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news/APA/Donnerstag, 14.10.21, 08:57:43

Nach Atta­cken in Nor­we­gen spricht Ver­däch­ti­ger mit Polizei

Nach dem töd­li­chen Angriff auf zahl­rei­che Men­schen in der nor­we­gi­schen Stadt Kong­s­berg am Mitt­woch ist der mut­maß­li­che Täter bereit, mit der Poli­zei zu koope­rie­ren. Er habe in einem Ver­hör in der Nacht Anga­ben zur Tat gemacht, sag­te sein Anwalt der Pres­se. Bei dem Ver­däch­ti­gen han­delt es sich um einen 37 Jah­re alten Dänen, der in Kong­s­berg lebt, hieß es in einer Mit­tei­lung der Poli­zei. Bei meh­re­ren Angrif­fen unter ande­rem mit Pfeil und Bogen wur­den fünf Men­schen getötet.
APA/APA/AFP/NTB/HAKON MOS­VOLD LARSEN

Der Mann wur­de fest­ge­nom­men, nach­dem er in der Innen­stadt von Kong­s­berg zahl­rei­che Men­schen ange­grif­fen haben soll. Neben den fünf Todes­op­fern gab es zwei Ver­letz­te. Zum Motiv hat­te die Poli­zei am spä­ten Abend kei­ne Anga­ben machen kön­nen. Eine Ter­ror­tat wur­de nicht aus­ge­schlos­sen. Für 10.00 Uhr haben die Ermitt­ler eine Pres­se­kon­fe­renz angesetzt.

Die Staats­an­wäl­tin sag­te dem nor­we­gi­schen Sen­der TV2, der Mann habe die Taten zuge­ge­ben. Er sei der Poli­zei zuvor bekannt gewe­sen. Sie bestä­tig­te, dass er mehr­fach mit dem nor­we­gi­schen Gesund­heits­we­sen in Kon­takt gewe­sen war.

Die Gewalt­tat in der süd­nor­we­gi­schen Klein­stadt hat­te in Nor­we­gen Trau­er und Fas­sungs­lo­sig­keit aus­ge­löst. Der Vor­fall ereig­ne­te sich am Vor­abend des Regie­rungs­an­tritts des neu­en Minis­ter­prä­si­den­ten Jonas Gahr Stø­re. Der Sozi­al­de­mo­krat zeig­te sich scho­ckiert. „Das, was wir heu­te Abend aus Kong­s­berg hören muss­ten, zeugt davon, dass eine grau­sa­me und bru­ta­le Tat began­gen wor­den ist”, sag­te er am spä­ten Abend der Nach­rich­ten­agen­tur NTB.

Auch die schei­den­de Regie­rungs­chefin Erna Sol­berg brach­te ihre Anteil­nah­me zum Aus­druck. „Unse­re Gedan­ken gehen zual­ler­erst an die Betrof­fe­nen und ihre Ange­hö­ri­gen”, sag­te sie am spä­ten Mitt­woch­abend auf einer kurz­fris­tig ein­be­ru­fe­nen Pres­se­kon­fe­renz in Oslo. Sie wird am Don­ners­tag nach ihrer Wahl­nie­der­la­ge vor einem Monat von Stø­re an der Regie­rungs­spit­ze abge­löst. Aus­wir­kun­gen auf den Regie­rungs­wech­sel habe die Tat nicht, sag­te Solberg.

Die Angrif­fe ereig­ne­ten sich nach Anga­ben der Poli­zei an meh­re­ren Orten in der Stadt. Der Täter habe sich über ein grö­ße­res Gebiet hin­weg bewegt, teil­ten die Ermitt­ler mit. Das Zen­trum der Stadt wur­de weit­räu­mig abge­rie­gelt. Der Poli­zei sei um 18.13 Uhr von meh­re­ren Per­so­nen gemel­det wor­den, dass sich ein Bewaff­ne­ter durch die Stadt bewe­ge und mit Pfeil und Bogen auf Men­schen schie­ße, sag­te der zustän­di­ge Poli­zei­chef Øyvind Aas. Meh­re­re Medi­en berich­te­ten von einem Super­markt als einem Ort des Gesche­hens. Der Angrei­fer konn­te nach Poli­zei­an­ga­ben rund eine hal­be Stun­de nach dem ers­ten Not­ruf fest­ge­nom­men werden.

Bei einem der Ver­letz­ten han­del­te sich um einen Poli­zis­ten, der aber zum Tat­zeit­punkt nicht im Dienst war, wie Aas mit­teil­te. Über die Toten und die wei­te­re ver­letz­te Per­son mach­te er kei­ne genaue­ren Angaben.

Der Vor­fall weckt schlim­me Erin­ne­run­gen: Vor gut zehn Jah­ren erleb­te Nor­we­gen den schwers­ten Ter­ror­an­schlag sei­ner moder­nen Geschich­te. Am 22. Juli 2011 zün­de­te der Rechts­ter­ro­rist Anders Beh­ring Brei­vik zunächst im Oslo­er Regie­rungs­vier­tel eine in einem Trans­por­ter ver­steck­te Bom­be und töte­te dabei acht Men­schen. Danach fuhr er zur etwa 30 Kilo­me­ter ent­fern­ten Insel Utøya, wo er sich als Poli­zist aus­gab und das Feu­er auf die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer des jähr­li­chen Som­mer­la­gers der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Arbei­ter­par­tei eröff­ne­te. 69 Men­schen, vor allem Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne, kamen auf Utøya ums Leben. Brei­vik nann­te rechts­ex­tre­me und islam­feind­li­che Moti­ve für sei­ne Taten. Er wur­de im August 2012 zur dama­li­gen Höchst­stra­fe von 21 Jah­ren mit einer Min­dest­haft­zeit von zehn Jah­ren verurteilt.