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news/APA/Freitag, 05.08.22, 23:12:29

Öster­rei­chi­scher Regis­seur Schwarz in Bay­reuth niedergebuht

Es wur­de am Ende der erwar­te­te raue Wind eines Buhsturms, der dem öster­rei­chi­schen Jung­re­gis­seur Valen­tin Schwarz und sei­nem Team nach dem Ende des neu­en „Ring des Nibe­lun­gen” im Bay­reu­ther Fest­spiel­haus am Frei­tag­abend ins Gesicht blies. Mit der in Tei­len star­ken „Göt­ter­däm­me­rung” voll­ende­te der 33-jäh­ri­ge Thea­ter­ma­cher sei­ne Neu­deu­tung der Wag­ner-Tetra­lo­gie – und Neu­deu­tung ist hier im wört­li­chen Sin­ne zu verstehen.
APA/MARTIN FICH­TER-WOESS

Schwarz bricht das mythi­sche Gesche­hen um Göt­ter- und Men­schen­macht, den Kampf um Welt­ord­nun­gen auf eine zutiefst mensch­li­che Fami­li­en­sa­ga im Sti­le gro­ßer Strea­ming­se­ri­en her­un­ter. Zwer­ge, Dra­chen, Bären, Tarn­kap­pen oder welt­mäch­ti­ge Rin­ge haben bei Schwarz kei­nen Platz. Vom Bay­reu­ther Fest­spiel­pu­bli­kum setz­te es dafür minu­ten­lan­ge Buhs, dem ver­ein­zel­te Ver­su­che von Bra­vo­ru­fen nichts ent­ge­gen­zu­set­zen hatten.

Somit geht der neue „Ring” in Bay­reuth zu Ende, der in sei­ner Radi­ka­li­tät, sich auch über Gren­zen des Libret­tos hin­weg- und statt­des­sen auf den gro­ßen Bogen einer Chro­nik zu set­zen, der viel­leicht ers­te wirk­li­che „Ring” des 21. Jahr­hun­derts ist. Zuvor hat­te Frank Cas­torf ein Spät­werk über den Fall des Kom­mu­nis­mus und den Ver­fall des Kapi­ta­lis­mus Jah­re zu spät in sei­ner Bio­gra­fie abge­lie­fert, und des­sen Vor­läu­fer Tank­red Dorst pri­mär den mys­ti­schen Aspekt beleuchtet.

Den Blick auf supra­ge­nera­tio­na­le Geschich­ten hin­ge­gen ist nicht zuletzt dank des brei­ten Ges­tus der Strea­ming­an­bie­ter die Erzähl­wei­se der Zeit, und die bedient Schwarz. Das gro­ße Ver­dienst ist dabei die Aus­leuch­tung von in der Tetra­lo­gie sonst unter­be­lich­te­ten Cha­rak­te­ren und die gerin­ge­re Distanz zu den Figu­ren. Der Malus ist eine gewis­se ein­di­men­sio­na­le Les­art, die vie­le der phi­lo­so­phi­schen Aspek­te und mytho­lo­gi­schen Schich­ten des Werk schlicht gänz­lich ignoriert.

(S E R V I C E – Richard Wag­ners „Der Ring des Nibe­lun­gen: Göt­ter­däm­me­rung” bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len. Musi­ka­li­sche Lei­tung – Cor­ne­li­us Meis­ter, Regie – Valen­tin Schwarz, Büh­ne – Andrea Coz­zi, Kos­tü­me – Andy Besuch. Mit Sieg­fried – Clay Hil­ley, Gun­ther – Micha­el Kup­fer-Rade­cky, Albe­rich – Olafur Sigur­dar­son, Hagen – Albert Doh­men, Brünn­hil­de – Iré­ne Theo­rin, Gutru­ne – Eli­sa­beth Tei­ge, Wal­trau­te – Chris­ta May­er, 1. Norn – Okka von der Damerau, 2. Norn – Sté­pha­nie Müt­her, 3. Norn – Kel­ly God, Wog­lin­de – Lea-ann Dun­bar, Well­gun­de – Ste­pha­nie Hout­ze­el, Floß­hil­de – Kat­ie Ste­ven­son. Wei­te­re Auf­füh­run­gen am 15. und 30. August. )