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news/APA/Mittwoch, 16.09.20, 16:30:14

Öster­reich bringt ers­te gro­ße Hilfs­lie­fe­rung für Flücht­lin­ge

Eine Woche nach dem ver­hee­ren­den Brand im Flücht­lings­la­ger Moria auf der grie­chi­schen Insel Les­bos hat Öster­reich als ers­tes euro­päi­sches Land eine gro­ße Hilfs­lie­fe­rung für die obdach­lo­sen Migran­ten gelie­fert. Das Herz der Hilfs­lie­fe­rung sind 400 Fami­li­en­zel­te mit Win­ter­kit für 2.000 Per­so­nen. Innen­mi­nis­ter Karl Neham­mer (ÖVP) flog am Mitt­woch mit der rie­si­gen Trans­port­ma­schi­ne nach Athen mit.
APA/GEORG HOCH­MUTH

Mit an Bord waren 55 Ton­nen Hilfs­gü­ter, die Neham­mer dem stell­ver­tre­ten­den grie­chi­schen Innen­mi­nis­ter Theo­do­ros Liva­ni­os am Athe­ner Flug­ha­fen per­sön­lich über­gab. „Wir haben immer gesagt, dass uns Hil­fe vor Ort wich­tig ist und wir Grie­chen­land nicht in Stich las­sen”, sag­te Neham­mer. „Ich bin stolz dar­auf, dass wir als ers­tes Land in Euro­pa gemein­sam mit Slo­we­ni­en eine gro­ße Hilfs­lie­fe­rung für Grie­chen­land zur Ver­fü­gung gestellt haben.”

Der Innen­mi­nis­ter beton­te ein­mal mehr, dass man dem Druck „gewalt­be­rei­ter Migran­ten nicht nach­ge­ben” dür­fe und Öster­reich gegen die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen sei. Er ver­wies dar­auf, dass Öster­reich nicht allei­ne sei und auch vie­le ande­re euro­päi­sche Län­der kei­ne Flücht­lin­ge auf­neh­men. Eine Auf­nah­me wäre „das völ­lig fal­sche Signal”, so Neham­mer. Liva­ni­os bedank­te sich für die Unter­stüt­zung Öster­reichs. „Die euro­päi­sche Soli­da­ri­tät ist ein Eck­pfei­ler des euro­päi­schen Pro­jekts.” Grie­chen­land wer­de alles tun, um die Situa­ti­on auf Les­bos zu ver­bes­sern, so Liva­ni­os.

Neben den 400 Fami­li­en­zel­ten mit Win­ter­kits für 2.000 Per­so­nen wer­den noch 2.000 Hygie­ne­pa­ke­te, 200 Zelt­hei­zun­gen, 400 Zelt­be­leuch­tun­gen, 7.400 Decken sowie 2.700 auf­blas­ba­re Matrat­zen, Pols­ter und Bett­wä­sche zur Ver­fü­gung gestellt. Die heu­ti­ge Lie­fe­rung von 150 Palet­ten, die noch nicht alle Güter beinhal­tet, wiegt 55 Ton­nen und hat ein Volu­men von 300 Kubik­me­ter. Um das alles mög­lichst schnell nach Grie­chen­land zu brin­gen, hat das Innen­mi­nis­te­ri­um eine rus­si­sche Trans­port­ma­schi­ne des Typs Anto­now 124 gemie­tet.

Die An 124 ist eines der größ­ten Trans­port­flug­zeu­ge der Welt und wird regel­mä­ßig von NATO-Trup­pen ver­wen­det, um Pan­zer, Hub­schrau­ber und gro­ße Fahr­zeu­ge in Ein­satz­räu­me zu brin­gen. Um das Volu­men des heu­ti­gen Trans­ports mit einer Her­cu­les, wie sie das Bun­des­heer besitzt, nach Athen zu brin­gen, hät­te es acht Her­cu­les bzw. acht Flü­ge gebraucht. Ent­spre­chend beein­druckt zeig­te sich auch Neham­mer und ließ sich am Flug­ha­fen in Wien von allen Sei­ten mit dem rus­si­schen Rie­sen foto­gra­fie­ren.

Das Hilfs­pa­ket wur­de aus dem Kata­stro­phen­hil­fe-Bud­get des Minis­te­ri­ums finan­ziert und kos­tet ein­schließ­lich des Trans­ports 720.000 Euro. Par­al­lel dazu hat das Außen­mi­nis­te­ri­um Grie­chen­land zwei Mil­lio­nen Euro als Sofort­hil­fe aus dem Aus­lands­ka­ta­stro­phen­fonds zuge­si­chert.

Die Mas­se der gelie­fer­ten Güter ist aus Bestän­den des Roten Kreu­zes, die das Innen­mi­nis­te­ri­um der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on abge­kauft hat. Die Hilfs­gü­ter sind nor­ma­ler­wei­se für Kata­stro­phen im Inland gedacht und wer­den vom Roten Kreuz in Lagern bereit­ge­hal­ten. Sie wer­den par­al­lel zur Aus­lie­fe­rung nach Grie­chen­land bereits für das Inland nach­be­schafft, damit kei­ne Lücke ent­ste­he, hieß es aus dem Minis­te­ri­um.

Jene Tei­le des Pakets, die heu­te noch nicht mit dem Flug­zeug gebracht wur­den, wer­den ent­we­der direkt von Fir­men oder mit Lkws, die laut Minis­te­ri­um bereits auf der Stra­ße sind, sobald wie mög­lich nach­ge­lie­fert.