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news/APA/Dienstag, 23.02.21, 15:35:59

Pro­tes­te gegen Fest­nah­me von Oppo­si­ti­ons­chef in Georgien

Inmit­ten einer innen­po­li­ti­schen Kri­se hat die Fest­nah­me eines wich­ti­gen Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­kers in der Süd­kau­ka­sus­re­pu­blik Geor­gi­en neue Pro­tes­te aus­ge­löst. Hun­der­te Men­schen for­der­ten am Diens­tag vor der Staats­kanz­lei in der Haupt­stadt Tif­lis die Frei­las­sung von Nika Melia von der Ver­ein­ten Natio­na­len Bewe­gung (UNM), wie ein Repor­ter der Deut­schen Pres­se-Agen­tur berich­te­te. Melia wird vor­ge­wor­fen, hin­ter der ver­such­ten Erstür­mung des Par­la­ments im Juni 2019 zu stecken.
APA/APA (AFP)/VANO SHLAMOV

Geor­gi­en befin­det seit der Par­la­ments­wahl Ende Okto­ber in einer innen­po­li­ti­schen Kri­se. Die Oppo­si­ti­on, die den erneu­ten Sieg der Regie­rungs­par­tei Geor­gi­scher Traum als mani­pu­liert betrach­tet, boy­kot­tiert die Arbeit des neu­en Par­la­ments und for­dert Neu­wah­len. Es gab immer wie­der Mas­sen­pro­tes­te. Zuletzt war nach nur gut zwei Mona­ten im Amt Minis­ter­prä­si­dent Gior­gi Gacha­ria im Streit um die geplan­te Fest­nah­me Meli­as zurück­ge­tre­ten. Neu­er Regie­rungs­chef ist der frü­he­re Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ira­kli Garibaschwili.

Der nun fest­ge­nom­me­ne Melia ist Vor­sit­zen­der der Par­tei des frü­he­ren Prä­si­den­ten Michail Saa­ka­schwi­li, der nach sei­ner Abwahl 2013 zu mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fen wegen Amts­miss­brauchs ver­ur­teilt wor­den war. Bei der Fest­nah­me des Oppo­si­tio­nel­len ging es stür­misch zu, wie auf Video­auf­nah­men zu sehen ist. Poli­zis­ten setz­ten in den Par­tei­räu­men Pfef­fer­spray ein, es wur­den ins­ge­samt 17 Men­schen ver­letzt und mehr als 20 fest­ge­nom­men. Vor der UNM-Zen­tra­le fan­den sich auch die Vor­sit­zen­den der übri­gen Oppo­si­ti­ons­par­tei­en ein.

„Die poli­ti­sche Kri­se ver­tieft sich”, zeig­te sich der EU-Bot­schaf­ter in Geor­gi­en, Carl Hart­zell, auf Twit­ter besorgt. Er rief bei­de Sei­ten zum ver­ant­wor­tungs­vol­len Han­deln auf.

Die US-Bot­schaft in Tif­lis äußer­te sich „besorgt über die Ent­schei­dung der Regie­rung, den Vor­sit­zen­den der wich­tigs­ten Oppo­si­ti­ons­par­tei fest­zu­neh­men”. Damit sei Geor­gi­en „einen Schritt zurück­ge­gan­gen” auf sei­nem Weg, eine „stär­ke­re Demo­kra­tie in der euro-atlan­ti­schen Staa­ten­fa­mi­lie zu werden”.

Der Vor­sit­zen­de der Oppo­si­ti­ons­par­tei Lelo, Mamu­ka Cha­s­a­ra­dse, rief zu einem „fried­li­chem, stand­haf­ten Kampf zur Ver­tei­di­gung der geor­gi­schen Demo­kra­tie” auf. Die Frei­las­sung der „poli­ti­schen Gefan­ge­nen und Neu­wah­len” sei­en der ein­zi­ge Weg aus der Kri­se, sag­te er.

Der Vor­sit­zen­de der Regie­rungs­par­tei Geor­gi­scher Traum, Ira­kli Koba­chi­d­se, ver­tei­dig­te die Fest­nah­me Meli­as. „Pola­ri­sie­rung ist eine Fol­ge von Kri­mi­nel­len in der Poli­tik”, sag­te er im Fernsehen

Melia wird Anstif­tung zur Gewalt bei regie­rungs­kri­ti­schen Pro­tes­ten im Jahr 2019 vor­ge­wor­fen. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch hat­te ein Gericht Unter­su­chungs­haft für den Poli­ti­ker ange­ord­net. Melia weist die Vor­wür­fe zurück. Ihm dro­hen bis zu neun Jah­re Gefängnis.