apa.at
news/APA/Mittwoch, 24.11.21, 12:44:53

Natio­nal­bank sieht Risi­ken bei Kre­di­ten für Wohnraum

Die Natio­nal­bank (OeNB) sieht eine Über­hit­zung bei Wohn­bau­kre­di­ten. Einer­seits sind die Prei­se im letz­ten Jahr­zehnt stark gestie­gen. Ande­rer­seits wer­den zu vie­le Kre­di­te mit varia­blen Zin­sen oder mit sehr wenig Eigen­ka­pi­tal ver­ge­ben. Soll­te eine Ana­ly­se dro­hen­de volks­wirt­schaft­li­che Pro­ble­me auf­zei­gen, könn­ten die Ban­ken ver­pflich­tet wer­den, bei der Kre­dit­ver­ga­be strik­te­re Regeln ein­zu­hal­ten. Eine Bla­se, die dem­nächst plat­zen könn­te, sieht die OeNB aber nicht.
APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Die Prei­se für Wohn­im­mo­bi­li­en haben sich in Öster­reich seit Anfang 2010 ver­dop­pelt, wäh­rend es im Euro­raum nur einen Anstieg um ein Drit­tel gab. Im Ver­gleich zu 2012 sind die Prei­se im Schnitt in Öster­reich um 30 Pro­zent über­be­wer­tet, zei­gen Zah­len der Natio­nal­bank. Das ist deut­lich mehr als im Euro­raum. Dazu kommt, dass Wohn­bau­kre­di­te häu­fig nicht den Emp­feh­lun­gen über Nach­hal­tig­keit, also lang­fris­ti­ge risi­ko­ar­me Finan­zier­bar­keit, ent­spre­chen. Bei mehr als der Hälf­te der Pro­jek­te stellt der Kre­dit­neh­mer weni­ger als 20 Pro­zent Eigen­mit­tel auf. Und bei einem Fünf­tel der Neu­kre­di­te müs­sen die Kre­dit­neh­mer mehr als 40 Pro­zent ihres Net­to­ein­kom­mens für die Rück­zah­lung auf­wen­den, schil­der­ten OeNB-Chef­öko­no­min Bir­git Niess­ner und OeNB-Abtei­lungs­lei­ter Mar­kus Schwaiger.

Die Natio­nal­bank ana­ly­sie­re der­zeit im Auf­trag des Finanz­markt­sta­bi­li­täts­gre­mi­ums (FMSG) den Markt für Wohn­bau­kre­di­te, sag­te Vize­gou­ver­neur Gott­fried Haber. Die­ses müs­se dann Emp­feh­lun­gen aus­ar­bei­ten – letzt­lich kann es auch zu einer Ver­pflich­tung der Ban­ken füh­ren, gewis­se Min­dest­stan­dards bei der künf­ti­gen Kre­dit­ver­ga­be ein­zu­hal­ten. „Es spricht nichts gegen har­te Vor­ga­ben, wenn das erfor­der­lich ist”, sagt dazu Haber. Es gebe auch in ande­ren Län­dern ver­bind­li­che Kre­dit­ver­ga­be­sys­te­me. Auch der Inter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) wei­se Öster­reich aus­drück­lich dar­auf hin, dass die Ris­ken bei Wohn­bau­kre­di­ten ange­gan­gen wer­den und ver­bind­li­che Stan­dards über­legt wer­den sol­len. Haber weist aber zugleich dar­auf hin, dass man damit zwar bei künf­ti­gen Ent­wick­lun­gen, etwa stark stei­gen­den Zin­sen, Men­schen schüt­ze, aber ande­rer­seits man­chen Men­schen erschwe­re, Kapi­tal zu bil­den oder Wohn­raum zu beschaffen.

Die Natio­nal­bank emp­fiehlt Haus­hal­ten, auf fixe Zin­sen zu set­zen, denn der aktu­el­le Unter­schied zu einem varia­bel ver­zins­ten Wohn­bau­kre­dit sei gering, das künf­ti­ge Risi­ko bei varia­blen Zin­sen aber hoch. Vie­le Men­schen könn­ten das wohl schlecht ein­schät­zen, meint OeNB-Gou­ver­neur Robert Holz­mann: „Wenn die Leu­te den­noch den varia­blen Zins neh­men, deu­tet das auf eine sehr hohe Risi­ko­be­reit­schaft hin, derer sich im Moment nicht alle gewahr sind.” Dar­auf soll­ten Bank­be­ra­ter stär­ker auf­merk­sam machen. Holz­mann kann auch einem in den USA in man­chen Staa­ten ein­ge­führ­ten Modell etwas abge­win­nen, wonach jeder, der einen Kre­dit unter­schreibt, vor­her einen vier­stün­di­gen Kurs zu Finanz­bil­dung absol­vie­ren muss.

Zur Über­hit­zung haben laut Haber meh­re­re Fak­to­ren bei­getra­gen. Ein nied­ri­ges Zins­ni­veau habe die Finan­zie­rung von Immo­bi­li­en erleich­tert. Aber die Immo­bi­li­en sel­ber sei­en immer teu­rer gewor­den. Die all­ge­mei­ne Unsi­cher­heit in der Pan­de­mie habe zu einem Wunsch nach siche­ren Anla­ge­for­men geführt – Stich­wort „Beton­gold”. Wenn noch star­ke Preis­stei­ge­run­gen dazu kom­men, sei der Kauf von Immo­bi­li­en sehr attrak­tiv, nicht nur für den Eigenbedarf.