr­neh­mun­gen, dass Stra­che oder Hofer Bar­geld von Glock bekom­men hät­ten, habe sie kei­ne. Nach der Ver­öf­fent­li­chung des Ibi­za-Vide­os habe es kei­nen Kon­takt mehr zum ehe­ma­li­gen Vize­kanz­ler und FPÖ-Chef gegeben.

War­um Stra­che im Ibi­za-Video behaup­tet hat­te, dass Glock Poli­ti­ker bezah­le, konn­te sich die Aus­kunfts­per­son nicht erklä­ren, aber „vie­le schmü­cken sich mit dem Namen Glock”. Über der­ar­ti­ge Finan­zie­run­gen sei auch bei den Cha­ri­ty-Events des Unter­neh­mens nicht gespro­chen wor­den. Glock bestä­tig­te, dass Hofer ein­mal einen Hub­schrau­ber der Glock Avia­ti­on gebucht habe – und auch bezahlt.

Grü­nen-Frak­ti­ons­füh­re­rin Nina Toma­sel­li kam auf einen Besuch Hofers bei Glock im Febru­ar 2018 zu spre­chen. Dar­auf­hin habe die Anwäl­tin Glocks dem nun­meh­ri­gen FPÖ-Obmann eine Nach­richt mit Anre­gun­gen zum Stif­tungs­recht geschrie­ben, zu der die Aus­kunfts­per­son aber nichts Nähe­res sagen konn­te. Von ihr selbst habe es nie der­ar­ti­ge Anre­gun­gen zu die­sem The­ma gege­ben. Eine Mail, die ihr Toma­sel­li zeig­te, war Glock nicht erin­ner­lich, wie sie sagte.

Nach rund vier Stun­den ende­te die Befra­gung Glocks am spä­ten Abend. Am Mitt­woch sind – wegen der Natio­nal­rats-Son­der­sit­zung ab dem frü­hen Nach­mit­tag – der ehe­ma­li­ge Lan­des­rat Chris­ti­an Illedits (SPÖ) sowie Mar­kus Braun, Vor­stand der Sig­ma Invest­ment AG, als Aus­kunfts­per­so­nen geladen.