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news/APA/Donnerstag, 22.09.22, 20:20:25

Schlag­ab­tausch im UN-Sicher­heits­rat: Kiew trifft auf Moskau

Die Ukrai­ne und west­li­che Part­ner haben sich im Sicher­heits­rat der Ver­ein­ten Natio­nen einen hef­ti­gen Schlag­ab­tausch mit Russ­land gelie­fert. Der ukrai­ni­sche Außen­mi­nis­ter Dmy­t­ro Kule­ba und sein rus­si­scher Amts­kol­le­ge Ser­gej Law­row tra­fen am Don­ners­tag erst­mals seit Kriegs­be­ginn im mäch­tigs­ten UN-Gre­mi­um in New York auf­ein­an­der. Kule­ba beschul­dig­te Mos­kau schwe­rer Kriegs­ver­bre­chen und mahn­te, Russ­land kön­ne den Krieg nicht gewinnen.
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Die Chef­di­plo­ma­ten der USA, Deutsch­lands und ande­rer west­li­cher Staa­ten äußer­ten sich ähn­lich. Law­row wie­der­um erhob schwe­re Vor­wür­fe gegen die Ukrai­ne und beschul­dig­te den Wes­ten, sich durch Waf­fen­lie­fe­run­gen und ande­re Unter­stüt­zung an Kiew direkt in den Krieg einzumischen.

Russ­land war Ende Febru­ar in das Nach­bar­land ein­mar­schiert. Par­al­lel zur UN-Gene­ral­ver­samm­lung hat­te der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin in den ver­gan­ge­nen Tagen ange­kün­digt, sein Vor­ge­hen noch zu ver­schär­fen. So will er in meh­re­ren besetz­ten ukrai­ni­schen Gebie­ten über einen Bei­tritt zu Russ­land abstim­men las­sen will, was inter­na­tio­nal als völ­ker­rechts­wid­rig ange­se­hen wird. Außer­dem kün­dig­te er die Mobi­li­sie­rung von 300.000 Reser­vis­ten an und sag­te, Russ­land wer­de zum eige­nen Schutz „alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel nut­zen” – was als Dro­hung mit Atom­waf­fen ver­stan­den wurde.

US-Außen­mi­nis­ter Ant­o­ny Blin­ken for­der­te, sol­che „rück­sichts­lo­sen nuklea­ren Dro­hun­gen” müss­ten sofort auf­hö­ren. Dass Putin die­se Woche gewählt habe, „um das Feu­er, das er gelegt hat, wei­ter anzu­hei­zen”, zei­ge sei­ne völ­li­ge Ver­ach­tung für die Ver­ein­ten Natio­nen. „Die inter­na­tio­na­le Ord­nung, zu deren Wah­rung wir uns hier ver­sam­melt haben, wird vor unse­ren Augen zer­schla­gen. Wir kön­nen und wer­den nicht zulas­sen, dass Prä­si­dent Putin damit durchkommt.”

UN-Gene­ral­se­kre­tär Antó­nio Guter­res nann­te die Atom­dro­hun­gen nicht akzep­ta­bel. Die geplan­ten Refe­ren­den im Osten der Ukrai­ne wer­te­te er als mög­li­chen Bruch des Völ­ker­rechts. Der Krieg bewe­ge sich „wei­te­re Schrit­te weg von jeder Aus­sicht auf Frie­den – und hin zu einem end­lo­sen Kreis­lauf von Schre­cken und Blut­ver­gie­ßen”, beklag­te er.

Law­row nahm nur in Tei­len an der mit Span­nung erwar­te­ten Sit­zung teil. Er erschien ledig­lich für sei­nen eige­nen Rede­bei­trag, ver­schwand danach aber direkt wie­der und ließ sich den Rest der Zeit von sei­nem Vize Ser­gej Wer­schi­nin ver­tre­ten. Der Ukrai­ner Kule­ba reagier­te dar­auf mit Spott und sag­te: „Ich habe heu­te auch bemerkt, dass rus­si­sche Diplo­ma­ten genau so flie­hen wie rus­si­sche Soldaten.”

Meh­re­re ande­re west­li­che Staa­ten ver­ur­teil­ten das rus­si­sche Vor­ge­hen bei der Sit­zung eben­falls scharf. Die Chef­di­plo­ma­ten Chi­nas und Indi­ens rie­fen zu Ver­hand­lun­gen und Dia­log auf – ohne sich aber klar gegen Russ­land zu stellen.

Law­row wie­der­um ver­tei­dig­te den Krieg sei­nes Lan­des und erhob sei­ner­seits schwe­re Vor­wür­fe gegen Kiew – und den Wes­ten. „Wir haben kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die Ukrai­ne zu einem völ­lig tota­li­tä­ren Nazi-ähn­li­chen Staat gewor­den ist, in dem die Nor­men des huma­ni­tä­ren Völ­ker­rechts mit Füßen getre­ten wer­den”, sag­te er. Die Ent­schei­dung, eine „mili­tä­ri­sche Spe­zi­al­ope­ra­ti­on” gegen die Ukrai­ne zu star­ten, sei unaus­weich­lich gewe­sen. Das Land sei eine Bedro­hung für die Sicher­heit Russ­lands. „Und ich kann Ihnen ver­si­chern, dass wir dies nie­mals hin­neh­men wer­den”, sag­te er.