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news/APA/Samstag, 14.05.22, 13:09:30

Schwe­re Kämp­fe und rus­si­sche Ver­lus­te in Ostukraine

In der Ukrai­ne wer­den wei­ter­hin schwe­re Kämp­fe aus dem Osten des Lan­des gemel­det. Bei einer miss­glück­ten Flus­s­über­que­rung sol­len die Rus­sen gro­ße Ver­lus­te erlit­ten haben. Unter dem Ein­druck der anhal­ten­den Kämp­fe tritt der Krieg nach Ein­schät­zung Kiews in eine „neue, lan­ge Pha­se”. Dem Land stün­den „extrem har­te Wochen” bevor, in denen es einem „erzürn­ten Aggres­sor” weit­ge­hend allein gegen­über ste­he, erklär­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ole­xii Res­ni­kow auf Facebook.
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Vor allem im Osten des Lan­des set­zen die rus­si­sche Trup­pen ihre inten­si­ven Kämp­fe gegen die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te fort – ohne jedoch nen­nens­wer­te Fort­schrit­te zu erzie­len. Die ukrai­ni­schen Sol­da­ten hät­ten rus­si­sche Ver­su­che zurück­ge­schla­gen, einen Fluss zu über­que­ren und die Stadt Sewerodo­nezk ein­zu­kes­seln, teil­te der Gou­ver­neur der öst­li­chen Regi­on Lug­ansk, Ser­hij Gaj­daj, am Sams­tag mit.

„An der Gren­ze zur Regi­on Donezk, auf der Sei­te der Stadt Popas­na, wird der­zeit hef­tig gekämpft”, erklär­te Gaj­daj. Nach Anga­ben des Gou­ver­neurs erlit­ten die rus­si­schen Trup­pen schwe­re Ver­lus­ten an Sol­da­ten und Aus­rüs­tung. Aus abge­hör­ten Tele­fon­ge­sprä­chen habe die ukrai­ni­sche Sei­te erfah­ren, „dass ein gan­zes rus­si­sches Batail­lon sich gewei­gert hat, anzu­grei­fen, weil sie gese­hen haben, was pas­siert”. Luft­auf­nah­men zeig­ten Dut­zen­de von zer­stör­ten Pan­zer­fahr­zeu­gen am Fluss­ufer sowie zer­stör­te Pontonbrücken.

Die rus­si­schen Trup­pen hät­ten schwe­re Ver­lus­te erlit­ten, nach­dem die ukrai­ni­schen Streit­kräf­te ihren Ver­such der Über­que­rung des Flus­ses zurück­ge­schla­gen hät­ten, teil­te auch das bri­ti­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um mit. „Flus­s­über­que­run­gen in einem umkämpf­ten Gebiet sind ein höchst ris­kan­tes Manö­ver und spre­chen für den Druck, unter dem die rus­si­schen Befehls­ha­ber ste­hen, ihre Ope­ra­tio­nen in der Ost­ukrai­ne vor­an­zu­brin­gen”, hieß es. Das Minis­te­ri­um füg­te hin­zu, dass die rus­si­schen Streit­kräf­te „trotz der Kon­zen­tra­ti­on ihrer Kräf­te in die­sem Gebiet kei­ne nen­nens­wer­ten Fort­schrit­te gemacht haben”.

Der­weil gelang es der Ukrai­ne nach eige­nen Anga­ben, die rus­si­schen Trup­pen aus der nörd­li­chen Stadt Char­kiw zu ver­trei­ben – die für Mos­kau ein vor­ran­gi­ges Ziel gewe­sen war. In der Regi­on Char­kiw „kon­zen­trie­ren sich die Bemü­hun­gen des Fein­des vor allem dar­auf, den Rück­zug sei­ner Ein­hei­ten aus der Stadt Char­kiw sicher­zu­stel­len”, sag­te ein Spre­cher des ukrai­ni­schen Gene­ral­stabs. „Die schritt­wei­se Befrei­ung der Regi­on Char­kiw beweist, dass wir dem Feind nie­man­den über­las­sen wer­den”, hat­te der ukrai­ni­sche Prä­si­dent Wolo­dym­yr Selen­skyj in sei­ner täg­li­chen Video­an­spra­che schon am Frei­tag gesagt.

Angrif­fe aus der Luft und am Boden gab es am Sams­tag auch erneut auf das Asow-Stahl­werk, teil­te der Mariu­po­ler Stadt­rats­ab­ge­ord­ne­te Petro Andrjuscht­schen­ko auf Tele­gram mit. Er ver­öf­fent­li­che dazu ein Video, das Luft­auf­nah­men des Stahl­werks unter rus­si­schem Beschuss zei­gen soll. Woher und von wann die Auf­nah­men stam­men, kann unab­hän­gig nicht über­prüft werden.

„Die Grau­sam­keit des Fein­des nimmt zu”, mein­te Andrjuscht­schen­ko. Es wür­den nicht nur die Ver­tei­di­ger von Mariu­pol selbst ange­grif­fen, son­dern auch ihre Fami­li­en. „Ges­tern haben die Besat­zer in den sozia­len Netz­wer­ken die per­sön­li­chen Kon­tak­te (Tele­fon, Pro­fi­le) der Ehe­part­ner aus­fin­dig gemacht”, sag­te Andrjuschtschenko.

Die ukrai­ni­sche Regie­rung hat­te zuletzt erklärt, alles dafür zu tun, um die Ver­tei­di­ger von Mariu­pol über Ver­hand­lun­gen mit Russ­land aus der Indus­trie­zo­ne her­aus­zu­ho­len. Das sei schwie­rig, hieß es. Vize-Regie­rungs­chefin Iry­na Werescht­schuk teil­te am Sams­tag mit, es gehe aktu­ell um Ver­hand­lun­gen für 60 Men­schen, dar­un­ter ver­letz­te Kämp­fer und medi­zi­ni­sches Per­so­nal. „Dort sind eini­ge Hun­dert Ver­letz­te, sie müs­sen zuerst geret­tet wer­den, weil die Rus­sen für alle auf ein­mal kei­ne Zustim­mung ertei­len”, sag­te sie.

Wei­ter­hin nur Spe­ku­la­tio­nen gibt es über die Anzahl getö­te­ter rus­si­scher Sol­da­ten. Der Gene­ral­stab der Streit­kräf­te der Ukrai­ne sprach am Sams­tag von rund 27.200 toten rus­si­schen Sol­da­ten. Zwi­schen dem 24. Febru­ar und dem 14. Mai habe der Feind außer­dem u.a. 1.218 Pan­zer, 2.934 gepan­zer­te Kampf­fahr­zeu­ge, 200 Flug­zeu­ge, 163 Hub­schrau­ber, 2.059 Kraft­fahr­zeu­ge und Tank­wa­gen und 13 Schiffe/Boote verloren.

Jüngs­te Auf­nah­men von Reu­ters-TV am Stadt­rand von Kiew wer­fen ein Schlag­licht auf die Ver­lus­te: Auf einem Bahn­hofs­ge­län­de wur­den dort Hun­der­te Lei­chen rus­si­scher Sol­da­ten in gekühl­te Zug­wag­gons gela­den. Dar­in sol­len sie auf­be­wahrt wer­den, bis sie nach Russ­land zu ihren Ange­hö­ri­gen gebracht wer­den kön­nen, sag­te der zivil-mili­tä­ri­sche Chef-Ver­bin­dungs­of­fi­zier Wolo­do­myr Ljamsin. Die meis­ten Lei­chen sei­en aus dem Groß­raum Kiew, eini­ge aus Tscher­ni­hiw und ande­ren Regio­nen. Auch in ande­ren Gebie­ten der Ukrai­ne gebe es sol­che Wag­gons, sag­te Ljamsin.