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news/APA/Donnerstag, 14.10.21, 18:35:12

Nor­we­gi­sche Poli­zei: Motiv des Täters von Kong­s­berg unklar

Nach der Gewalt­tat mit fünf Toten in der nor­we­gi­schen Klein­stadt Kong­s­berg kann die Poli­zei einen ter­ro­ris­ti­schen Hin­ter­grund nicht aus­schlie­ßen. „Die Tat wirkt wie ein Ter­ror­akt, aber wir ken­nen die Beweg­grün­de des Täters nicht”, sag­te der Chef der Behör­de, Hans Sver­re Sjø­vold, am Don­ners­tag. Der mut­maß­li­che Täter sei im Gesund­heits­we­sen ein- und aus­ge­gan­gen. Am Frei­tag soll er dem Haft­rich­ter vor­ge­führt wer­den. Außer­dem sol­len Rechts­psych­ia­ter sich ein Bild von ihm machen.
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Ein 37-jäh­ri­ger däni­scher Staats­bür­ger hat­te am Mitt­woch­abend in der Innen­stadt von Kong­s­berg zahl­rei­che Men­schen mit meh­re­ren Waf­fen, dar­un­ter auch Pfeil und Bogen, ange­grif­fen. Bei sei­ner Flucht vor der Poli­zei ver­schaff­te er sich auch Zugang zu Woh­nun­gen. Fünf Men­schen wur­den getö­tet, vier Frau­en und ein Mann. Nach Anga­ben der Poli­zei sind die Opfer im Alter zwi­schen 50 und 70 Jah­ren. Drei Men­schen wur­den ver­letzt, dar­un­ter auch ein Poli­zist, der in einem Super­markt ein­kau­fen war. Zunächst war von zwei Ver­letz­ten die Rede gewesen.

Die Staats­an­wäl­tin teil­te unter­des­sen mit, dass der Fest­ge­nom­me­ne eine umfas­sen­de Erklä­rung abge­ge­ben habe. Er habe sein Tun auch begrün­det, doch man wol­le die Details nicht der Öffent­lich­keit mitteilen.

Ein Jugend­freund des inhaf­tier­ten Man­nes sag­te in einem Inter­view mit der Inter­net­zei­tung „Net­ta­vi­sen”, er habe die Poli­zei bereits 2017 infor­miert, dass er sei­nen Freund für gefähr­lich hal­te. Nor­we­gi­sche Medi­en berich­te­ten über You­tube-Vide­os, in denen der Mann auf­ge­tre­ten sei, sich als Mus­lim erklärt und vage Dro­hun­gen aus­ge­spro­chen habe. Ein Ver­wand­ter des Man­nes beschrieb ihn wie­der­um gegen­über der däni­schen Bou­le­vard­zei­tung „Eks­tra Bla­det” als psy­chisch krank. Er habe sei­ne Fami­lie seit Jah­ren immer wie­der bedroht.

Der Poli­zei war am Mitt­woch um 18.13 Uhr von meh­re­ren Per­so­nen gemel­det wor­den, dass sich ein Bewaff­ne­ter durch die Stadt bewe­ge und mit Pfeil und Bogen auf Men­schen schie­ße. Nur fünf Minu­ten spä­ter wur­de er von einer Poli­zei­pa­trouil­le gesich­tet. Die Beam­ten wur­den jedoch mit Pfei­len beschos­sen und der Mann konn­te flie­hen. Poli­zei­spre­cher Ole Bre­drup Sæver­ud sag­te am Don­ners­tag, es sei wahr­schein­lich, dass die Opfer erst danach getö­tet wur­den. Der Angrei­fer konn­te nach Poli­zei­an­ga­ben rund eine hal­be Stun­de nach dem ers­ten Not­ruf fest­ge­nom­men werden.

Der Vor­fall ereig­ne­te sich am Vor­abend des Regie­rungs­an­tritts des neu­en Minis­ter­prä­si­den­ten Jonas Gahr Stø­re. Der Sozi­al­de­mo­krat bezeich­ne­te die Tat bei sei­ner Amts­über­nah­me am Don­ners­tag als schreck­lich. „Es ist scho­ckie­rend, dar­an zu den­ken, was die Men­schen erlebt haben, und ich füh­le mit allen Betrof­fe­nen, mit denen, die sich unsi­cher füh­len und mit denen, die dar­über infor­miert wur­den, dass sie ihre Lie­ben ver­lo­ren haben.”

Der Angriff weckt schlim­me Erin­ne­run­gen in Nor­we­gen: In die­sem Som­mer war es zehn Jah­re her, dass der Rechts­ex­tre­me Anders Beh­ring Brei­vik im Regie­rungs­vier­tel von Oslo eine Bom­be zün­de­te und anschlie­ßend auf der Insel Utøya jugend­li­che Teil­neh­mer des Som­mer­camps einer sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on regel­recht hin­rich­te­te. 77 Men­schen ver­lo­ren ihr Leben. 2019 hat­te ein jun­ger Nor­we­ger eine Moschee in Bærum bei Oslo gestürmt, konn­te jedoch über­wäl­tigt werden.