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news/APA/Mittwoch, 13.01.21, 22:26:50

Rück­kehr der Schü­ler ab 25. Jän­ner im Schicht­be­trieb geplant

Ab 25. Jän­ner und damit eine Woche spä­ter als ursprüng­lich geplant sol­len die Schü­ler in Öster­reich wie­der vom Fern­un­ter­richt in die Klas­sen­zim­mer wech­seln. Das hat das Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um am Mitt­woch bekannt­ge­ge­ben. In den Schu­len wird aller­dings kein Voll­be­trieb statt­fin­den, es wird auf Aus­dün­nung etwa durch Schicht­be­trieb gesetzt. Käme ein wei­te­rer har­ter Lock­down wie im Früh­jahr, bei dem das öffent­li­che Leben kom­plett her­un­ter­ge­fah­ren wird, wür­de die­ser Plan aber obsolet.
APA/HERBERT NEU­BAU­ER

Bil­dungs­mi­nis­ter Heinz Faß­mann (ÖVP) sprach im Ö1-„Mittagsjournal” von einer „schritt­wei­sen Öff­nung” mit „Ver­stand und Abwä­gung”. Man wer­de dabei sicher auf regio­na­le Inzi­den­zen Rück­sicht neh­men. Die Fra­ge, wel­che Alters­grup­pen mit Fern­un­ter­richt bes­ser zurecht­kom­men, sei eben­falls ein Kri­te­ri­um. Aber auch die Ober­stu­fen­schü­ler, die seit den Herbst­fe­ri­en Distance Lear­ning am Stun­den­plan hat­ten, sol­len zumin­dest einen Teil der Zeit wie­der in den Schu­len zusam­men­kom­men, beton­te Faßmann.

Für eine Rück­kehr ohne Ein­schrän­kun­gen sei die Zeit zu unsi­cher: Die Infek­ti­ons­zah­len sei­en trotz Lock­down noch immer hoch, dazu kom­me die bri­ti­sche Muta­ti­on, über die es noch wenig gesi­cher­tes Wis­sen gebe. In den Nach­bar­län­dern wür­den die Lock­downs teil­wei­se ver­län­gert. „Die Zeit ist lei­der sehr, sehr unsi­cher und daher gibt es auch noch eine gewis­se Unsi­cher­heit in den Ent­schei­dun­gen. Aber der 25. ist sicher.”

In der Mittags-„ZIB” schränk­te Faß­mann dann aller­dings ein, dass dies für ein kom­plet­tes Her­un­ter­fah­ren des öffent­li­chen Lebens wie im Früh­jahr nicht gel­te. „Wenn es ein gene­rel­ler Lock­down ist, mit all den Bran­chen und gesell­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten, dann kann sich natür­lich die Schu­le nicht exklu­die­ren, son­dern ist ein Teil eines Lockdowns.”

Die Schü­ler sol­len jeden­falls „mit der gebo­te­nen Vor­sicht” in die Klas­sen zurück­keh­ren: Wie schon zuletzt gilt abseits der Volks­schu­len eine Mas­ken­pflicht im Unter­richt. Außer­dem ver­weist man im Minis­te­ri­um auf die Coro­na-Selbst­tests, die Schü­ler und Leh­rer frei­wil­lig ein­mal pro Woche machen kön­nen. Die­se sol­len schon ab Mon­tag (18.1.) an den Schu­len zur Ver­fü­gung ste­hen. Dort kön­nen sie jene Schü­ler nut­zen, die in den Klas­sen betreut wer­den oder für Tests oder Schul­ar­bei­ten bzw. zur Vor­be­rei­tung für die­se an die Schu­len geholt wer­den. Volks- oder Son­der­schü­ler sol­len die­se Tests zuhau­se durch­füh­ren. Die ande­ren Schü­ler sol­len zunächst die Anti­gen-Schnell­tests unter Anlei­tung in der Schu­le durch­füh­ren, bei Unter-14-Jäh­ri­gen braucht es dafür eine Ein­ver­ständ­nis­er­klä­rung der Eltern.

Als wei­te­re Vor­sichts­maß­nah­me kommt nun auch eine Aus­dün­nung der Klas­sen hin­zu, etwa indem die­se wie im Früh­jahr in zwei Grup­pen geteilt und im Wech­sel vor Ort unter­rich­tet wer­den kön­nen. Die Details sol­len noch mit den Bil­dungs­di­rek­tio­nen bespro­chen wer­den, das wer­de laut Faß­mann auch mit den Schu­len „in einem gewis­sen Sinn auto­nom aus­ge­han­delt”. Der Gene­ral­se­kre­tär des Minis­te­ri­ums, Mar­tin Net­zer, sah in der „ZiB2” als bevor­zug­tes Modell, dass sich die zwei Klas­sen­tei­le tage­wei­se abwechseln.

Net­zer ver­tei­dig­te auch vehe­ment, dass die Schu­len im Osten wie­der Prä­senz­un­ter­richt anbie­ten, obwohl schon eine Woche spä­ter die Semes­ter­fe­ri­en begin­nen. Er hal­te es für ganz wich­tig, dass sich die Schü­ler noch ein­mal tref­fen: „Das ist wie ein Etap­pen­sieg.” Man kön­ne mit den Leh­rern „gemein­sam Atem schöp­fen”. Eine Ver­schie­bung der Feri­en ist für ihn wegen der Kurz­fris­tig­keit nicht prak­ti­ka­bel. Außer­dem wür­den sich vie­le Schü­ler schon aufs Ski­fah­ren freu­en. Was die Unis angeht, geht Net­zer aber davon aus, dass Vor­le­sun­gen bis Som­mer vor­wie­gend digi­tal ablau­fen werden.

Begrüßt wird die Vor­ge­hens­wei­se an den Schu­len von den Leh­rer­ver­tre­tern: „Damit haben wir grund­sätz­lich ein­mal eine Per­spek­ti­ve bzw. einen Fahr­plan, der auch Pla­nungs­si­cher­heit gibt”, so der Vor­sit­zen­de der ARGE Leh­rer in der GÖD, Paul Kim­ber­ger, zur APA. „Man wird aber die wei­te­re Ent­wick­lung der Inzi­denz­zahl und der Coro­na-Muta­ti­on beob­ach­ten müs­sen.” Die genaue Orga­ni­sa­ti­on sei eine poli­ti­sche Ent­schei­dung: „Wenn es die Infek­ti­ons­la­ge erfor­dert, ist Schicht­be­trieb ein taug­li­ches Mittel.”

Für Schü­ler in Wien und Nie­der­ös­ter­reich bedeu­tet die Ver­län­ge­rung des Distance Lear­ning, dass sie nur noch eine Woche Prä­senz­un­ter­richt haben, bevor sie mit 1. Febru­ar in die ein­wö­chi­gen Semes­ter­fe­ri­en star­ten. Etwas mehr Unter­richts­ta­ge im Klas­sen­zim­mer gibt es in den ande­ren Bun­des­län­dern, wo die Feri­en erst mit 8. Febru­ar (Bur­gen­land, Kärn­ten, Salz­burg, Tirol, Vor­arl­berg) bzw. 15. Febru­ar (Ober­ös­ter­reich, Stei­er­mark) beginnen.

Die FPÖ for­der­te in einer Aus­sendung die Öff­nung der Schu­len bereits am kom­men­den Mon­tag. „Die­se per­ma­nen­te wei­che Hal­tung von ÖVP-Bil­dungs­mi­nis­ter Faß­mann ist nicht mehr län­ger zu akzep­tie­ren und ist für einen Minis­ter die­ser Repu­blik schlicht­weg zu wenig”, so Bil­dungs­spre­cher Her­mann Brückl. Der Wie­ner Bil­dungs­stadt­rat Chris­toph Wie­der­kehr (NEOS) kri­ti­sier­te die Ein­schrän­kun­gen Faß­manns: „Im aktu­el­len Ver­wirr­spiel ken­nen sich weder Eltern, Schü­le­rin­nen und Schü­ler, noch Lehr­kräf­te aus!” Auch SPÖ-Bil­dungs­spre­che­rin Son­ja Ham­mer­schmid sieht noch Klä­rungs­be­darf. „Minis­ter Faß­mann muss jetzt schnell in die Gän­ge kom­men und alle offe­nen Fra­gen klä­ren.” Die Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung (IV) for­der­te unter­des­sen „eine ver­bind­li­che Stra­te­gie, wie Bil­dung heu­er gelin­gen kann”.