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news/APA/Mittwoch, 24.11.21, 18:07:16

Salz­bur­ger Fest­spie­le: Kris­ti­na Ham­mer wird Präsidentin

Die Über­ra­schung war groß: Die neue Prä­si­den­tin der Salz­bur­ger Fest­spie­le heißt Kris­ti­na Ham­mer. Das fünf­köp­fi­ge Kura­to­ri­um hat sich nach der Anhö­rung der ver­blie­be­nen Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten am Mitt­woch für die selbst­stän­di­ge Mar­ke­ting-Fach­frau ent­schie­den. Sie folgt mit Jah­res­wech­sel Hel­ga Rabl-Stad­ler, die die Geschi­cke der Fest­spie­le 27 Jah­re lang gelei­tet hat. 32 Inter­es­sen­ten hat­ten sich um die Funk­ti­on beworben.
APA/BARBARA GINDL

Das Direk­to­ri­um der Fest­spie­le besteht damit ab Jän­ner 2022 aus der gelern­ten Juris­tin Ham­mer, dem (künst­le­ri­schen) Inten­dan­ten Mar­kus Hin­ter­häu­ser und dem Kauf­män­ni­schen Direk­tor Lukas Crepaz. Ehe die desi­gnier­te neue Prä­si­den­tin 2010 ihre eige­ne Bera­tungs­fir­ma „Ham­mer­So­lu­ti­ons” grün­de­te, arbei­te­te sie u.a. für das Kauf­haus Gern­gross und Mercedes-Benz.

Sechs Kan­di­da­ten kamen ins Hea­ring, die Ent­schei­dung der fünf stimm­be­rech­tig­ten Kura­to­ri­ums­mit­glie­der sei ein­ver­nehm­lich auf Kris­ti­na Ham­mer gefal­len, sag­ten Kura­to­ri­ums­mit­glied Lan­des­haupt­mann Wil­fried Has­lau­er (ÖVP) und Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­der Jür­gen Meindl. „Es ist eine sehr gute, ein­ver­nehm­li­che Ent­schei­dung und eine bewuss­te Ent­schei­dung für einen wei­te­ren Schritt in die Inter­na­tio­na­li­tät der Salz­bur­ger Fest­spie­le”, sag­te Has­lau­er. Ham­mer zeich­ne sich auch durch ihr kul­tu­rel­les Enga­ge­ment aus und habe eine lan­ge Ver­bun­den­heit zu den Salz­bur­ger Festspielen.

Die­se Ent­schei­dung kam für Beob­ach­ter über­ra­schend, galt doch die Salz­bur­ger Land­tags­prä­si­den­tin Bri­git­ta Pal­lauf (ÖVP) als kla­re Favo­ri­tin, wäh­rend Ham­mer nir­gends auf dem Radar auf­schien. Die zukünf­ti­ge Auf­ga­be für die Unter­neh­me­rin, die in ihrem beruf­li­chen Wer­de­gang auch in der Mar­ke­ting-Kom­mu­ni­ka­ti­on von Pre­mi­um-Mar­ken in der Auto­mo­bil­in­dus­trie tätig war, habe nun die Pre­mi­um-Mar­ke „Salz­bur­ger Fest­spie­le” zu schüt­zen und aus­zu­bau­en, sag­te Has­lau­er. Das Kura­to­ri­um traue ihr die dafür auch not­wen­di­ge sozia­le Kom­pe­tenz zu. Dass Ham­mer ab nächs­tem Jahr das Amt der Fest­spiel­prä­si­den­tin über­nimmt, „ist eine sehr gute, ein­ver­nehm­li­che Entscheidung”.

Als Kris­ti­na Ham­mer vor das Mikro­fon trat, erklär­te sie, sie sei sehr dank­bar, hier ste­hen zu dür­fen, und „mit Demut erfüllt”. Die Salz­bur­ger Fest­spie­le hät­ten eine enor­me Strahl­kraft, die weit über die Stadt und das Land hin­aus­ra­ge, und auf die­se Stär­ke wol­le sie auf­bau­en. Ihr gehe es auch dar­um, Brü­cken zu bau­en, das lie­ge ihr sehr am Her­zen. Ihr gehe es auch um ein Mit­ein­an­der, um die Ermög­li­chung und Erwei­te­rung eines Dia­lo­ges. Die Kunst als Rol­le des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­fin­dens auf Basis des huma­ni­tä­ren Gedan­kens sei gera­de in Zei­ten wie die­sen sehr wich­tig. Sie wol­le auch mit den Zuschau­ern und mit den Salz­bur­gern in einen Dia­log tre­ten, und es sei­en noch ein paar Bau­stel­len offen. Was sie damit mein­te, sag­te sie nicht, ver­mut­lich ver­wies sie damit auf die bevor­ste­hen­de Gene­ral­sa­nie­rung der Festspielhäuser.

Auf die Fra­ge, wie sie die Mar­ke der Salz­bur­ger Fest­spie­le wahr­neh­me, ant­wor­te­te Ham­mer, die­se Mar­ke bestehe für sie aus dem Anspruch: das Bes­te für Oper, Schau­spiel und Kon­zert. Das Fes­ti­val span­ne einen gro­ßen the­ma­ti­schen Bogen von der Klas­sik zur Moder­ne, das fas­zi­nie­re sie, und das mache auch Mut, Neu­es zu tun. Ham­mer beton­te, die Wider­stands­kraft und die Vor­rei­ter­rol­le der Salz­bur­ger Fest­spie­le in ihrer 100-jäh­ri­gen His­to­rie habe sie beeindruckt.

Die in deut­schem Karls­ru­he gebo­re­ne und in der Schweiz täti­ge Unter­neh­me­rin geriet ins Schwär­men, als sie über die Salz­bur­ger Fest­spie­le und Salz­burg zu spre­chen kam. Sie habe bereits als Kind mit ihren Eltern und Groß­el­tern die Salz­bur­ger Fest­spie­le besucht, Diri­gent Her­bert von Kara­jan bei Pro­ben beob­ach­ten dür­fen und das Debüt von Anne-Sophie Mut­ter mit­er­lebt, „das hat mich sehr bewegt.” Sie habe eine gro­ße Lei­den­schaft für Kunst, Oper und Kon­zert. Die Mut­ter von zwei Kin­dern, die mit einem Öster­rei­cher ver­hei­ra­tet ist, wird im nächs­ten Jahr nach Salz­burg übersiedeln.

Was sie an Salz­burg reizt? Salz­burg sei das Herz nicht nur von Öster­reich, son­dern auch von Euro­pa, „Salz­burg ist eine der schöns­ten Städ­te der Welt”. Die schei­den­de Fest­spiel­prä­si­den­tin Hel­ga Rabl-Stad­ler habe sie heu­te das ers­te Mal getrof­fen, und als sie in das Hea­ring kam, „habe ich alle das ers­te Mal gese­hen und gehört”. Details, wie sie ihr neu­es Amt nun gestal­ten will, nann­te Ham­mer heu­te nicht. Es wäre zu die­sem Zeit­punkt ihrer Mei­nung nach falsch, ein Zehn-Punk­te-Pro­gramm zu prä­sen­tie­ren, sie wol­le zunächst ein­mal zuhö­ren. Sie tre­te das Amt am 1. Jän­ner 2022 an und müs­se erst ein­mal etwas zum Woh­nen fin­den, „um mich hier anzu­sie­deln”. Die Ver­trags­lauf­zeit beträgt fünf Jahre.

Kurz nach der Bekannt­ga­be stell­ten sich bereits die ers­ten Gra­tu­lan­ten ein, dar­un­ter die Kul­tur­spre­che­rin­nen Gabrie­le Hei­nisch-Hosek (SPÖ) und Eva Blim­lin­ger (Grü­ne) sowie der frei­heit­li­che Kul­tur­spre­cher Vol­ker Rei­fen­ber­ger, wobei Blim­lin­ger und Rei­fen­ber­ger auch posi­tiv her­vor­ho­ben, dass die Bestel­lung abseits par­tei­po­li­ti­scher Über­le­gun­gen erfolgt sei. Kul­tur­staats­se­kre­tä­rin Andrea May­er beton­te, ihr sei wich­tig gewe­sen, „dass es ein ordent­li­ches, ergeb­nis­of­fe­nes Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren nach inter­na­tio­na­len Stan­dards gibt”.