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news/APA/Mittwoch, 24.11.21, 13:45:40

OLG Linz bestä­tig­te Stra­fe für Ernst August von Hannover

Das Ober­lan­des­ge­richt Linz hat am Mitt­woch in der Beru­fungs­ver­hand­lung gegen Prinz Ernst August von Han­no­ver das Urteil des Erst­ge­rich­tes bestä­tigt. Der Wel­fen­prinz hat­te nach einem Aus­ras­ter im Alm­tal im Lan­des­ge­richt Wels zehn Mona­te beding­te Haft aus­ge­fasst. Die ver­häng­ten Wei­sun­gen hob das OLG aller­dings auf. Der Prinz, der nicht per­sön­lich zur Ver­hand­lung erschie­nen war, darf sich damit rechts­kräf­tig wie­der an sei­nem Wohn­sitz in Grün­au aufhalten.
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Er wol­le ein „wei­te­res Medi­en­spek­ta­kel” ver­mei­den, ließ der Wel­fe das Gericht schrift­lich wis­sen, war­um er nicht per­sön­lich anwe­send sei. Anwalt Otto Diet­rich führ­te zum Nicht­er­schei­nen sei­nes Man­dan­ten zudem an, dass die­ser Hoch­ri­si­ko­pa­ti­ent sei und coro­nabe­dingt Men­schen­an­samm­lun­gen in Innen­räu­men mei­den wol­le. Sein Gesund­heits­zu­stand habe sich aber stark gebes­sert. „Er möch­te sei­ne Ruhe haben und sich sei­ner Gene­sung widmen”.

Die Pri­vat­be­tei­lig­ten­zu­sprü­che von drei­mal 500 Euro wur­den bis­her noch nicht bezahlt, wur­de im Pro­zess bekannt. Diet­rich reg­te eine Diver­si­on an, die Ober­staats­an­walt­schaft lehn­te dies aber ab, einer­seits weil es sich „um eine Rei­he von Tat­hand­lun­gen zu ver­schie­de­nen Zeit­punk­ten” hand­le und ande­rer­seits aus gene­ral­prä­ven­ti­ven Gründen.

Der 67-Jäh­ri­ge war im März schul­dig gespro­chen wor­den, sich mit Alko­hol und Medi­ka­men­ten fahr­läs­sig in den Zustand der Zurech­nungs­un­fä­hig­keit ver­setzt und in die­ser Ver­fas­sung in Grün­au im Alm­tal bzw. in Scharn­stein (Bezirk Gmun­den) u.a. einen Poli­zis­ten ver­letzt, eine ande­re Beam­tin mit einem Base­ball­schlä­ger sowie Ange­stell­te bedroht und mit einem Ver­kehrs­zei­chen eine Schei­be ein­ge­schla­gen zu haben. Wäre er klar gewe­sen, hät­te man ihm Wider­stand gegen die Staats­ge­walt, schwe­re Kör­per­ver­let­zung, gefähr­li­che Dro­hung, Sach­be­schä­di­gung und Nöti­gung zur Last gelegt.

Das Lan­des­ge­richt Wels ver­ur­teil­te ihn zu zehn Mona­ten beding­ter Haft. Dar­über hin­aus erhielt der Uren­kel des letz­ten deut­schen Kai­sers fünf Wei­sun­gen: So darf er nicht mehr auf dem Anwe­sen Auer­bach in Grün­au woh­nen, sich gewis­sen Gebäu­den der dor­ti­gen Cum­ber­land Stif­tung nicht mehr nähern, kei­nen Kon­takt zur Ver­wal­ter-Fami­lie die­ser Gebäu­de auf­neh­men, kei­nen Alko­hol trin­ken und er muss eine Psy­cho­the­ra­pie machen. Auf die Wei­sun­gen – vor allem auf jene, sich einen ande­ren Wohn­sitz zu suchen – hat­te der Ehe­mann von Prin­zes­sin Caro­li­ne von Mona­co empört reagiert. Er berief gegen das Urteil – sowohl gegen den Schuld­spruch als auch gegen die Straf­hö­he und leg­te Beschwer­de gegen die Wei­sun­gen ein.

Der Rich­ter­se­nat am OLG sah kei­nen Grund, an dem erst­in­stanz­li­chen Urteil zu rüt­teln und gab der Beru­fung des Wel­fen nicht Fol­ge. Es bleibt damit bei zehn Mona­ten bedingt. Das Gericht sah es als erwie­sen an, dass es der Prinz zu allen Tat­zei­ten nicht nur Tablet­ten ein­ge­nom­men, son­dern auch Alko­hol kon­su­miert hat­te. Es hät­te ihm klar sein müs­sen, dass das zu uner­wünsch­ten Wech­sel­wir­kun­gen füh­ren kann.

Aller­dings erging der Beschluss, dass die Wei­sun­gen auf­ge­ho­ben wer­den. Damit darf Ernst August nun u.a. wie­der sei­nen Haupt­wohn­sitz betre­ten – eine Ein­schrän­kung, die sei­ne Ver­tei­di­gung beson­ders kri­ti­siert hat­te. Rein juris­tisch hät­te er auch in den ver­gan­ge­nen Mona­ten dort auf­tau­chen dür­fen, weil die zuvor gül­ti­gen vor­läu­fi­gen Wei­sun­gen bereits im Som­mer vom OLG auf­ge­ho­ben wor­den waren. Er soll aber nie dort gewe­sen sein, hieß es in der Verhandlung.

Gene­rell ist der Ade­li­ge an der juris­ti­schen Front der­zeit stark beschäf­tigt: Neben dem Beru­fungs­pro­zess in Linz liegt beim ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­ver­wal­tungs­ge­richt noch sei­ne Beschwer­de gegen ein vor­läu­fi­ges Waf­fen­ver­bot, das er nach den Vor­fäl­len in Grün­au aus­ge­fasst hat.

Ein Pro­zess am Don­ners­tag in Han­no­ver, zu dem der Wel­fen­prinz per­sön­lich erschei­nen muss, ist laut Berich­ten deut­scher Medi­en ver­tagt wor­den. Dort strei­tet Ernst August Prinz von Han­no­ver mit sei­nem Sohn, dem gleich­na­mi­gen Erb­prin­zen, um das Schloss Marienburg.

Das Ober­haupt der Wel­fen will die Rück­über­eig­nung der Mari­en­burg, des Haus­guts Calen­berg in der Gemein­de Pat­ten­sen-Schu­len­burg und des Fürs­ten­hau­ses Her­ren­hau­sen in Han­no­ver. Nach Anga­ben des Land­ge­richts Han­no­ver stützt er sei­nen Anspruch unter ande­rem auf den Wider­ruf einer Schen­kung an sei­nen Sohn infol­ge „gro­ben Undanks”. Ursprüng­lich hat­te der 38-Jäh­ri­ge die ehe­ma­li­ge Som­mer­re­si­denz der Wel­fen wegen der hohen Schul­den, die die Betrei­ber­ge­sell­schaft ange­häuft hat­te, für einen Euro an die öffent­li­che Hand ver­kau­fen wol­len. Nach dem Ein­spruch sei­nes Vaters schei­ter­te der mit der nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung aus­ge­han­del­te Deal. Danach wur­den Schloss und Inven­tar in eine Stif­tung überführt.