news/APA/Samstag, 01.08.20, 14:37:19

Salz­bur­ger Fest­spie­le star­ten ihre beson­de­re Aus­ga­be 2020

Mit einem Pre­mie­ren­rei­gen star­ten die Salz­bur­ger Fest­spie­le am Sams­tag in ihre coro­nabe­dingt ver­kürz­te Aus­ga­be 2020. Es begann mit­tags mit Teil 1 der neu­en Gesprächs­rei­he „Reden über das Jahr­hun­dert”. Die ers­ten bei­den sze­ni­schen Pre­mie­ren sind die „Elek­tra” in der Regie von Krzy­sz­tof War­li­kow­ski in der Fel­sen­reit­schu­le sowie am Dom­platz der „Jeder­mann” mit der neu­en „Buhl­schaft” Caro­li­ne Peters.
APA/BARBARA GINDL

Im Jubi­lä­ums­jahr und ange­sichts der prä­ven­ti­ven Beschrän­kun­gen, mar­kier­te kein offi­zi­el­ler Eröff­nungs­red­ner den Start­schuss, son­dern der so ruhi­ge wie wil­de Mono­log eines älte­ren Her­ren. Der gro­ße Intel­lek­tu­el­le Alex­an­der Klu­ge kann mit sei­nen 88 Jah­ren schon auf einen guten Teil jener zehn Deka­den zurück­bli­cken, in denen es die Fest­spie­le gibt.

Ange­sichts der kurz­fris­ti­gen Absa­ge des 82-jäh­ri­gen Maler­fürs­ten Georg Bas­elitz, gestal­te­te der Avant­gar­de­fil­me­ma­cher in der Fel­sen­reit­schu­le den Auf­takt des auf vier Kapi­tel ange­leg­ten Pro­jekts „Reden über das Jahr­hun­dert” allei­ne – nach­dem die Stim­me der heu­ri­gen Buhl­schaft, Caro­li­ne Peters, die Anwe­sen­den erst kurz vor Beginn des Vor­trags dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass man den Mund­schutz nun abneh­men dür­fe, soll­te man sich nicht in der Lage sehen, ihn durch­gän­gig auf­zu­be­hal­ten.

Und so hob Alex­an­der Klu­ge vor dem Audi­to­ri­um der Fel­sen­reit­schu­le, deren Sit­ze zur Hälf­te mit schwar­zem Trau­er­band abge­sperrt waren, an zu einer der für ihn typi­schen Tour de For­ce der Gedan­ken über die Kunst und ihre Kraft, die Fest­spie­le und die Con­di­tio huma­na im All­ge­mei­nen. Klu­ge ist schließ­lich ein Intel­lek­tu­el­ler, der einst den Neu­en Deut­schen Film mit aus der Tau­fe hob, Teil der Grup­pe 47 war, im Pri­vat­fern­se­hen avan­cier­te For­ma­te in der Nacht ent­wi­ckel­te und als aus­ge­bil­de­ter Phi­lo­soph und Rechts­an­walt die Welt aus ver­schie­dens­ten Blick­win­keln zu betrach­ten gelernt hat.

„Ein Jahr­hun­dert ist wie eine Kugel – wenn man die Kugel dreht, sieht das, was man dar­in sieht, anders aus”, fass­te der Deut­sche sei­ne Welt­sicht zusam­men. Das Gesamt­kunst­werk Oper sei ein letz­tes geschlos­se­nes Gan­zes, wäh­rend die Geschich­te selbst in zahl­lo­se Geschich­ten zer­fal­le. Auch die Gedan­ken­rei­sen des Kul­tur­den­kers Klu­ge frag­men­tie­ren und ver­bin­den sich doch wie in einem Kalei­do­skop immer wie­der zu neu­en, ephe­me­ren Zusam­men­hän­gen, die in dem Moment zer­fal­len, in dem sie ent­ste­hen. Da schließt Lui­gi Nonos „Pro­me­teo” an Ovid an, Bachs Musik an Ernst Jün­gers Tage­buch­ein­trä­ge oder Covid-19 als Erkran­kung der Lun­ge an den Gas­tod des Welt­krie­ges als Angriff auf die Keh­le.

Am Sonn­tag geht es wei­ter mit dem Feu­er­werk, wenn unter ande­rem die Peter-Hand­ke-Urauf­füh­rung „Zde­nek Ada­mec” und eine gekürz­te „Cosi fan tut­te” mit der jun­gen Diri­gen­tin Joana Mall­witz am Pult ansteht. Bis zum 30. August ist dann nur mehr eine wei­te­re sze­ni­sche Pre­mie­re ange­setzt – Milo Raus Solo­stück „Ever­y­wo­man” am 19. August. Ob der gras­sie­ren­den Pan­de­mie muss­te das Fes­ti­val sei­ne heu­ri­ge Jubi­lä­ums­aus­ga­be zum 100-jäh­ri­gen Bestehen mas­siv kür­zen und hohe Hygie­ne­stan­dards zum Schutz der Besu­che­rin­nen und Besu­cher ein­füh­ren. So sind nur 80.000 anstel­le der ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen rund 240.000 Kar­ten auf­ge­legt.