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news/APA/Montag, 17.08.20, 14:30:25

Schul­start „mit Vor­sicht”, Coro­na-Ampel und Schü­ler­scree­ning

Ohne Schicht­be­trieb und hal­be Klas­sen, aber „mit Vor­sicht” will Bil­dungs­mi­nis­ter Heinz Faß­mann (ÖVP) ins neue Schul­jahr star­ten. Eine Umstel­lung auf Heim­un­ter­richt soll es laut am Mon­tag prä­sen­tier­tem Kon­zept nur geben, wenn die Coro­na-Ampel auf „rot” springt oder ein­zel­ne Schu­len wegen Covid-19-Infek­tio­nen geschlos­sen wer­den. Das Infek­ti­ons­ge­sche­hen an den Schu­len wird per Scree­ning kon­trol­liert.
APA/ROLAND SCHLA­GER

Die Defi­ni­ti­on, ab wel­chen Fall­zah­len die Coro­na-Ampel ihre Far­be ändert, hat das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um für Anfang Sep­tem­ber ange­kün­digt. „Unse­re Ambi­ti­on ist, uns der Ampel­far­be anzu­pas­sen”, so Faß­mann. Groß­flä­chi­ge Schul­schlie­ßun­gen wol­le das Minis­te­ri­um jeden­falls mit aller Ener­gie ver­mei­den, auch wenn sie im Ein­zel­fall nicht zu ver­hin­dern sein wer­den.

Dazu wer­de es aller­dings die Mit­hil­fe der Eltern brau­chen, beton­te Faß­mann: In einem mehr­spra­chi­gen Eltern­brief soll an die­se appel­liert wer­den, ihr Kind nicht krank in die Schu­le zu schi­cken. Ein Hus­ten ohne wei­te­re Sym­pto­me sei wohl noch nicht pro­ble­ma­tisch, hier müs­se das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um aber noch eine kla­re und prä­zi­se Sym­pto­ma­tik vor­ge­ben. Auch an Schul­lei­ter soll ein Schrei­ben mit kon­kre­ten Vor­ga­ben und Emp­feh­lun­gen erge­hen.

Wenn die Coro­na-Ampel auf „rot” schal­tet und es zum all­ge­mei­nen Lock­down in einem poli­ti­schen Bezirk kommt, stel­len alle betref­fen­den Schu­len wie­der auf Distance-Lear­ning und Not­be­trieb um. Das­sel­be pas­siert bei Schlie­ßung ein­zel­ner Klas­sen oder Schu­len. Im Kin­der­gar­ten-Bereich gibt es bei Stu­fe „rot” u.a. kei­ne Durch­mi­schung der Grup­pen, Kin­der im ver­pflich­ten­den letz­ten Kin­der­gar­ten­jahr dür­fen dann daheim­blei­ben.

Bei Ampel­stu­fe „grün” soll es wei­test­ge­hen­den Nor­mal­be­trieb geben, auch Schul­ver­an­stal­tun­gen wie Ski­kur­se sind erlaubt. Aller­dings appel­lie­re Faß­mann an die Schu­len, das Risi­ko abzu­schät­zen und auf die Stor­n­o­be­din­gun­gen zu ach­ten.

Ab Stu­fe „gelb” gilt durch­ge­hend Mund-Nasen-Schutz-Pflicht abseits des eige­nen Sitz­plat­zes. Gesun­gen wer­den soll dann nur noch im Frei­en oder in der Klas­se nur mit Mas­ke. Sport gibt es nur noch im Frei­en, Kon­takt­sport­ar­ten gar nicht.

Ab Ampel­far­be „oran­ge”, die laut Faß­mann „eine deut­li­che Aus­wei­tung der Infek­ti­on” bedeu­tet, wech­seln die Sekun­dar­stu­fen-II-Schü­ler dann in den „fle­xi­blen” Heim­un­ter­richt. Die Schu­len kön­nen sich auch auto­nom für Schicht-Prä­senz­be­trieb unter Auf­la­gen ent­schei­den. Für alle Jün­ge­ren gibt es dann kei­ne Schul­ver­an­stal­tun­gen mehr und Sin­gen nur noch im Frei­en, Leh­rer­kon­fe­ren­zen fin­den dann nur noch online statt.

Gene­rell soll beim Wie­der­ein­stieg in den Schul­be­trieb die Ver­mi­schung der Klas­sen unter­ein­an­der ver­mie­den wer­den, was sich auch auf die Pau­sen­ge­stal­tung aus­wir­ken wird. Es gel­ten Regeln zum Hän­de­wa­schen, zur Hust- und Nies­hy­gie­ne sowie zum Abstand­hal­ten, das Klas­sen­zim­mer soll auch wäh­rend des Unter­richts im 20-Minu­ten-Takt gelüf­tet wer­den. Außer­dem sol­len die Schu­len so viel Unter­richt wie mög­lich im Frei­en abhal­ten.

Schü­ler mit Sym­pto­men eines Covid-19-Infekts, für den es kei­ne ande­re ein­leuch­ten­de Ursa­che gibt, sol­len zuhau­se blei­ben. Bei einem Ver­dachts­fall in der Klas­se wer­den das betrof­fe­ne Kind abge­son­dert und die Gesund­heits­be­hör­de infor­miert. Die­se ent­schei­det dann, ob die Abklä­rung vor Ort erfolgt und über Tes­tun­gen von Kon­takt­per­so­nen. Der­zeit in Dis­kus­si­on ist laut Faß­mann, ob wie bis­her bei einem Covid-19-Fall alle engen Kon­takt­per­so­nen in Qua­ran­tä­ne müs­sen oder betrof­fe­ne Schü­ler, wie in der Schweiz, mit Mund-Nasen-Schutz am Unter­richt teil­neh­men kön­nen.

Minis­te­ri­um und Schu­len haben die Som­mer­fe­ri­en laut Faß­mann zur Vor­be­rei­tung auf das neue Schul­jahr unter Coro­na-Bedin­gun­gen genutzt, von der Aus­stat­tung mit Hygie­nema­te­ri­al über Leh­rer­fort­bil­dung bis zur Schaf­fung des Por­tals „Digi­ta­le Schu­le” mit Sep­tem­ber. Auch aus den Feh­lern beim Fern­un­ter­richt im Früh­jahr habe man gelernt: Im neu­en Schul­jahr darf jede Schu­le nur eine Lern­platt­form nut­zen, die Leh­rer müs­sen die Auf­ga­ben für die Schü­ler abstim­men und regel­mä­ßig Kon­takt zu den Schü­lern hal­ten, bei Bedarf wer­den Leih­ge­rä­te zur Ver­fü­gung gestellt. Für alle Fra­gen zu den Aus­wir­kun­gen der Coro­na-Pan­de­mie auf den Schul­be­trieb gibt es eine eige­ne Coro­na-Hot­line (0800 21 65 95).

Leh­rer aus der Risi­ko­grup­pe müs­sen kei­nen Prä­senz­un­ter­richt hal­ten, auch bei stei­gen­der psy­cho­lo­gi­scher Belas­tung wegen stei­gen­der Infek­ti­ons­zah­len kön­nen sie sich per Attest vom Prä­senz­un­ter­richt befrei­en las­sen. Leh­rer über 60 ohne rele­van­te Vor­er­kran­kung wer­den sich nach der­zei­ti­gem Stand im Gegen­satz zum vori­gen Schul­jahr nicht auf Wunsch frei­stel­len las­sen kön­nen.

Um einen Über­blick über das tat­säch­li­che Infek­ti­ons­ge­sche­hen an den Schu­len zu haben, wird es ein Schul­mo­ni­to­ring geben. Dabei wer­den alle drei Wochen in Zusam­men­ar­beit mit meh­re­ren Unis 15.000 Schü­ler und 1.200 Leh­rer an 250 Schu­len in ganz Öster­reich per schmerz­frei­er Gur­gel­me­tho­de getes­tet. Immer­hin könn­ten sich Kin­der eben­so leicht anste­cken wie Erwach­se­ne und könn­ten das Virus auch wei­ter­ge­ben, wür­den aller­dings meist asym­pto­ma­tisch erkran­ken, beton­te Mole­ku­lar­bio­lo­ge Micha­el Wag­ner von der Uni Wien die Wich­tig­keit des Test­pro­gramms.

Vor allem im Win­ter, wenn Kin­der hus­ten und schnup­fen und damit mehr infek­tiö­se Tröpf­chen und Aero­so­le erzeu­gen, könn­ten sie das Virus dann auch öfter wei­ter­ge­ben. Das Scree­ning ermög­li­che dann ein­zu­schät­zen, ob die bis­her getrof­fe­nen Maß­nah­men für einen siche­ren Schul­be­trieb aus­rei­chen oder ob nach­ge­schärft wer­den muss. Schu­len sei­en jeden­falls kei­ne „Insel der Seli­gen”, beton­te Wag­ner, das Infek­ti­ons­ge­sche­hen der gesam­ten Gesell­schaft wer­de sich auch dort abbil­den. Wenn es also mög­lichst nicht zu Schul­schlie­ßun­gen kom­men sol­le, müss­ten alle mit­hel­fen und die Ver­brei­tung des Virus so gut wie mög­lich ein­däm­men hel­fen.

Die Oppo­si­ti­ons­par­tei­en zeig­ten sich von dem Plan nicht sehr ange­tan und ver­mis­sen nach wie vor kla­re Regeln für den Schul­start. Kri­tik von SPÖ und NEOS gab es vor allem dar­an, dass es bereits Vor­ga­ben für Schu­len bei gewis­sen Ampel­far­ben gebe, obwohl die Kri­te­ri­en für die Ampel noch gar nicht fest­ge­legt wor­den sei­en. Für die FPÖ ist nach wie vor offen, wie ange­kün­dig­te Maß­nah­men tat­säch­lich umge­setzt wür­den.

Die Ärz­te­kam­mer wünsch­te sich eine Mas­ken­pflicht für älte­re Schü­ler ab zwölf Jah­ren. Ihnen sei das Tra­gen des Mund-Nasen-Schut­zes zumut­bar und die Über­tra­gungs­ge­fahr in geschlos­se­nen Räu­men sei hoch, vor allem wenn ein Infi­zier­ter viel spre­che, mein­te Ärz­te­kam­mer-Prä­si­dent Tho­mas Sze­ke­res.