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news/APA/Dienstag, 15.09.20, 15:12:48

Män­ner zie­hen Frau­en bei Pen­si­ons­hö­he wei­ter davon

Der Unter­schied in der Pen­si­ons­hö­he zwi­schen Frau­en und Män­nern ist heu­er wei­ter ange­stie­gen. Das zeigt eine Anfra­ge­be­ant­wor­tung von Sozi­al­mi­nis­ter Rudolf Anscho­ber (Grü­ne) an NEOS-Sozi­al­spre­cher Gerald Loacker. 2019 lag die Pen­si­ons­hö­he der Män­ner im Schnitt bei 1.769 Euro, jene der Frau­en bei 1.171 Euro. Ver­ant­wort­lich ist unter ande­rem ein Nach­zieh­ef­fekt bei der erwei­ter­ten Hack­ler­re­ge­lung.
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Das macht einen Gen­der-Gap von 51 Pro­zent. Im ers­ten Halb­jahr 2020 stieg die durch­schnitt­li­che Leis­tung der Män­ner auf 2.039 Euro, jene der Frau­en aber nur auf 1.219 Euro, womit der Unter­schied zwi­schen den Geschlech­tern schon 67 Pro­zent aus­macht. Auch die Zahl der Neu­zu­gän­ge in den Ruhe­stand ist heu­er nach oben geschnellt und auch das vor allem bei den Män­nern. Waren im Vor­jahr gesamt 46.311 Män­ner in Pen­si­on gegan­gen, waren es heu­er allei­ne im ers­ten Halb­jahr schon 28.312.

Dafür gibt es einen Haupt­grund, näm­lich die als „Wahl­zu­ckerl” ver­schrie­ne Aus­wei­tung der Lang­zeit­ver­si­che­rung, auch genannt Hack­ler­re­ge­lung. Die­se war gegen die Stim­men der NEOS kurz vor dem Urnen­gang 2019 beschlos­sen wor­den und brach­te mit sich, dass man mit 45 Bei­trags­jah­ren wie­der abschlags­frei in den Ruhe­stand tre­ten konn­te. Nicht weni­ge ange­hen­de Pen­sio­nis­ten gin­gen daher etwas spä­ter als geplant, näm­lich erst Anfang 2020 in Pen­si­on, um sich die Abschlä­ge, die bei einem frü­he­ren Antritt ange­fal­len wären, zu erspa­ren.

Die­se Hack­ler­pen­sio­nen haben ihren Preis. Nach Anga­ben der Pen­si­ons­ver­si­che­rungs­an­stalt PVA vom August sind die abschlags­frei zuer­kann­ten Pen­sio­nen im Schnitt um 305 Euro brut­to monat­lich höher als jene, die im ver­gan­ge­nen Jahr zuer­kannt wur­den.

Loacker ist jeden­falls empört. Die Aus­wir­kun­gen sei­en schlim­mer als befürch­tet. Nicht nur dass der Gen­der Pen­si­on Gap immer grö­ßer wer­de, müss­ten die nächs­ten Genera­tio­nen auch die immensen Kos­ten von län­ger­fris­tig knapp drei Mil­li­ar­den Euro jähr­lich stem­men.

Ein wesent­li­cher Grund für den Geschlech­ter­un­ter­schied bei Män­nern und Frau­en sei zudem das höhe­re gesetz­li­che Pen­si­ons­an­tritts­al­ter bei Män­nern von 65 im Ver­gleich zu noch 60 bei Frau­en. Beim Pen­si­ons­an­tritt könn­ten Män­ner so deut­lich mehr Ver­si­che­rungs­zei­ten vor­wei­sen als Frau­en. Laut Pen­si­ons­rech­ner wür­de sich der Unter­schied zwi­schen Frau­en- und Män­ner-Pen­sio­nen von 51 Pro­zent auf cir­ca 35 Pro­zent redu­zie­ren, wenn Frau­en erst mit dem Män­ner­pen­si­ons­an­tritts­al­ter in Pen­si­on gehen wür­den. Wenn Frau­en ähn­lich vie­le Ver­si­che­rungs­jah­re auf­wei­sen wür­den wie Män­ner, wäre der Gap zumin­dest bei etwa 15 bis 20 Pro­zent. Als poli­ti­sche Hand­lungs­an­lei­tung gibt Loacker das ver­pflich­ten­de Pen­si­ons­split­ting und einen Aus­bau der Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen mit.

Frei­lich rücken Frau­en mitt­ler­wei­le deut­lich näher an ihr gesetz­li­ches Pen­si­ons­al­ter her­an als die Män­ner. Frau­en gin­gen im Vor­jahr im Schnitt näm­lich mit 59,5 Jah­ren in Ren­te, Män­ner mit 61,3, also fast vier Jah­re vor dem 65. Geburts­tag.

Frau­en­mi­nis­te­rin Susan­ne Raab (ÖVP) sieht in der Erhö­hung des Pen­si­on Gen­der Gaps ein Argu­ment für die Umset­zung des auto­ma­ti­schen Pen­si­ons­split­ting, da die­ses dem Kampf gegen die Alters­ar­mut die­ne. Sie wer­de sich wei­ter stark dafür ein­set­zen, dass die­ses Vor­ha­ben so rasch wie mög­lich umge­setzt wer­de.

ÖGB und SPÖ lau­fen gegen das ver­pflich­ten­de Pen­si­ons­split­ting hin­ge­gen Sturm. Dass Män­ner und Frau­en wäh­rend der Karenz die Bei­trä­ge tei­len, wür­de für ÖGB-Vize­prä­si­den­tin Korin­na Schu­mann bedeu­ten, dass die Frau­en- und Fami­li­en­po­li­tik um Jahr­zehn­te zurück­ge­wor­fen wür­de. Mög­li­che Effek­te sei­en bes­ten­falls in eini­gen Jahr­zehn­ten spür­bar. Statt­des­sen emp­fiehlt sie unter ande­rem eine fai­re Anrech­nung von Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten.