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news/APA/Mittwoch, 05.01.22, 01:14:14

Rufe nach Qua­ran­tä­ne-Locke­run­gen rund um Gecko-Sitzung

Ange­sichts der sich auf­bau­en­den Omi­kron-Wel­le hat die Covid-Kri­sen­ko­or­di­na­ti­on „Gecko” getagt. Nach Ende der Sit­zung dran­gen vor­erst kei­ne Infor­ma­tio­nen über das Bespro­che­ne nach außen. Im Vor­feld des Bund-Län­der-Gip­fels zur Coro­na-Kri­se am Don­ners­tag mehr­ten sich unter­des­sen die Rufe nach einer Locke­rung der Qua­ran­tä­ne­re­geln, auch der Epi­de­mio­lo­ge Gerald Gart­leh­ner sprach sich dafür aus. Er tritt außer­dem für ein Über­den­ken der ab Febru­ar geplan­ten Impf­pflicht ein. 
APA/A­PA/d­pa-Zen­tral­bil­d/­Se­bas­ti­an Kahnert

Nach der Sit­zung am Diens­tag­abend for­der­te Gecko-Mit­glied und Simu­la­ti­ons-Exper­te Niki Pop­per von der TU Wien, dass die Poli­tik nun Ziel­vor­ga­ben set­ze, dies müs­se „schnell pas­sie­ren”. Rot­kreuz-Bun­des­ret­tungs­kom­man­dant Ger­ry Foi­tik, der eben­falls Gecko-Mit­glied ist, sag­te gegen­über der „Zeit im Bild”, er erwar­te sich eine „stra­te­gi­sche Ent­schei­dung der Regierung”.

For­de­run­gen nach Locke­run­gen bei den Qua­ran­tä­ne-Bestim­mun­gen kamen am Diens­tag sowohl aus den Län­dern als auch aus der Wirt­schafts­kam­mer. Argu­men­tiert wird damit, dass andern­falls die Gefahr droht, dass das gan­ze Land still­steht. Die Wirt­schafts­kam­mer und der ÖVP-Wirt­schafts­bund dräng­ten dar­auf, dass Geimpf­te und Gene­se­ne auch bei Omi­kron wie­der als K2 ein­ge­stuft wer­den sol­len. Es gel­te alles dar­an zu set­zen, „dass das wirt­schaft­li­che Leben weit­ge­hend am Lau­fen gehal­ten wird und ver­sor­gungs­re­le­van­te Pro­duk­tio­nen und Infra­struk­tur nicht gefähr­det wer­den”, hieß es sei­tens der WKÖ.

Eine Locke­rung der Qua­ran­tä­ne­re­geln vor dem Schul­start am kom­men­den Mon­tag ver­lang­te wie­der­um der Wie­ner Bil­dungs­stadt­rat Chris­toph Wie­der­kehr (NEOS). Denn die momen­tan gel­ten­den Rege­lun­gen für die Omi­kron-Vari­an­te sei­en ins­be­son­de­re für Schu­len „nicht prak­ti­ka­bel”, zeig­te er sich in einer der APA über­mit­tel­ten Stel­lung­nah­me über­zeugt. Er sprach sich für eine Bevor­zu­gung von geimpf­ten und gene­se­nen Kin­dern aus – und auch für eine Verkürzung.

Beim Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um ver­wies man auf die Zustän­dig­keit des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums bzw. der Covid-Kri­sen­ko­or­di­na­ti­on „Gecko”. Die Lei­te­rin der Kri­sen­ko­or­di­na­ti­on, die Gene­ral­di­rek­to­rin für öffent­li­che Gesund­heit, Katha­ri­na Reich, hat­te bereits letz­ten Don­ners­tag in der „ZiB2” eine Ände­rung der Qua­ran­tä­ne­re­geln nicht grund­sätz­lich ausgeschlossen.

Zurück­hal­tend zeig­te sich laut „Kurier” vor der Sit­zung Gecko-Mit­glied und Epi­de­mio­lo­gin Eva Schern­ham­mer. Es sei „schwer abzu­schät­zen, was auf uns zukommt”. So lan­ge die Unsi­cher­heit über die mög­li­che Dra­ma­tik der Ent­wick­lung nicht abschätz­bar ist, ist aus ihrer Sicht „Vor­sicht sehr ange­bracht”. Ein Lock­down sei jeden­falls immer die Ulti­ma Ratio. „Das ver­sucht man zu ver­mei­den. Aber ob das zu hun­dert Pro­zent mög­lich ist, weiß man nicht.” In einer „mas­siv pro­ble­ma­ti­schen Situa­ti­on” wür­de ein Lock­down nach wie vor wir­ken, ist die Wis­sen­schaf­te­rin überzeugt.

Einen sol­chen Lock­down nicht aus­schlie­ßen woll­te am Diens­tag­abend auch der Epi­de­mio­lo­ge Gerald Gart­leh­ner von der Donau-Uni Krems. „Man kann es nicht aus­schlie­ßen”, sag­te er in der „ZiB2”. Es wer­de sehr viel davon abhän­gen, wie schnell Poli­tik jetzt reagiert. Den Rekord an täg­li­chen Neu­in­fek­tio­nen von Mit­te Novem­ber wer­de man aber wohl jeden­falls über­trump­fen, so sei­ne Erwartung.

Gefragt, ob man die Omi­kron-Wel­le nicht ein­fach schnell durch­lau­fen las­sen könn­te, ver­wies Gart­leh­ner auf den in Öster­reich „doch sehr hohen Anteil” an Per­so­nen, die bis­her über­haupt kei­nen Immun­schutz haben. „Der Vor­teil wäre, dass die Wel­le kür­zer dau­ert, wir es schnel­ler hin­ter uns haben und einen hohen Anteil an Immu­ni­sier­ten danach haben.” Aber es wür­de auch „sehr gro­ße Risi­ken” bedeu­ten, „wahr­schein­lich vie­le schwe­re Ver­läu­fe, über­las­te­te Inten­siv­sta­tio­nen, über­las­te­te Spi­tä­ler und vie­le Tote”.

Zur Dis­kus­si­on um die Ver­kür­zung der Qua­ran­tä­ne sag­te Gart­leh­ner, bei K1-Kon­takt­per­so­nen, die sich der­zeit nach fünf Tagen frei­tes­ten kön­nen, wür­de er auf drei oder vier Tage redu­zie­ren. Bei Infi­zier­ten, die sich aktu­ell nach zehn Tagen frei­tes­ten kön­nen, „könn­te man wahr­schein­lich auf fünf Tage redu­zie­ren”, sofern sie asym­pto­ma­tisch sind. Zuletzt hat­te Gart­leh­ner am Wochen­en­de auch dafür plä­diert, zur Auf­recht­erhal­tung der Infra­struk­tur auch Infi­zier­ten mit mil­den Sym­pto­men das Arbei­ten zu gestat­ten – die­se Maß­nah­me sieht er nun aber nur als Mög­lich­keit in der Zukunft: „Sym­ptom­lo­se, die posi­tiv getes­tet sind, wür­de ich wahr­schein­lich noch nicht arbei­ten gehen las­sen. Das wäre die nächs­te Stu­fe” – näm­lich, wenn zu vie­le Per­so­nen in der kri­ti­schen Infra­struk­tur aus­fal­len wür­den, gab Gart­leh­ner zu verstehen.

Der Exper­te plä­dier­te für eine Neu­be­wer­tung der Impf­pflicht. Man müs­se davon aus­ge­hen, dass man nach der Omi­kron-Wel­le ein Aus­maß an Immu­ni­tät in der Bevöl­ke­rung haben wer­de, „wie wir es noch nie hat­ten”, sag­te Gart­leh­ner. „Daher muss man die Impf­pflicht nach der Omi­kron-Wel­le wahr­schein­lich neu bewer­ten.” Kri­tik an der Regie­rung in Zusam­men­hang mit der Imp­fung üben die Sozialpartner.

Eine Eini­gung auf all­fäl­li­ge neue Qua­ran­tä­ne­re­geln könn­te beim Bund-Län­der-Gip­fel am kom­men­den Don­ners­tag erfol­gen. Im Vor­feld plä­dier­ten am Diens­tag qua­si alle Lan­des­haupt­leu­te für ein bun­des­weit ein­heit­li­ches Vor­ge­hen. Kärn­tens Lan­des­haupt­mann Peter Kai­ser (SPÖ) erklär­te dazu, sofern eine Per­son voll immu­ni­siert ist, wäre eine Ver­kür­zung der Qua­ran­tä­ne „anzu­den­ken”, „wenn dies auf­grund der hohen Infek­ti­ons­zah­len als not­wen­dig erscheint”. Bezüg­lich des Schul­be­triebs hieß es, der Prä­senz­un­ter­richt soll­te solan­ge wie mög­lich auf­recht­erhal­ten bleiben.

Die For­de­rung nach bun­des­ein­heit­li­chen Rege­lun­gen sowie umfas­sen­den und schnel­len Maß­nah­men bekräf­tig­te auch der Wie­ner Bür­ger­meis­ter Micha­el Lud­wig (SPÖ). Auch SPÖ-Vor­sit­zen­de Pame­la Ren­di-Wag­ner warn­te davor, die Ent­wick­lung zu ver­schla­fen. Im Bur­gen­land will Lan­des­haupt­mann Hans Peter Dosko­zil (SPÖ) am Mitt­woch bei einer Pres­se­kon­fe­renz sein Omi­kron-Maß­nah­men­pa­ket präsentieren.

Auch Vor­arl­bergs Lan­des­haupt­mann Mar­kus Wall­ner (ÖVP) sprach sich bezüg­lich der Omi­kron-Qua­ran­tä­ne­re­geln für eine Anpas­sung bei Geimpf­ten und Kon­takt­per­so­nen aus. Dar­über hin­aus set­ze man alles dar­an, die Schu­len wie geplant am 10. Jän­ner zu öff­nen. Salz­burgs Lan­des­haupt­mann Wil­fried Has­lau­er (ÖVP) plä­dier­te eben­falls für eine bun­des­weit ein­heit­li­che Lösung und auch Ober­ös­ter­reichs Lan­des­haupt­mann Tho­mas Stel­zer (ÖVP) erklär­te, er wol­le bei der Bund-Län­der-Run­de auf Ver­kür­zun­gen bzw. Erleich­te­run­gen bei der Qua­ran­tä­ne drän­gen. Auch für Tirols Lan­des­haupt­mann Gün­ther Plat­ter (ÖVP) ist eine sol­che Ver­kür­zung vor­stell­bar, sofern sie „medi­zi­nisch ver­tret­bar” sei. Eine „kla­re Aus­sa­ge der Exper­tin­nen und Exper­ten über die Ent­wick­lun­gen” for­der­te der stei­ri­sche Lan­des­chef Her­mann Schüt­zen­hö­fer (ÖVP).

Mit dem Auf­tau­chen der neu­en Virus­va­ri­an­te waren die Qua­ran­tä­ne-Regeln Mit­te Dezem­ber ver­schärft wor­den. Bei Kon­takt mit einem Omi­kron-Infi­zier­ten gilt man – auch mit Imp­fung oder Gene­sung – als K1-Per­son, muss sich also abson­dern. Anfangs war auch die Qua­ran­tä­ne­dau­er län­ger. Nach einer Ände­rung am 19. Dezem­ber muss man aber nach ent­spre­chen­dem Kon­takt nur mehr zehn Tage in Qua­ran­tä­ne, nach fünf Tagen ist ein Frei­tes­ten möglich.