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news/APA/Donnerstag, 15.10.20, 12:36:19

Ser­vice: Wie Wär­me Rücken­schmer­zen lin­dert

Bei Ver­span­nun­gen kön­nen wär­men­de Cremes oder Pflas­ter eine Wohl­tat sein. Doch wie­so tun sie uns dann so gut? Ein Schmerz­ex­per­te erklärt, was dahin­ter­steckt – und war­um manch­mal Vor­sicht gebo­ten ist.
APA/APA (dpa/gms/Christin Klo­se)

Bei Rücken­schmer­zen hilft oft Wär­me in Form von Sal­ben oder Pflas­tern. Aber war­um? „Grund­sätz­lich ist es so, dass rund 80 Pro­zent der Kreuz­schmer­zen Mus­kel­schmer­zen sind, die auf Ver­span­nun­gen und Dys­ba­lan­cen grün­den”, sagt der Ortho­pä­de Hans-Rai­mund Cas­ser. „Ein Mus­kel reagiert auf Wär­me posi­tiv, er ent­spannt und dann las­sen die Schmer­zen nach”, erläu­tert der Schmerz­spe­zia­list.

Man­che nut­zen auch Kirsch­kern­kis­sen, die sich erwär­men und auf den Rücken legen las­sen. Alles sei erlaubt und mög­lich, solan­ge es die Haut nicht ver­brennt, meint Cas­ser. Wärm­fla­schen sind oft zu heiß.

Vor­sicht bei gestör­tem Schmerz­emp­fin­den

Behut­sam soll­ten Men­schen sein, deren Schmerz­emp­fin­den gestört ist – Dia­be­ti­ker zum Bei­spiel. Sie bekom­men womög­lich zu spät mit, wenn ihre Haut durch Hit­ze Scha­den nimmt. Bei Ver­let­zun­gen oder Ent­zün­dun­gen auf der Haut – etwa in Fol­ge eines Insek­ten­stichs – sei­en Wär­me­maß­nah­men gene­rell meis­tens nicht gut, so Cas­ser.

Spe­zi­el­le Pflas­ter und Sal­ben ent­hal­ten Schmerz­mit­tel und teils Wirk­stof­fe gegen Ent­zün­dun­gen. Nicht-ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Mit­tel wir­ken ein bis zwei Zen­ti­me­ter unter der Haut. „Wenn man weiß, dass die meis­ten Stö­run­gen nicht so ober­fläch­lich sind, geht man also damit nur gegen die Sym­pto­me und nicht die Ursa­che der Schmer­zen vor”, erläu­tert der Medi­zi­ner. Aber das ist ja auch in Ord­nung.

Pflas­ter gene­rell etwas wir­kungs­vol­ler

Gene­rell sei­en Pflas­ter etwas wir­kungs­vol­ler als Cremes, so Cas­ser, weil sie eine Iso­lier­schicht nach außen haben, was ihre Wir­kung nach innen ver­stärkt.

Es gibt auch Pflas­ter mit einem sehr hohen Anteil des Chi­li-Extrakts Cap­sai­cin, die bei neu­ro­pa­thi­schen Schmer­zen ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Zum Bei­spiel, wenn Band­schei­ben auf Ner­ven drü­cken. „Die haben auch eine tie­fe­re Wir­kung und redu­zie­ren die Schmerz­re­zep­to­ren”, erläu­tert der Exper­te. Aller­dings müs­sen die Pflas­ter auf­grund ihrer star­ken Wir­kung unter ärzt­li­cher Auf­sicht ver­wen­det wer­den.

War­um wirkt Wär­me auch an den Ner­ven und nicht nur am Mus­kel? Die Schmerz­lei­ter (C‑Fasern) sind laut Cas­ser die dünns­ten Ner­ven­fa­sern, die wir haben – und die sind sowohl für das Tem­pe­ra­tur- als auch das Schmerz­emp­fin­den zustän­dig. „Damit lässt sich das Schmerz­emp­fin­den durch Käl­te- und Wär­me­rei­ze unter­drü­cken.”

Wie Wärme Rückenschmerzen lindert

80 Prozent der Kreuzschmerzen sind Muskelschmerzen

Credit: APA/APA (dpa/gms/Christin Klose)