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news/APA/Donnerstag, 25.11.21, 17:55:13

NIG gibt Emp­feh­lung für Kin­der­imp­fung ab fünf Jahren

Nach­dem die Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel­be­hör­de EMA am Don­ners­tag Grü­nes Licht für den Ein­satz des Coro­na-Impf­stoffs von BioNTech/Pfizer bei Kin­dern im Alter von fünf bis elf Jah­ren gege­ben hat, wird die Imp­fung auch vom Natio­na­len Impf­gre­mi­um (NIG) emp­foh­len. Das sag­te die Lei­te­rin des NIG, Ursu­la Wie­der­mann-Schmidt, bei einer Pres­se­kon­fe­renz in Wien. „Die Kin­der­imp­fung ist sicher”, beton­te Gesund­heits­mi­nis­ter Wolf­gang Mück­stein (Grü­ne).
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258.000 Dosen des eige­nen Impf­stoffs mit neu­er For­mu­lie­rung sol­len bis zum Jah­res­en­de nach Öster­reich gelie­fert wer­den. „Das ist die maxi­ma­le Men­ge, die wir bekom­men haben”, sag­te Mück­stein. Der deut­sche Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat­te erklärt, die gesam­te EU erhal­te die Lie­fe­rung des Kin­der-Impf­stoffs am 20. Dezem­ber. Bis­her ist das Vak­zin in der Euro­päi­schen Uni­on erst ab zwölf Jah­ren zugelassen.

In Öster­reich leben knapp 600.000 Kin­der zwi­schen fünf und elf Jah­ren. Bis zum eige­nen Vak­zi­ne sol­len die Kin­der unter zwölf Jah­re – wie der­zeit bereits „off label” durch­ge­führt wird, wei­ter­hin mit einem Drit­tel der Erwach­se­nen-Dosis immu­ni­siert wer­den. Die zwei­te Imp­fung erfolgt im Abstand von drei Wochen. Die Impf-Emp­feh­lung des NIG soll noch am Don­ners­tag ver­öf­fent­licht wer­den, kün­dig­te Wie­der­mann-Schmidt an. Die Imp­fung wird für alle Kin­der emp­foh­len, beson­ders aber für jene, die Grund­er­kran­kun­gen haben.

Auch Wie­der­mann-Schmidt beton­te, dass die Imp­fung sicher ist. In den USA und in Isra­el wird sie bereits ver­ab­reicht, 3,3 Mil­lio­nen Kin­der haben sie bereits erhal­ten, sag­te die Exper­tin. Dabei sei­en kei­ne Fäl­le von schwe­ren Neben­wir­kun­gen auf­ge­tre­ten. Wie auch Kin­der ab zwölf und Erwach­se­ne sol­len Kin­der unter zwölf Jah­ren sich drei Tage nach der Imp­fung erho­len, außer­dem für eine Woche sport­li­che Akti­vi­tät ein­schrän­ken, emp­fahl Wiedermann-Schmidt.

Zwar erkran­ken Kin­der und Jugend­li­che im Ver­gleich zu Erwach­se­nen weni­ger schwer an Covid-19, doch müs­sen auch in Öster­reich immer wie­der Kin­der inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt wer­den. Es gibt Fäl­le, wo Kin­der am mul­ti­sys­te­mi­schen Inflamma­ti­ons­syn­drom (MIS‑C) oder dem päd­ia­tri­schen hyper­in­flamma­to­ri­schen Syn­drom (PIMS) erkran­ken. Wel­ches Kind es trifft, „weiß man nicht”, sag­te Wie­der­mann-Schmidt, auch des­halb wird die Imp­fung empfohlen.

„Es gibt eine kla­re Not­wen­dig­keit der Kin­der­imp­fung”, beton­te auch Peter Voitl, Grün­der des Kin­der­ge­sund­heits­zen­trums Donau­stadt. In der Grup­pen­pra­xis des Kin­der­arz­tes wur­den schon hun­der­te Kin­der geimpft. Auch er warn­te, dass Kin­der zwar nicht oft, aber doch auch schwe­re Ver­läu­fe haben. „Jeder ein­zel­ne die­ser Fäl­le ist ver­meid­bar”, kon­sta­tier­te Voitl. Von Long Covid sind laut dem Medi­zi­ner sechs bis zehn Pro­zent der Kin­der betrof­fen. Bereits seit Okto­ber impft der Arzt Kin­der in sei­ner Pra­xis. Star­ke Impf­re­ak­tio­nen habe er da kei­ne gese­hen. Der Andrang auf Kin­der­imp­fun­gen sei jeden­falls nach wie vor sehr groß.

„Es gibt sie noch, die guten Nach­rich­ten”, sag­te Mück­stein. Sei­ne bei­den Töch­ter – 13 und 16 Jah­re alt – wur­den bereits im Som­mer geimpft, berich­te­te er. „Es war ein sehr gutes Gefühl.” Dass die­se Mög­lich­keit nun auch die Eltern der 600.000 Kin­der in der Alters­grup­pe fünf bis elf Jah­ren bekom­men, freue ihn sehr. An die Eltern rich­te­te er die „gro­ße Bit­te”, sich bei der Kin­der­ärz­tin und dem Kin­der­arzt zu infor­mie­ren. „Bit­te schütz­ten Sie ihre Kin­der mit der Coro­na­imp­fung”, appel­lier­te der Gesund­heits­mi­nis­ter. Es sei­en jeden­falls bereits „sämt­li­che Vor­keh­run­gen getrof­fen, damit in den Bun­des­län­dern zeit­nah mit den Kin­der­imp­fun­gen begon­nen wer­den kann”, sag­te Mückstein.

Ab Febru­ar ist die Coro­na-Schutz­imp­fung in Öster­reich Pflicht. Ob sie auch für Kin­der gel­ten wird, beant­wor­te­te Mück­stein auch auf mehr­fa­che Nach­fra­ge nicht. Das müs­se breit mit Exper­ten bespro­chen wer­den, im Par­la­ment wer­de es einen aus­rei­chen­den Begut­ach­tungs­pro­zess geben. Die Nach­fra­ge nach Kin­der­imp­fun­gen ist jeden­falls „sehr groß”, sag­te Voitl. „Ich kann mir sehr gut vor­stel­len, dass eine Impf­pflicht nicht nicht­wen­dig sein wird”, mein­te der Kinderarzt.

Öster­reich zählt bei der Impf­quo­te wei­ter­hin zu den Schluss­lich­tern, der­zeit haben nur 66,2 Pro­zent der Öster­rei­cher ein gül­ti­ges Impf­zer­ti­fi­kat. Man sei bei den Immu­ni­sie­run­gen „nicht so rasch wie wir das ger­ne haben wür­den”, sag­te Mück­stein. Öster­reich hat am Don­ners­tag ein zusätz­li­ches Kon­tin­gent von Comirn­a­ty (Biontech/Pfizer) bestellt. Mit der ange­kün­dig­ten Impf­pflicht und den der Emp­feh­lung des frü­he­ren Drittstichs haben sich die Rah­men­be­din­gun­gen in den ver­gan­ge­nen Tagen geän­dert, hieß es aus dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um. Des­halb rufen die Bun­des­län­der über­durch­schnitt­lich vie­le Dosen ab. Mit der zusätz­li­chen Bestel­lung sol­len ab Dezem­ber lau­fend die Impf­stoff­lie­fe­run­gen ver­stärkt wer­den. „So kann das aktu­el­le Momen­tum best­mög­lich genutzt und die Impf­kam­pa­gne noch wei­ter beschleu­nigt wer­den”, beton­te das Ministerium.