news/APA/Freitag, 03.07.20, 13:26:58

Neu­er Corona-(Welt-)Rekord in den USA – Trump beschwich­tigt

Die USA kämp­fen wei­ter mit einem dra­ma­ti­schen Anstieg der Coro­na­fäl­le. Mit rund 52.300 Neu­in­fek­tio­nen bin­nen 24 Stun­den wur­de laut Zah­len der Johns-Hop­kins-Uni­ver­si­tät am Don­ners­tag (Orts­zeit) ein neu­er Höchst­stand erreicht. Prä­si­dent Donald Trump ver­such­te zu beschwich­ti­gen.
APA/APA (Symbolbild/AFP)/SERGIO FLO­RES

Er begrün­de­te den rasan­ten Anstieg damit, dass weit­aus mehr auf das Virus getes­tet wer­de. Kri­ti­ker tei­len Trumps Erklä­rung nicht und ver­wei­sen unter ande­rem auf eine stei­gen­de Zahl von Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen. Sie wer­fen dem Prä­si­den­ten vor, das Infek­ti­ons­ge­sche­hen her­un­ter zu spie­len.

„Es gibt eine Zunah­me der Coro­na­vi­rus-Fäl­le, weil unser Test­ver­hal­ten so mas­siv und so gut ist, viel grö­ßer und bes­ser als in jedem ande­ren Land”, schrieb er am spä­ten Don­ners­tag­abend auf Twit­ter. Dies sei­en „groß­ar­ti­ge Neu­ig­kei­ten”. Unge­ach­tet der Lage will Trump am Frei­tag in South Dako­ta an den Fei­er­lich­kei­ten zum Unab­hän­gig­keits­tag teil­neh­men, der am 4. Juli began­gen wird.

Bereits tags zuvor hat­ten die USA erst­mals die Gren­ze von täg­lich 50.000 Neu­an­ste­ckun­gen über­schrit­ten. Ange­sichts des Rekords ver­such­ten auch Mit­glie­der der Coro­na-Arbeits­grup­pe im Wei­ßen Haus am Don­ners­tag bei einem Vor-Ort-Besuch im stark betrof­fe­nen US-Staat Flo­ri­da zu beschwich­ti­gen. „Wir sind buch­stäb­lich in einer viel bes­se­ren Situa­ti­on als noch vor zwei Mona­ten”, sag­te Vize­prä­si­dent Mike Pence und ver­wies auf die Viel­zahl an Tests und Ansät­zen zur Behand­lung von Covid-19-Pati­en­ten.

Pence, der die Coro­na-Arbeits­grup­pe des Wei­ßen Hau­ses lei­tet, setz­te am Don­ners­tag in Flo­ri­da sei­ne Rei­sen in der­zeit beson­ders betrof­fe­ne US-Staa­ten im Süden des Lan­des fort. Zuvor war er schon in Texas und Ari­zo­na. Am Tag sei­nes Besuchs über­schritt die Zahl der nach­ge­wie­se­nen Neu­in­fek­tio­nen inner­halb eines Tages in Flo­ri­da die Mar­ke von 10.000 – ein All­zeit­hoch. Pence war bemüht, Opti­mis­mus zu ver­brei­ten: Er wol­le, dass die Men­schen wach­sam sei­en, aber er wol­le sie auch bestär­ken. Flo­ri­da habe alles, was es brau­che, um die­sem Moment zu begeg­nen. US-Medi­en berich­te­ten, sei­nen Besuch zuvor in Ari­zo­na habe Pence um einen Tag ver­schie­ben müs­sen, weil eini­ge der ihn beglei­ten­den Beam­ten des Secret Ser­vice posi­tiv auf das Virus getes­tet wor­den sei­en.

In Texas voll­zog Gou­ver­neur Greg Abbott ange­sichts des dra­ma­ti­schen Anstiegs der Neu­in­fek­tio­nen eine Kehrt­wen­de. Der Repu­bli­ka­ner ord­ne­te am Don­ners­tag eine Mas­ken­pflicht für alle Bezir­ke mit 20 oder mehr Coro­na-Fäl­len an. Damit kön­ne die Aus­brei­tung des Virus nicht nur ver­lang­samt, son­dern auch die Wirt­schaft am Lau­fen gehal­ten wer­den, erklär­te Abbott. Er folg­te damit der Linie von mehr als einem Dut­zend US-Staa­ten. Der Schritt war den­noch bemer­kens­wert. Abbott hat­te im Juni noch gesagt: „Die Regie­rung kann nicht vor­schrei­ben, dass Ein­zel­per­so­nen Gesichts­mas­ken tra­gen müs­sen.”

Trumps Wider­stand gegen die Schutz­mas­ke scheint dage­gen unge­bro­chen. Anders als vie­le ande­re Poli­ti­ker zeigt er sich nicht mit Mas­ke in der Öffent­lich­keit und begrün­det dies immer wie­der damit, dass er und die Leu­te um ihn her­um stets auf das Virus getes­tet wür­den. Erst am Mitt­woch äußer­te sich der Repu­bli­ka­ner skep­tisch über eine lan­des­wei­te Mas­ken­pflicht.

Trump will sich am Frei­tag auf den Weg nach South Dako­ta machen, wo er am Abend (Ortszeit/Samstag MESZ) am berühm­ten Prä­si­den­ten-Denk­mal von Mount Rushmo­re an den Fei­er­lich­kei­ten zum Unab­hän­gig­keits­tag inklu­si­ve umstrit­te­nen Feu­er­werks teil­nimmt. Gou­ver­neu­rin Kris­ti Noem hat­te die Men­schen zum Kom­men auf­ge­ru­fen und gesagt, dass Mas­ken ver­teilt wür­den, aber nicht Pflicht sei­en. In ande­ren US-Staa­ten wie Kali­for­ni­en wur­den vor dem lan­gen Fei­er­tags­wo­chen­en­de Restrik­tio­nen ver­hängt, um Men­schen­an­samm­lun­gen zu ver­hin­dern.

Füh­ren­de Wirt­schafts­ver­tre­ter appel­lier­ten an das Wei­ße Haus, es müs­se in Zusam­men­ar­beit mit den Gou­ver­neu­ren Rege­lun­gen für das ver­pflich­ten­de Tra­gen von Mas­ken in der Öffent­lich­keit aus­ar­bei­ten. Die ver­gan­ge­nen Wochen hät­ten bewie­sen, dass auf Frei­wil­lig­keit basie­ren­de Richt­li­ni­en nicht aus­reich­ten, um die Gesund­heit der Men­schen zu schüt­zen, hieß es in einem offe­nen Brief, der unter ande­rem vom Vor­stands­vor­sit­zen­den der US-Han­dels­kam­mer unter­zeich­net wur­de. Ohne stär­ke­re Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Virus­aus­brei­tung dro­he Ame­ri­ka eine „wei­te­re Run­de an Shut­downs, weit­rei­chen­den Beschrän­kun­gen für nicht essen­zi­el­le Betrie­be und irrepa­ra­blen wirt­schaft­li­chen Schä­den”.

Die Wirt­schaft des Lan­des, die emp­find­lich von der Pan­de­mie getrof­fen wur­de, ist Trump weni­ge Mona­te vor der Wahl im Novem­ber ein wich­ti­ges Anlie­gen. Am Don­ners­tag beju­bel­te er im Wei­ßen Haus die rasche Ver­bes­se­rung der Lage am Arbeits­markt, die „alle Erwar­tun­gen über­trof­fen” habe. Die am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­te Arbeits­lo­sen­quo­te fiel stär­ker als erwar­tet von 13,3 Pro­zent im Mai auf 11,1 Pro­zent im Juni. Fast fünf Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner haben im Juni wie­der Arbeit gefun­den. Doch die posi­ti­ven Nach­rich­ten sind mit Vor­sicht zu genie­ßen – denn wegen der Zuspit­zung der Lage im Süden des Lan­des droht neu­es Unheil. Die Arbeits­lo­sen­quo­te für Juni beruh­te auf Daten, die nur die Situa­ti­on bis zur Mit­te des Monats abbil­de­ten. Mög­li­che Aus­wir­kun­gen der jüngs­ten Zuspit­zung spie­gel­ten sich dar­in des­halb noch nicht wider.

Nach Berech­nung von US-Medi­en haben min­des­tens 20 Staa­ten infol­ge der rapi­de stei­gen­den Infek­ti­ons­zah­len die pha­sen­wei­se Wie­der­eröff­nung der Wirt­schaft gebremst, pau­siert oder Locke­run­gen gar zurück­ge­nom­men. Ins­ge­samt wur­den in den USA seit Beginn der Pan­de­mie mehr als 2,7 Mil­lio­nen Infek­tio­nen mit dem Erre­ger Sars-CoV‑2 nach­ge­wie­sen, wie aus Daten der Uni­ver­si­tät Johns Hop­kins her­vor­geht. Fast 130.000 Men­schen star­ben an oder mit dem Virus.