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news/APA/Dienstag, 14.09.21, 18:02:32

Nor­we­gi­scher Wahl­sie­ger beginnt Sondierungsgespräche

Nach ihrem Sieg bei der Par­la­ments­wahl in Nor­we­gen haben die Sozi­al­de­mo­kra­ten am Diens­tag mit den Son­die­rungs­ge­sprä­chen zur Regie­rungs­bil­dung begon­nen. Der Chef der Arbei­ter­par­tei, Jonas Gahr Stö­re, führ­te infor­mel­le Gesprä­che mit der Zen­trums­par­tei und der Sozia­lis­ti­schen Links­par­tei. „Es gibt mehr Din­ge, die uns ver­ei­nen, als uns tren­nen”, sag­te er danach.
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Es wird erwar­tet, dass Stö­re mit den bei­den Par­tei­en eine Mit­te-Links-Koali­ti­on anstrebt. Zusam­men haben die drei Par­tei­en bei der Wahl am Mon­tag laut vor­läu­fi­gen Ergeb­nis­sen 89 der 169 Par­la­ments­sit­ze gewon­nen. Stö­re kün­dig­te jedoch auch Gesprä­che mit den Grü­nen und der kom­mu­nis­ti­schen Roten Par­tei an. Die­se gewan­nen drei bezie­hungs­wei­se acht Sit­ze im Parlament.

Nach dem vor­läu­fi­gen End­ergeb­nis wur­den die Sozi­al­de­mo­kra­ten mit 26,4 Pro­zent der Stim­men trotz leich­ter Ver­lus­te stärks­te Kraft. Stö­res bevor­zug­te Koali­ti­ons­part­ner, die Zen­trums­par­tei und die Sozia­lis­ti­sche Links­par­tei, kom­men nach jewei­li­gen Zuge­win­nen auf 13,6 und 7,5 Prozent.

Alle Zei­chen deu­ten dar­auf hin, dass Stö­re nächs­ter nor­we­gi­scher Regie­rungs­chef wird. Damit wür­de auch das letz­te skan­di­na­vi­sche Land mit einer bis­her bür­ger­li­chen Regie­rung künf­tig feder­füh­rend von einem Sozi­al­de­mo­kra­ten regiert. In den ver­gan­ge­nen acht Jah­ren ist die Kon­ser­va­ti­ve Erna Sol­berg nor­we­gi­sche Minis­ter­prä­si­den­tin gewe­sen. Ihre Par­tei rutsch­te den vor­läu­fi­gen Zah­len zufol­ge von 25,0 auf 20,5 Pro­zent ab, womit sie neun Man­da­te ver­lie­ren dürfte.

Dass beson­ders der Kli­ma- und Umwelt­schutz sowie die Fra­ge der sozia­len Unge­rech­tig­keit grö­ße­ren Raum im Wahl­kampf ein­ge­nom­men hat­ten, hat­te vor allem links­ge­rich­te­ten Par­tei­en in die Kar­ten gespielt. Exper­ten zufol­ge wünsch­ten sich vie­le Nor­we­ge­rin­nen und Nor­we­ger auch eine poli­ti­sche Ver­än­de­rung nach acht Jah­ren kon­ser­va­ti­ver Regie­rungs­zeit, obwohl es dem Land eigent­lich ganz gut geht. Sol­berg hat­te Nor­we­gen rela­tiv gut durch die Coro­na-Kri­se geführt, was ihr im Früh­jahr 2020 auch poli­ti­schen Auf­wind ver­lie­hen hat­te – aller­dings über­dau­er­te der nicht bis jetzt.

Stö­re ist seit 2014 Vor­sit­zen­der der Sozi­al­de­mo­kra­ten, die zuletzt in den Jah­ren 2005 bis 2013 mit Jens Stol­ten­berg den nor­we­gi­schen Regie­rungs­chef stell­ten. Unter dem heu­ti­gen NATO-Gene­ral­se­kre­tär war Stö­re sie­ben Jah­re lang Außen- sowie ein wei­te­res Jahr Gesund­heits­mi­nis­ter gewe­sen. Bei der Wahl 2017 war er schon ein­mal als sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Spit­zen­kan­di­dat gegen Sol­berg ange­tre­ten, muss­te ihr damals aber den Vor­tritt lassen.

SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Olaf Scholz gra­tu­lier­te Stö­re und sei­ner Par­tei am Diens­tag via Twit­ter. Er schrieb auf Eng­lisch: „Es ist toll zu sehen, dass jetzt alle skan­di­na­vi­schen Regie­run­gen von Sozi­al­de­mo­kra­ten ange­führt wer­den und Nor­we­gen ein star­ker Part­ner für eine nach­hal­ti­ge­re und gerech­te Welt blei­ben wird”, so Scholz, der sich aktu­el­len Umfra­gen zufol­ge Hoff­nun­gen auf einen ähn­li­chen Sieg bei der Bun­des­tags­wahl in knapp zwei Wochen machen darf.

SPÖ-Che­fin Pame­la Ren­di-Wag­ner gra­tu­lier­te Gahr Stö­re in einem Tweet zum Wahl­sieg und wünsch­te ihm viel Glück für die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen. Auch der Lei­ter SPÖ-Dele­ga­ti­on im Euro­pa­par­la­ment, Andre­as Schie­der, gra­tu­lier­te. „Nor­we­gen wird in den kom­men­den Jah­ren von einem Links­bünd­nis unter Füh­rung der Sozi­al­de­mo­kra­tie regiert, das ist ein kla­res Signal für einen sozi­al-öko­lo­gi­schen Aus­gleich”, schrieb Schie­der in einer Aussendung.