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news/APA/Mittwoch, 13.01.21, 14:12:19

Ski­ge­bie­te fürch­ten Ver­län­ge­rung des deut­schen Lock-Downs

Die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) denkt laut dar­über nach, den Lock-Down im wich­tigs­ten Gäs­te­land Öster­reichs bis auf Ostern aus­zu­deh­nen. Für die hei­mi­schen Bun­des­län­der wären die Aus­wir­kun­gen unter­schied­lich. So hat der Anteil deut­scher Gäs­te in Nie­der­ös­ter­reich in den Vor­kri­sen­jah­ren von Jän­ner bis März etwa vier Pro­zent betra­gen, rech­ne­te heu­te Nie­der­ös­ter­reichs Tou­ris­mus­lan­des­rat Jochen Dan­nin­ger (ÖVP) auf APA-Anfra­ge vor.
APA/dpa/Nicolas Armer

Für die Win­ter­sai­son in Kärn­ten wäre es hin­ge­gen ein har­ter Schlag. Chris­ti­an Kres­se, Geschäfts­füh­rer der Kärn­ten Wer­bung, erklär­te heu­te, er habe gera­de erst ein Online-Mee­ting mit rund 250 Hotel­be­trei­bern gehabt. Die über­wie­gen­de Zahl der Hotel­be­trei­ber wol­le am 25. Jän­ner auf­sper­ren, wenn es denn mög­lich sei. Der Anteil der öster­rei­chi­schen Gäs­te lie­ge nor­mal bei 38 Pro­zent, das sei mit Abstand der stärks­te Markt. Urlau­ber aus Deutsch­land stel­len die zweit­stärks­te Grup­pe mit 23,5 Prozent.

Auch in der Stei­er­mark blickt man sor­gen­voll nach Deutsch­land. Die Stei­er­mark hat zwar im Ver­gleich zu west­li­chen Bun­des­län­dern nicht so vie­le deut­sche Tou­ris­ten, doch wenn die in der Sai­son zur Gän­ze aus­fal­len soll­ten, „dann ist das natür­lich ein schwer zu ver­kraf­ten­der Bro­cken, da Deutsch­land der mit Abstand wich­tigs­te Aus­lands­markt für die Stei­er­mark ist”, so Erich Neu­hold, Geschäfts­füh­rer des Stei­er­mark Tou­ris­mus. Die Grü­ne Mark wür­de dadurch über 200.000 deut­sche Gäs­te mit etwa einer Mil­li­on Näch­ti­gun­gen ver­lie­ren. Auf den ande­ren inter­na­tio­na­len Märk­ten sehe es nach der­zei­ti­gem Stand auch nicht bes­ser aus.

In Ober­ös­ter­reich wird der Weg­fall von rund einer hal­ben Mil­li­on Näch­ti­gun­gen gegen­über den vor­an­ge­gan­gen Jah­ren befürch­tet. Nimmt man die letz­te „nor­ma­le” Win­ter­sai­son 2019 her, so hat­te das Land damals rund 580.000 Näch­ti­gun­gen von deut­schen Urlau­bern, rech­ne­te eine Spre­che­rin des Ober­ös­ter­reich Tou­ris­mus vor. Das waren rund 18 Pro­zent aller Näch­ti­gun­gen und 44 Pro­zent aller aus­län­di­schen Gäs­te. Man gehe davon aus, dass dann rund 90 Pro­zent der deut­schen Näch­ti­gun­gen in die­ser Win­ter­sai­son weg­fal­len wür­den. Die öster­rei­chi­schen Gäs­te könn­ten das nicht wett­ma­chen, schon gar nicht, solan­ge auch die Gas­tro­no­mie geschlos­sen sei, hieß es.

In Salz­burg wird bereits über ein vor­zei­ti­ges Sai­son­ende nach­ge­dacht. Falls auch in Öster­reich der zunächst bis 24. Jän­ner ver­ord­ne­te Lock-Down noch ver­län­gert wird, dann wer­den die Hotels ver­mut­lich nicht mehr auf­sper­ren, reagier­te Wal­ter Veit, Vize­prä­si­dent und Salz­bur­ger Lan­des­vor­sit­zen­der der Öster­rei­chi­schen Hote­lier­ver­ei­ni­gung, auf die Hiobs­bot­schaft aus Deutsch­land. „Wenn wir nicht am 25. Jän­ner auf­sper­ren kön­nen, ist der Win­ter­tou­ris­mus bei uns gelau­fen”, sag­te Veit. „Ab 31. Jän­ner begin­nen die Semes­ter­fe­ri­en. Wenn wir da nicht auf­sper­ren kön­nen, ist das aber das Ende.”

Und auch der Prä­si­dent der Tiro­ler Wirt­schafts­kam­mer, Chris­toph Wal­ser, sieht für die Win­ter­sai­son schwarz. „Rea­lis­tisch gese­hen wird die Win­ter­sai­son nichts mehr wer­den”, sag­te er am Diens­tag im APA-Gespräch. Ohne die deut­schen Gäs­te – die immer­hin rund die Hälf­te der Näch­ti­gun­gen aus­ma­chen – sei die Sai­son nicht mehr zu ret­ten. Soll­te sich bis Mit­te Febru­ar in den Nach­bar­staa­ten bei den Rei­se­be­schrän­kun­gen nichts ändern, müs­se man neue Ver­gü­tungs­mo­del­le für den Tou­ris­mus verhandeln.

Düs­ter ist auch der Aus­blick in Vor­arl­berg. Deutsch­land sei der größ­te Markt – wenn der weg­bre­che, kön­ne man sich aus­rech­nen, was pas­siert, so Mar­kus Kege­le, Obmann der Spar­te Tou­ris­mus und Frei­zeit­wirt­schaft. Inlands­gäs­te machen laut Kege­le in Vor­arl­berg rund zehn Pro­zent des Gäs­te­auf­kom­mens aus. Dazu kom­men nor­ma­ler­wei­se rund 14 Pro­zent aus der Schweiz.

Die Bil­der von Men­schen­mas­sen vor Lif­ten und die 17 Ver­dachts­fäl­le der bri­ti­schen Coro­na­vi­rus-Muta­ti­on im Tiro­ler Joch­berg haben heu­te die Oppo­si­ti­on auf den Plan geru­fen – und auch von den Grü­nen gab es Kri­tik. „Wir haben mit der Öff­nung der Ski­ge­bie­te einen muti­gen Schritt gesetzt und den Betrei­bern einen Ver­trau­ens­vor­schuss gege­ben. Jetzt müs­sen auch die loka­len Gesund­heits­be­hör­den muti­ge und viel­leicht nicht unbe­dingt popu­lä­re Schrit­te set­zen und Ski­ge­bie­te, in denen es immer wie­der zu Ver­feh­lun­gen kommt, kon­se­quent schlie­ßen”, so Bar­ba­ra Neß­ler, Tou­ris­mus­spre­che­rin der Grü­nen. Wenn Franz Hörl, Obmann des Fach­ver­ban­des der Öster­rei­chi­schen Seil­bah­nen, immer wie­der von „Ein­zel­fäl­len” spre­che, „dann muss ich hier ganz klar wider­spre­chen”, so Neßler.

Kri­tik kam heu­te auch von der SPÖ. Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Chris­ti­an Deutsch sprach von einer „tür­kis-grü­nen Cha­os­trup­pe”, die nichts aus den Vor­fäl­len im Tiro­ler Ischgl gelernt habe. „Auch in der Cau­sa Joch­berg wur­de beschwich­tigt, es gibt viel mehr unge­klär­te Fra­gen als Ant­wor­ten”, so Deutsch. Und auch die FPÖ nimmt den „Bri­ten-Clus­ter in Tirol” zum Anlass für eine Schel­te. „Wäh­rend die Öster­rei­cher einen Lock-Down nach dem ande­ren über sich erge­hen las­sen müs­sen, ver­sagt der Gesund­heits­mi­nis­ter beim Schutz des Lan­des”, so FPÖ-Obmann Nor­bert Hofer. Er ver­weist dar­auf, dass Öster­reich beim Lan­de­ver­bot für Maschi­nen aus Groß­bri­tan­ni­en spä­ter dran gewe­sen sei als ande­re Länder.