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news/APA/Montag, 11.01.21, 12:53:16

Simon Ratt­le wird Chef­di­ri­gent des BR-Symphonieorchesters

Es ist eine Spit­zen­per­so­na­lie in der Welt der klas­si­schen Musik: Sir Simon Ratt­le wird Chef­di­ri­gent des Sym­pho­nie­or­ches­ters des Baye­ri­schen Rund­funks (BRSO). Momen­tan ist der 65-Jäh­ri­ge noch Musik­di­rek­tor des Lon­don Sym­pho­ny Orches­tra. Sein Amt in Mün­chen als Lei­ter des renom­mier­ten Orches­ters samt Chor wer­de er zur Spiel­zeit 2023/2024 antre­ten, teil­te der Baye­ri­sche Rund­funk (BR) am Mon­tag in Mün­chen mit. Der Ver­trag läuft zunächst über fünf Jahre.
APA/dpa/Jörg Cars­ten­sen

„Mit sei­ner Lei­den­schaft, mit sei­ner künst­le­ri­schen Viel­sei­tig­keit und mit sei­nem ein­neh­men­den Cha­ris­ma wird er ein über­aus wür­di­ger Nach­fol­ger von Mariss Janons sein”, sag­te BR-Inten­dant Ulrich Wil­helm. Wie kein ande­rer ste­he er für neue Wege, Men­schen für Musik zu begeis­tern. Dies sei ein wich­ti­ges Signal gera­de in einer Zeit, in der die Kunst mit Ein­schrän­kun­gen durch die Pan­de­mie zu kämp­fen habe.

Der Bri­te hat viel Erfah­rung mit deut­schen Topor­ches­tern, nicht nur, weil er beim BRSO schon des Öfte­ren am Diri­gen­ten­pult stand. Von 2002 bis 2018 war er bereits Chef­di­ri­gent und künst­le­ri­scher Lei­ter der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker. In Öster­reich war Ratt­le u.a. als künst­le­ri­scher Lei­ter der Salz­bur­ger Oster­fest­spie­le zwi­schen 2003 und 2012 prä­sent, bevor dort eine Ära zu Ende ging: Die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker kehr­ten der Mozart­stadt nach 45 Jah­ren als Orches­ter in Resi­dence der Oster­fest­spie­le den Rücken. 2017 über­nahm er dann den Pos­ten in London.

Nun wird er also Nach­fol­ger von Mariss Jan­sons, der seit 2003 an der Spit­ze des Ensem­bles gestan­den hat­te und am 1. Dezem­ber 2019 über­ra­schend im Alter von 76 Jah­ren gestor­ben war. Eine Ehre, wie es Ratt­le am Mon­tag nann­te. „Ich bin begeis­tert”, erklär­te er.

Die Ent­schei­dung für Ratt­le kommt nicht über­ra­schend. Dem Ver­neh­men nach soll er der Wunsch­kan­di­dat von Jan­sons gewe­sen sein. Als nach des­sen Tod die Nach­fra­ge­de­bat­te auf­kam, wur­de Ratt­le schon recht bald als Anwär­ter gehan­delt, eben­so wie der 45-jäh­ri­ge Kana­di­er Yan­nick Nézet-Ségu­in, der­zeit unter ande­rem Musik­chef der New Yor­ker Metro­po­li­tan Ope­ra. Ins Spiel gebracht wur­de in Medi­en­be­rich­ten zudem der Öster­rei­cher Franz Wel­ser-Möst (60), seit 2002 Musik­di­rek­tor des Cleve­land Orchestra.

Dass es nun nach gut einem Jahr einen nam­haf­ten Nach­fol­ger für Jan­sons gibt, war vor allem ein Anlie­gen von BR-Inten­dant Ulrich Wil­helm. Noch vor dem Ende sei­ner Amts­zeit zum 31. Jän­ner woll­te er eine Ent­schei­dung, aller­dings nicht über das Orches­ter hin­weg. Es gebe eine sehr enge Abstim­mung mit den Mit­glie­dern des Sym­pho­nie­or­ches­ters, hat­te Wil­helm immer betont. Aller­dings hat­te die Coro­na-Pan­de­mie die Ent­schei­dung ver­zö­gert. Rei­se­be­schrän­kun­gen und der Aus­fall von Kon­zer­ten erschwer­ten die Suche und die Gesprä­che mit Kandidaten.

Ein wich­ti­ger Aspekt dürf­te für einen künf­ti­gen Chef­di­ri­gen­ten auch das geplan­te neue Münch­ner Kon­zert­haus als Hei­mat des Orches­ters sein. Jan­sons hat­te sich stets dafür stark gemacht. Doch aus dem geplan­ten Bau­be­ginn im Früh­jahr 2018 wur­de nichts. Seit­dem wird immer noch geplant und ange­sichts der Coro­na-Kri­se auch nach Mög­lich­kei­ten gesucht, das Vor­ha­ben bil­li­ger zu gestal­ten. Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder (CSU) bekennt sich jedoch wei­ter zu dem Prestigeprojekt.