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news/APA/Mittwoch, 13.10.21, 23:30:02

Meh­re­re Tote nach Atta­cken mit Pfeil und Bogen in Norwegen

Bei einer Gewalt­tat im süd­nor­we­gi­schen Kong­s­berg sind fünf Men­schen getö­tet und zwei wei­te­re ver­letzt wor­den. Das teil­te die nor­we­gi­sche Poli­zei am spä­ten Mitt­woch­abend mit. Der mut­maß­li­che Ein­zel­tä­ter sei gefasst wor­den. Die Tat ereig­ne­te sich dem­nach gegen 18.15 Uhr im Zen­trum der Stadt Kong­s­berg, rund 80 Kilo­me­ter süd­west­lich der Haupt­stadt Oslo. Der Täter sei mit Pfeil und Bogen bewaff­net gewe­sen – ob er auch ande­re Waf­fen bei sich trug, blieb bis zur Nacht offen.
APA/APA/AFP/NTB/HAKON MOS­VOLD LARSEN

Man gehe von einem Ein­zel­tä­ter aus. Nach wei­te­ren Tätern wer­de nicht gesucht. Die Lage sei unter Kon­trol­le. Die Poli­zei kön­ne lei­der bestä­ti­gen, dass es meh­re­re Ver­letz­te und auch Tote gege­ben habe, sag­te der zustän­di­ge Poli­zei­chef Øyvind Aas. Die Ver­letz­ten sei­en ins Kran­ken­haus gebracht worden.

Die Angrif­fe ereig­ne­ten sich nach Anga­ben der Poli­zei an meh­re­ren Orten in der Stadt. Das Zen­trum wur­de weit­räu­mig abge­rie­gelt. Der Poli­zei sei um 18.13 Uhr von meh­re­ren Per­so­nen gemel­det wor­den, dass sich ein Bewaff­ne­ter durch die Stadt bewe­ge und mit Pfeil und Bogen auf Men­schen schie­ße, sag­te Aas. Die Tat habe sich an meh­re­ren Orten im Zen­trum von Kong­s­berg ereig­net. Meh­re­re Medi­en berich­te­ten von einem Super­markt als einem Ort des Geschehens.

Die Hin­ter­grün­de der Tat blie­ben zunächst unklar. Es sei noch zu früh, um zu sagen, ob es einen ter­ro­ris­ti­schen Hin­ter­grund geben könn­te. Vie­le Fra­gen kön­ne er noch nicht beant­wor­ten, beton­te Aas.

Eine Ein­woh­ne­rin von Kong­s­berg sag­te der Nach­rich­ten­agen­tur NTB, sie habe gehört, wie der Alarm in einem Super­markt los­ge­gan­gen sei. Dabei habe sie sich nicht viel gedacht. Dann jedoch habe sie auch Poli­zei­au­tos und Ret­tungs­wa­gen gehört. Die Poli­zei habe am Abend mit Taschen­lam­pen Gara­gen und Hin­ter­hö­fe im Stadt­zen­trum abgesucht.

Nor­we­gens schei­den­de Minis­ter­prä­si­den­tin Erna Sol­berg hat den Betrof­fe­nen der Gewalt­tat ihre Anteil­nah­me aus­ge­drückt. „Unse­re Gedan­ken gehen zual­ler­erst an die Betrof­fe­nen und ihre Ange­hö­ri­gen”, sag­te Sol­berg am spä­ten Mitt­woch­abend auf einer kurz­fris­tig ein­be­ru­fe­nen Pres­se­kon­fe­renz in Oslo. Sie wird am Don­ners­tag nach ihrer Wahl­nie­der­la­ge vor einem Monat von dem Sozi­al­de­mo­kra­ten Jonas Gahr Stø­re an der Regie­rungs­spit­ze abge­löst. Aus­wir­kun­gen auf den Regie­rungs­wech­sel habe die Tat nicht, sag­te Solberg.

„Die Mel­dun­gen, die heu­te Abend aus Kong­s­berg kom­men, sind grau­en­voll”, sag­te Sol­berg. „Der Täter hat furcht­ba­re Hand­lun­gen gegen meh­re­re Men­schen began­gen. Das ist eine sehr dra­ma­ti­sche Situa­ti­on, die die Gemein­schaft in Kong­s­berg hart trifft.” Es sei wich­tig, zu unter­strei­chen, dass man noch nichts Genaue­res zu dem Vor­fall wisse.

„Das ist eine Tra­gö­die für alle Betrof­fe­nen. Mir feh­len die Wor­te”, sag­te Kong­s­bergs Bür­ger­meis­te­rin Kari Anne Sand der nor­we­gi­schen Zei­tung „Ver­dens Gang”. Auch Jus­tiz­mi­nis­te­rin Moni­ca Mæland woll­te sich äußern.

Wegen des Vor­falls wur­de die Poli­zei vor­über­ge­hend bewaff­net, wie das Poli­zei­di­rek­to­rat am spä­ten Abend mit­teil­te. Es hand­le sich um eine Bereit­schafts­maß­nah­me – vor­läu­fig gebe es kei­ne Hin­wei­se für eine Ände­rung der Bedro­hungs­la­ge im Land. Auch der nor­we­gi­sche Geheim­dienst PST wur­de über den Vor­fall in Kennt­nis gesetzt.

Der Vor­fall weckt schlim­me Erin­ne­run­gen: Vor zehn Jah­ren erleb­te Nor­we­gen den schwers­ten Ter­ror­an­schlag sei­ner moder­nen Geschich­te. Am 22. Juli 2011 zün­de­te der Rechts­ter­ro­rist Anders Beh­ring Brei­vik zunächst im Oslo­er Regie­rungs­vier­tel eine in einem wei­ßen Trans­por­ter ver­steck­te Bom­be und töte­te dabei acht Menschen.

Danach fuhr er zur etwa 30 Kilo­me­ter ent­fern­ten Insel Utøya, wo er sich als Poli­zist aus­gab und das Feu­er auf die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer des jähr­li­chen Som­mer­la­gers der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Arbei­ter­par­tei eröffnete.

69 Men­schen, vor allem Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne, kamen auf Utøya ums Leben. Brei­vik nann­te rechts­ex­tre­me und islam­feind­li­che Moti­ve für sei­ne Taten. Er wur­de im August 2012 zu der dama­li­gen Höchst­stra­fe von 21 Jah­ren mit einer Min­dest­haft­zeit von zehn Jah­ren verurteilt.