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news/APA/Donnerstag, 08.04.21, 14:43:32

Myan­mars Bot­schaf­ter darf nicht mehr in Bot­schaft in London

Myan­mars Bot­schaf­ter in Groß­bri­tan­ni­en, ein erklär­ter Geg­ner der Mili­tär­jun­ta in sei­nem Land, ist von sei­ner eige­nen Bot­schaft in Lon­don aus­ge­sperrt wor­den. Wie ein Spre­cher von Kyaw Zwar Minn am Don­ners­tag mit­teil­te, wur­de ihm der Zutritt zu dem Gebäu­de im Zen­trum der bri­ti­schen Haupt­stadt am Mitt­woch­abend ver­wehrt. Unter­des­sen wur­den in Myan­mar bei Pro­tes­ten erneut meh­re­re Demons­tran­ten von Sicher­heits­kräf­ten erschossen. 
APA/APA (AFP)/BEN STANSALL

Der Mili­tär­at­ta­ché habe die Kon­trol­le über die Ver­tre­tung über­nom­men. Über sei­nen Spre­cher rief der Bot­schaf­ter die bri­ti­sche Regie­rung auf, einen von der Mili­tär­re­gie­rung benann­ten Nach­fol­ger nicht anzu­er­ken­nen. Aus Krei­sen des bri­ti­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums hieß es, eine for­mel­le Abbe­ru­fung des Bot­schaf­ters sei inzwi­schen ein­ge­gan­gen. Ein Nach­fol­ger sei jedoch noch nicht benannt worden.

Dem „Tele­graph” sag­te Kyaw Zwar Minn: „Sie sag­ten, sie hät­ten eine Anwei­sung aus der Haupt­stadt erhal­ten, des­halb wür­den sie mich nicht rein­las­sen.” „Dies ist Groß­bri­tan­ni­en, wir sind nicht in Myan­mar.” Die bri­ti­sche Regie­rung wer­de das nicht zulas­sen. Das sei ein „Putsch” des „myan­ma­ri­schen Mili­tärs”. Laut der Metro­po­li­tan Poli­ce in Lon­don ver­sam­mel­ten sich vor der Bot­schaft Men­schen, um ihren Pro­test gegen die Aus­sper­rung des Bot­schaf­ters kund­zu­tun. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge ver­brach­te er die Nacht in sei­nem Auto vor dem Botschaftsgebäude.

Kyaw Zwar Minn hat­te sich im März als Geg­ner des Mili­tär­put­sches in dem süd­ost­asia­ti­schen Land posi­tio­niert. Er for­der­te die Frei­las­sung der ent­mach­te­ten Regie­rungs­chefin Aung San Suu Kyi. Die 75-Jäh­ri­ge sitzt im Hausarrest.

Der bri­ti­sche Außen­mi­nis­ter Domi­nic Raab bezeich­ne­te die Ereig­nis­se in Lon­don als „Schi­ka­ne” und lob­te den Bot­schaf­ter für sei­nen Mut. „Groß­bri­tan­ni­en ruft wei­ter­hin dazu auf, den Putsch und die ent­setz­li­che Gewalt zu been­den und die Demo­kra­tie rasch wie­der­her­zu­stel­len”, so Raab auf Twitter.

In Myan­mar gehen seit Wochen zahl­rei­che Men­schen auf die Stra­ße, um gegen den Putsch der Gene­rä­le Anfang Febru­ar zu pro­tes­tie­ren. Am Mitt­woch­abend wur­den erneut meh­re­re Demons­tran­ten von Sicher­heits­kräf­ten getö­tet. Bei hef­ti­gen Zusam­men­stö­ßen in der Stadt Taze im Nord­wes­ten sei­en min­des­tens elf Men­schen ums Leben gekom­men, berich­te­ten ört­li­che Medi­en am Don­ners­tag. Sol­da­ten hät­ten auf Demons­tran­ten gefeu­ert. Die­se hät­ten sich mit Jagd­ge­weh­ren, Mes­sern und Brand­sät­zen gewehrt. Es gebe rund zwan­zig Ver­letz­te. Über mög­li­che Opfer unter Sol­da­ten gab es zunächst kei­ne Angaben.

Taze liegt in der Nähe der Stadt Kale, wo bei ähn­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen am Mitt­woch min­des­tens elf Men­schen getö­tet wur­den. Auch in der Wirt­schafts­me­tro­po­le Yan­gon pro­tes­tier­ten erneut zahl­rei­che Men­schen gegen den Putsch des Mili­tärs und für die Rück­kehr zur Demo­kra­tie. Zahl­rei­che Men­schen plat­zier­ten Schu­he mit Blu­men dar­in, um der Opfer der Pro­tes­te zu gedenken.

Nach Schät­zun­gen der Gefan­ge­nen­hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on AAPP sind seit dem Umsturz mehr als 580 Men­schen ums Leben gekom­men, 2.750 sit­zen der­zeit noch in Haft. Es wird befürch­tet, dass die Zahl der Opfer sehr viel höher sein könnte.

Das Mili­tär hat­te nach dem Putsch vom 1. Febru­ar im frü­he­ren Bur­ma die fak­ti­sche Regie­rungs­chefin Aung San Suu Kyi in Gewahr­sam genom­men und einen ein­jäh­ri­gen Aus­nah­me­zu­stand ver­hängt. Die Demons­tran­ten for­dern die Rück­kehr zu demo­kra­ti­schen Refor­men und die Wie­der­ein­set­zung von Suu Kyis zivi­ler Regierung.