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news/APA/Montag, 13.09.21, 10:07:06

Ser­vice: See­bä­ren und bal­zen­de Strau­ße: Kap­stadts wil­de Seite

Die Halb­in­sel am Kap der Guten Hoff­nung ist ein Para­dies für Was­ser­sport­ler und Natur­freun­de. Ein Orts­be­such bei gebeu­tel­ten Pin­gui­nen, knut­schen­den See­bä­ren und die­bi­schen Pavianen. 
APA/APA/dpa/gms/Selz/Christian Selz

Flach wie ein Spie­gel liegt die Fal­se Bay an die­sem Win­ter­mor­gen vor Kap­stadts süd­lichs­tem Vor­ort Simon’s Town. „Nicht der aller­schlech­tes­te Tag für einen Aus­flug aufs Meer”, sagt Derek. Seit 20 Jah­ren bie­tet er Kajak­tou­ren in der Bucht an. Sei­ne Gäs­te stei­gen in die klei­nen Boo­te, um Tie­re zu beob­ach­ten, die manch einer in Afri­ka viel­leicht gar nicht erwar­ten würde.

Unver­hoff­te Begeg­nung mit einem Wal

Nach einem kur­zen Sicher­heits­brie­fing pad­delt die Grup­pe hin­aus aufs Meer, vor­bei an luxu­riö­sen Jach­ten im Hafen von Simon’s Town und Fre­gat­ten der benach­bar­ten Mari­ne­ba­sis. In drei wen­di­gen Einer-Boo­ten beglei­tet Derek mit zwei Kol­le­gen die Tour­gäs­te, die schon bald gigan­ti­sche Gesell­schaft bekom­men: Ein Buckel­wal taucht ein paar Hun­dert Meter hin­ter den Kajaks auf, um ein­mal tief Luft zu holen.

Mit über­ra­schen­dem Tem­po schnei­den die enorm sta­bi­len Kajaks durch das abso­lut glat­te Was­ser. Derek steu­ert einen Fel­sen an, der gut 500 Meter vor der Küs­te aus dem Was­ser ragt und einer offen­sicht­lich wohl­ge­nähr­ten Rob­be als son­ni­ger Ruhe­platz dient.

Die Haupt­at­trak­ti­on der Tour aber sind Vögel, die eben­so gra­zil schwim­men kön­nen wie die Fische: Bril­len­pin­gui­ne. Am Boul­ders Beach bei Simon’s Town hat die ein­zi­ge Pin­guin­art des afri­ka­ni­schen Kon­ti­nents eines ihrer letz­ten Refu­gi­en. Rund 2500 der schwarz-weiß gefie­der­ten Tie­re leben in der streng geschütz­ten Kolo­nie, die zum Tafel­berg-Natio­nal­park gehört.

Die Geschich­te der Pinguine

Zwei bis vier Mil­lio­nen Jah­re lang brü­te­ten die flug­un­fä­hi­gen Vögel rela­tiv unge­stört auf den klei­nen Eilan­den vor der süd­afri­ka­ni­schen und nami­bi­schen Küs­te. Um 1900 soll ihr Bestand noch bei drei bis vier Mil­lio­nen Tie­ren gele­gen haben. Heu­te hat die Art gera­de noch 36 000 leben­de Ver­tre­ter. Von den Inseln wur­den die Tie­re ver­drängt, weil der Mensch ihnen mit dem Gua­no-Abbau das Bau­ma­te­ri­al für ihre Nes­ter nahm – und dann auch noch die Eier raub­te. Die Pin­gui­ne zogen sich aufs Fest­land zurück, wo Raub­tie­re sie bedrohen.

Inzwi­schen ste­hen die Vögel eben­so wie wei­te Tei­le der Kaphalb­in­sel und sämt­li­che küs­ten­na­hen Mee­res­ge­bie­te unter dem Schutz des Tafel­berg-Natio­nal­parks. Längst hat sich in Kap­stadt die Erkennt­nis durch­ge­setzt, dass die Tie­re in der spek­ta­ku­lä­ren Was­ser­welt rund um die Metro­po­le lebend deut­lich wert­vol­ler sind.

Davon pro­fi­tie­ren auch die Rob­ben, die sich ein paar Kilo­me­ter west­lich des Fischer­ha­fens von Hout Bay auf den wel­len­um­tos­ten Fel­sen von Dui­ker Island ein­ge­fun­den haben. 3000 Süd­afri­ka­ni­sche See­bä­ren drän­geln sich auf dem klei­nen Eiland.

Auf Schnor­chel­tour mit Robben

Beob­ach­ten las­sen sich die bis zu 300 Kilo­gramm schwe­ren Rob­ben nicht nur vom Boot aus, son­dern auch auf geführ­ten Schnor­chel­tou­ren. Die bei­den Gui­des Jami Mar­nitz und Sam Sive­w­right las­sen ihre Gäs­te dazu in fünf Mil­li­me­ter dicke Neo­pren­an­zü­ge plus zusätz­li­cher Neo­pren­wes­te schlüp­fen, deren Sinn sich nach dem Sprung in das etwa zwölf Grad kal­te Was­ser des Atlan­tiks sofort erschließt.

Sobald der ers­te Käl­te­schock über­wun­den ist, durch­flu­tet eine selt­sa­me Wär­me den Kör­per. Die Auf­merk­sam­keit gilt ohne­hin schon längst den ver­spiel­ten, neu­gie­ri­gen und dabei tor­pe­do­schnel­len See­bä­ren. Immer wie­der schie­ßen die Tie­re bis kurz vor die Tau­cher­bril­le. Sie hal­ten auch mal kurz inne, um die selt­sa­men Ein­dring­lin­ge zu beäu­gen und dre­hen dann ele­gant wie­der ab.

Am groß­ar­tigs­ten, erzählt Jami, ist das Erleb­nis im März und April, wenn die Jung­tie­re anfan­gen zu schwim­men. Span­nend sei auch die Paa­rungs­zeit im Okto­ber und Novem­ber. „Die küs­sen sich schon ziem­lich aus­gie­big und füh­ren ihre inti­men Tän­ze auf”, erklärt sie.

Erkun­dun­gen mit elek­tri­scher Unterstützung

Doch auch an Land hat das Kap eini­ges zu bie­ten. Auf einer geführ­ten E‑Bike-Tour lässt sich der Abschnitt des Natio­nal­parks an der süd­west­lichs­ten Spit­ze Afri­kas erkunden.

Über schrof­fe Klip­pen fällt die Küs­te hier nach Osten größ­ten­teils steil in die Fal­se Bay ab. In der Strauch­land­schaft gra­sen bis zu eine Ton­ne schwe­re Elen­an­ti­lo­pen und klei­ne­re Bunt­bö­cke. Ein Strau­ßen­weib­chen rennt vor den Rad­lern die Stra­ße ent­lang. Kurz vorm Kap voll­führt ein Strau­ßen­männ­chen dann einen selt­sam anmu­ten­den Tanz auf, bei dem es die Brust fast über den Boden schleift und mit den Flü­geln wel­len­för­mig rudert. „Das ist ein Paa­rungs­tanz”, klärt Gui­de Edu­ard Sny­man auf. Der Strauß wol­le bei den Damen Ein­druck machen.

Nur ein paar Tou­ris­ten – aber fre­che Affen

An der höl­zer­nen Namens­ta­fel mit den Koor­di­na­ten des Kaps haben sich tat­säch­lich ein paar Tou­ris­ten ein­ge­fun­den. An die­ser Stel­le war­te­ten vor Coro­na Men­schen aus aller Welt in lan­gen Schlan­gen dar­auf, ihr obli­ga­to­ri­sches Erin­ne­rungs­fo­to zu schießen.

Unter­stützt vom lei­se sur­ren­den Elek­tro­mo­tor geht es wei­ter, die nun kur­ven­rei­che Stra­ße zum Cape Point hin­auf. Hoch oben auf den stei­len Klip­pen dient der alte Leucht­turm noch immer als Postkartenmotiv.

Vor einem geschlos­se­nen Sou­ve­nir­la­den hat ein Pavi­an­weib­chen ein arg­lo­ses Urlau­ber­pär­chen ins Visier genom­men und deren Pro­vi­ant­beu­tel erbeu­tet. Edu­ard Sny­man hat vor den die­bi­schen Affen gewarnt und muss sich nun ein Lachen ver­knei­fen. Die Tie­re dür­fen unter Straf­an­dro­hung nicht gefüt­tert wer­den. Bloß gehen sie selbst ger­ne auf Beutezug.

Info-Kas­ten: Kapstadt

Kli­ma und Rei­se­zeit: Die Süd­halb­ku­gel-Som­mer von Novem­ber bis März sind tro­cken und warm, im Win­ter von Mai bis Sep­tem­ber wird es vor allem nachts teils emp­find­lich kalt.

Ein­rei­se und Coro­na-Lage: Ein Tou­ris­ten­vi­sum für Süd­afri­ka wird bei der Ein­rei­se kos­ten­los aus­ge­stellt. Rei­sen­de über fünf Jah­re brau­chen einen nega­ti­ven Coro­na-Test (PCR), der nicht älter als 72 Stun­den sein darf. Wei­te­re Infos unter ande­rem beim Außenministerium.

Infor­ma­tio­nen:

Seebären und balzende Strauße: Kapstadts wilde Seite

Simon's Town liegt südlich von Kapstadt idyllisch an der False Bay

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Der Ausblick am Kap ist schön, aber die Paviane sind frech

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Das Straußenweibchen hat die Touristen registriert - und flüchtet bald darauf

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Die Seevögel sagen Hallo: Die Kap-Halbinsel lässt sich vom Wasser aus erkunden

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