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news/APA/Donnerstag, 10.06.21, 12:35:55

Mey­er-Abschied an der Wie­ner Volks­oper mit elf Premieren

Ein Abschied ist immer mit Zah­len ver­bun­den: 135 Pre­mie­ren wer­den es sein, auf die Robert Mey­er am Ende sei­ner Direk­ti­on an der Wie­ner Volks­oper im Juni 2022 zurück­bli­cken kann. Elf sind es in sei­ner Abschieds­sai­son 2021/22, die Mey­er am Don­ners­tag der Pres­se prä­sen­tier­te und dabei zufrie­den auf die ver­gan­ge­nen 14 Jah­re zurück­blick­te. Ange­sichts einer durch­schnitt­li­chen Aus­las­tung von 82 Pro­zent kön­ne er sagen: „Mein Wunsch ist in Erfül­lung gegangen.”
APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Die­ses Ziel habe er sich zu sei­nem Antritt 2007 gesetzt, und es wer­de auch bis kom­men­den Som­mer hal­ten. Wobei Mey­er nicht ver­gaß her­vor­zu­he­ben, dass auf­grund von Coro­na zuletzt Schließ­zei­ten von drei­ein­halb und sie­ben­ein­halb Mona­ten nötig waren. „Das ist eine kom­plet­te Spiel­zeit. Es war schon eine gro­ßer Her­aus­for­de­rung für uns alle.” Seit 19. Mai darf wie­der gespielt wer­den, 54 Vor­stel­lun­gen wer­den es bis Ende Juni sein. Und dann besteht die gro­ße Hoff­nung auf eine „nor­ma­le” Sai­son ab Herbst.

Die­se star­tet man mit einer Fuß­ball­ope­ret­te am 11. Sep­tem­ber: Paul Abra­hams „Roxy und ihr Wun­der­team” (Regie führt erst­mals am Haus Andre­as Ger­gen, am Pult steht Kai Tiet­je) sei natür­lich eine Refe­renz auf die mor­gen star­ten­de Fuß­ball­eu­ro­pa­meis­ter­schaft. Zwei Neu­pro­duk­tio­nen gibt es im Musi­cal­sek­tor: Kurt Weills „Lady in the Dark” (Pre­mie­re: 4.12.), das von Mat­thi­as Davids insze­niert wird, sowie „La Cage aux Fol­les” von Jer­ry Her­man (Pre­mie­re: 20.3.2022, Regie: Melis­sa King). In den Haupt­rol­len sind hier Drew Sarich und Vik­tor Ger­not zu erleben.

Auf nicht weni­ger als fünf Pre­mie­ren dür­fen sich Opern­lieb­ha­ber freu­en: Von einem neu­en „Rosen­ka­va­lier”, den Josef Ernst Köp­p­lin­ger in Sze­ne set­zen wird (Pre­mie­re: 31.10.), über Mus­sorgskis coro­nabe­dingt bereits zwei­mal ver­scho­be­nes Werk „Boris Godunow” (Pre­mie­re: 15.1.2022), bei dem Peter Kon­wit­sch­ny Regie führt, bis zu „Klei­der machen Leu­te” (Pre­mie­re: 27.3.2022) von Alex­an­der Zem­lin­sky in einer kon­zer­tan­ten Fas­sung reicht die Aus­wahl. Ergänzt wird die­se von der eben­falls ver­scho­be­nen Brit­ten-Oper „Der Tod in Vene­dig” (Pre­mie­re: 14.5.2022, Regie: David McVi­car) sowie dem mitt­ler­wei­le tra­di­tio­nel­len Aus­flug ins Kasi­no am Schwar­zen­berg­platz, wo Tod Macho­vers „Schoe­n­berg in Hol­ly­wood” ab 9. April 2022 als euro­päi­sche Erst­auf­füh­rung zu sehen sein wird. Für die Insze­nie­rung zeich­net Helen Mal­kow­sky verantwortlich.

Nicht feh­len dür­fen auch die Zusam­men­ar­bei­ten mit dem Staats­bal­lett. Des­sen Direk­tor Mar­tin Schläp­fer freu­te sich, „zum ers­ten Mal hier sit­zen zu dür­fen”. Er beginnt am 30. Sep­tem­ber mit der eige­nen Arbeit „Ein Deut­sches Requi­em”, die kei­nes­wegs trist sei, „son­dern im Gegen­teil kraft­voll und sehr auf die Zustän­de von uns allen bezo­gen”. Am 2. Febru­ar 2022 folgt das Tri­pel „Begeg­nun­gen”, bei dem auch Cho­reo­gra­fien von Ale­xei Rat­man­sky und And­rey Kay­d­a­novs­kiy zu erle­ben sind. Den Abschluss bil­det als letz­te Pre­mie­re der Ära Mey­er „Kon­tra­punk­te” (ab 4.6.2022) mit Arbei­ten von Anne Tere­sa De Keers­maeker, Mer­ce Cun­ning­ham und Hans van Manen. „Mir ist es ein Anlie­gen, dass Ver­bin­dun­gen und Wege gepflegt wer­den”, beton­te Schläp­fer den Kon­takt zwi­schen Volks- und Staats­oper, aber auch die Ver­net­zung in der Stadt generell.

Kom­plet­tiert wird das Pro­gramm 2021/22 von drei Wie­der­auf­nah­men sowie 18 Reper­toire­stü­cken. Auf die Ange­bo­te spe­zi­ell für Kin­der und Jugend­li­che ver­wies auch der kauf­män­ni­sche Direk­tor Chris­toph Lad­stät­ter. Bei bis dato rund vier Mio. Besu­chern in der Direk­ti­on Mey­er sei­en 460.000 Kin­der- und Schü­ler­kar­ten ver­kauft wor­den, bis zum Som­mer nächs­ten Jah­res wer­de man die hal­be Mil­li­on erreicht haben. „Kin­der sind bei uns nicht das Publi­kum von mor­gen, son­dern von heu­te”, so Ladstätter.

Gleich­zei­tig ver­wies er auf die schwie­ri­gen ver­gan­ge­nen Mona­ten, die aber nicht zuletzt auf­grund des „Fall­schirm­sys­tems der Repu­blik” gut über­stan­den wur­den. „Wie wie­der­um das nächs­te Jahr wird, ist schwie­rig zu sagen. Aber wir wol­len spie­len und haben ein inten­si­ves und schö­nes Pro­gramm. Wir hof­fen auf den Zuspruch des Publi­kums, aber das wird sich ent­wi­ckeln müs­sen.” Im Mai, den man bekannt­lich nur mit 50-pro­zen­ti­ger Kapa­zi­tät bestrei­ten konn­te, gab es eine Aus­las­tung von 68 Prozent.

Gefragt nach sei­nen Vor­ha­ben für die Zukunft, ließ sich Mey­er wie­der­um nicht viel ent­lo­cken. „Künst­le­ri­sche Plä­ne habe ich noch nicht. Ein paar Kol­le­gen haben mich schon gefragt: Was machst du ab Herbst 2022? Ich wer­de auf alle Fäl­le der Büh­ne nicht abhan­den­kom­men”, so der 67-Jäh­ri­ge. Er freue sich aber auch auf eine Zeit, in der er sich ein­fach ins Auto set­zen und nach Tri­est auf einen Kaf­fee fah­ren kön­ne. „Ich muss den Rol­len nicht nachhecheln.”

Ob Mey­er der Volks­oper künst­le­risch ver­bun­den blei­be, dar­über habe er mit sei­ner desi­gnier­ten Nach­fol­ge­rin Lot­te de Beer noch nicht gespro­chen. „Auf jeden Fall blei­be ich ihr als Zuschau­er ver­bun­den.” Was die Über­ga­be betrifft, so gebe es immer wie­der Tref­fen und Gesprä­che, wenn de Beer in Wien ist. Über kol­por­tier­ten Unmut im Ensem­ble auf­grund mög­li­cher Wech­sel woll­te Mey­er jeden­falls kein Wort ver­lie­ren: „Ich wer­de mich sicher nicht in die Per­so­nal­po­li­tik von Lot­te de Beer ein­mi­schen. Das wird ihre neue Direk­ti­ons­zeit sein.”

(S E R V I C E – )