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news/APA/Donnerstag, 08.04.21, 12:39:34

MAN Steyr: Wolf bedau­ert abschlä­gi­ges Votum

Inves­tor Sieg­fried Wolf hat das abschlä­gi­ge Votum der MAN-Mit­ar­bei­ter in einer Stel­lung­nah­me gegen­über der APA bedau­ert. Aber er müs­se das Ergeb­nis zur Kennt­nis neh­men. Der Ex-Magna-Chef hat­te das Werk über­neh­men, aber nur einen Teil der Beleg­schaft behal­ten wol­len. Die Mit­ar­bei­ter spra­chen sich in einer Urab­stim­mung mit knapp 64 Pro­zent gegen die­se Plä­ne aus, die Zen­tra­le will das Werk, wo inklu­si­ve Leih­per­so­nal rund 2.300 Leu­te beschäf­tigt sind, nun schließen.
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„Ich kann die­ses Votum heu­te nur mit gro­ßem Bedau­ern zur Kennt­nis neh­men”, so Wolf. „Mein Team und ich haben unglaub­lich viel Herz­blut in die­ses Pro­jekt inves­tiert, weil ich über­zeugt davon bin, dass mit die­sem Poten­zi­al an Know-how in der Fahr­zeug­pro­duk­ti­on an die­sem Stand­ort unter der Mar­ke Steyr etwas Neu­es, Gro­ßes ent­ste­hen hät­te kön­nen.” Lei­der sei es ihm nicht gelun­gen, genü­gend Auf­klä­rungs- und Über­zeu­gungs­ar­beit zu leis­ten, um Miss­in­ter­pre­ta­tio­nen und Fehl­in­for­ma­tio­nen ent­kräf­ten zu kön­nen. „Dabei kann ich den Zorn vie­ler nur zu gut ver­ste­hen. Aber auch ich konn­te das Rad der Zeit nicht zurück­dre­hen, son­dern nur ein soli­des, durch­dach­tes Kon­zept für die Zukunft ent­wi­ckeln”, heißt es in der Erklä­rung. Wolf hat­te stets betont, eine Zukunft „mit den Mit­ar­bei­tern” anzupeilen.

„Mein Team und ich haben uns in den letz­ten Mona­ten voll und ganz auf die­ses Kon­zept kon­zen­triert. Wir haben an neu­en Pro­duk­ten getüf­telt und detail­lier­te wirt­schaft­li­che Über­le­gun­gen ent­wi­ckelt, unter wel­chen Bedin­gun­gen wir neue kon­kur­renz­fä­hi­ge Fahr­zeu­ge auf den Welt­markt brin­gen kön­nen. Wir müs­sen nun die­ses Votum zur Kennt­nis neh­men.” Ob das nun einen end­gül­ti­gen Rück­zug bedeu­tet, blieb offen. Wolfs Plä­ne hät­ten vor­ge­se­hen, die Mar­ke Steyr wie­der­zu­be­le­ben. Die MAN-Zen­tra­le in Mün­chen ließ aller­dings wis­sen, dass man nun die Schlie­ßung anpeile.

„MAN nimmt jetzt als Kon­se­quenz die Plä­ne zur Schlie­ßung des Werks in Steyr wie­der auf”, ließ die Zen­tra­le in Mün­chen in einer Aus­sendung wis­sen, dass dies die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve zu dem Über­nah­me-Ange­bot von Wolf sei. MAN-Per­so­nal­vor­stand und Arbeits­di­rek­tor Mar­tin Rabe erklär­te: „Wir sind vom Ergeb­nis wirk­lich sehr ent­täuscht, da wir die ange­bo­te­ne Alter­na­ti­ve zur Schlie­ßung als einen für alle Betei­lig­ten sehr guten Weg ange­se­hen haben.” Offen­bar habe es inner­halb der Beleg­schaft noch zu wenig Trans­pa­renz über „das wirk­lich gute Kon­zept der WSA Betei­li­gungs GmbH” geben, bedau­er­te Rabe.

Die Beleg­schaft habe das Kon­zept klar abge­lehnt, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Betriebs­rats­vor­sit­zen­de Hel­mut Emler zur APA. Das Kon­zept von Wolf sei zwar „schlüs­sig, die Ein­schnit­te wären aber zu gra­vie­rend gewe­sen”. Dass MAN das Werk nun schlie­ßen will, ist für die Beleg­schafts­ver­tre­tung noch nicht geges­sen: „Als Betriebs­rat wer­den wir mor­gen begin­nen, mit MAN das Gespräch zu suchen”, so Emler. Die Schlie­ßung sei erst für 2023 vor­ge­se­hen, die Kunst­stoff­la­ckie­re­rei, wo rund 400 Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt sind, hät­te sogar bis 2027 wei­ter für MAN arbei­ten sol­len. Ziel sei eine Lösung wie in Deutsch­land, wo die ursprüng­li­chen Spar­plä­ne ent­schärft wor­den sind. Man sei auch ande­ren Inves­to­ren gegen­über offen, sag­te er auf das Kon­sor­ti­um rund um den Indus­tri­el­len Karl Egger (KeKe­lit) ange­spro­chen, das Inter­es­se gezeigt hat­te, aber von MAN nicht ernst­haft erwo­gen wor­den war.

Wolf woll­te das Werk über­neh­men, aber von der aktu­ell knapp 1.900 Per­so­nen zäh­len­den Stamm­be­leg­schaft rund 1.250 Leu­te behal­ten. Zudem hät­ten die Ver­blei­ben­den mit Gehalts­ein­bu­ßen rech­nen müs­sen. Daher wur­den die Mit­ar­bei­ter von ihrer Ver­tre­tung zur Urab­stim­mung gebe­ten. Von 2.356 stimm­be­rech­tig­ten MAN-Mit­ar­bei­tern und Lea­sing­kräf­ten haben 2.215 an dem Votum teil­ge­nom­men. 27 Stim­men waren ungül­tig, 2.188 gül­tig. Von den gül­ti­gen ent­fie­len 773 (34,9 Pro­zent) auf „Ja” und 1.415 (63,9 Pro­zent) auf „Nein”. Bei den Lea­sing­kräf­ten soll die Ableh­nung mit 71,4 Pro­zent höher gewe­sen sein als bei der Stamm­be­leg­schaft. Die Wahl­be­tei­li­gung lag bei ins­ge­samt 94 Pro­zent. Inves­tor Wolf hat­te sich „unge­teil­te Zustim­mung” gewünscht, aber zumin­dest zwei Drit­tel angepeilt.

„Demo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen – gera­de auch in wirt­schaft­li­chen Ange­le­gen­heit – sind nicht nur zu respek­tie­ren, viel­mehr muss die betrieb­li­che Mit­be­stim­mung aus­ge­baut wer­den”, reagier­te oö. SPÖ-Che­fin Lan­des­rä­tin Bir­git Gerstor­fer auf das Abstim­mungs­er­geb­nis Steyr. „Die Beleg­schaft in Steyr hat klar gemacht, was sie wol­le. Sie ste­he an „ihrer Sei­te”. Die Lan­des­rä­tin sieht jetzt vor allem Lan­des- und Bun­des­re­gie­rung gefor­dert. Alle Ver­ant­wort­li­chen soll­ten an einen Tisch geholt wer­den, „damit Steyr zu einem zen­tra­len Stand­ort für nach­hal­ti­ge, grü­ne Mobi­li­tät wird”.