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news/APA/Sonntag, 26.07.20, 08:00:58

Kul­tur-Still­stand: Hei­mi­sche Muse­en „noch recht intakt”

In den ver­gan­ge­nen Tagen gab es inter­na­tio­nal besorg­nis­er­re­gen­de Nach­rich­ten aus dem Muse­ums­be­reich: So ist laut einer Umfra­ge jedes drit­te US-Muse­um Coro­na bedingt von einer dau­er­haf­ten Schlie­ßung gefähr­det, in den Nie­der­lan­den fürch­ten 100 Häu­ser das Aus. In Öster­reich ist die Lage (noch) nicht so pre­kär, wie eine APA-Anfra­ge beim Muse­ums­bund Öster­reich zeigt.
APA/GEORG HOCH­MUTH

Dem­nach hat die Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on NEMO (Net­work of Euro­pean Muse­um Orga­ni­sa­ti­ons) im April eine Befra­gung der euro­päi­schen Muse­en durch­ge­führt. In Öster­reich haben sich 16 Pro­zent der rund 800 regis­trier­ten Muse­en dar­an betei­ligt. Bereits damals zeig­te sich der Schock­zu­stand: 17,6 Pro­zent der teil­neh­men­den Muse­en mach­ten sich auf lan­ge Sicht Sor­gen um den Fort­be­stand ihres Muse­ums. „Das Stim­mungs­bild aus dem April ist wahr­schein­lich gene­rell noch immer rich­tig: Vie­le Insti­tu­tio­nen fürch­ten um ihren Fort­be­stand”, glaubt Muse­ums­bund-Prä­si­dent Wolf­gang Muchitsch, der betont, dass aktu­ell aber kei­ne Infor­ma­tio­nen über eine Muse­ums­schlie­ßun­gen vor­lie­gen.

Mit­tel­fris­tig kön­ne man die­se aller­dings nicht aus­schlie­ßen, da in die­sem Jahr zahl­rei­che Besuchs­grup­pen – von Schul­klas­sen über Tou­ris­ten bis hin zu Betriebs­aus­flü­gen – coro­nabe­dingt aus­fal­len. „Aktu­ell kann nie­mand sagen, wann ein regu­lä­rer Besuch die­ser Grup­pen wie­der ein­set­zen wird. Vor allem die Pro­gno­sen im Zusam­men­hang mit dem inter­na­tio­na­len Tou­ris­mus sind sehr besorg­nis­er­re­gend”, so Muchitsch.

Durch die ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung und Initia­ti­ven der Bun­des­län­der sei jedoch zu hof­fen, dass für das lau­fen­de Jahr ein Groß­teil des ent­stan­de­nen Scha­dens aus­ge­gli­chen wird. Äußerst unge­wiss sei, wie sich die öffent­li­chen Haus­hal­te und damit ver­bun­den die öffent­li­chen Zuschüs­se und För­de­run­gen mit­tel- und lang­fris­tig ent­wi­ckeln wür­den. „Vie­le Muse­en befürch­ten das Aus­blei­ben öffent­li­cher För­der­gel­dern in den kom­men­den Jah­ren, aber auch von Spon­so­ring und pri­va­ter Unter­stüt­zung”. Der durch­schnitt­li­che Eigen­de­ckungs­grad der öster­rei­chi­schen Muse­en liegt bei 40 Pro­zent, was im All­ge­mei­nen recht hoch sei.

Von der Besu­cher­struk­tur her kom­men laut Muse­ums­bund rund 60 Pro­zent nicht aus der Regi­on und sind daher als Kul­tur­tou­ris­ten zu sehen. Aktu­ell hät­ten also jene Muse­en einen Vor­teil, denen es gelun­gen ist, sich ein regio­na­les Stamm­pu­bli­kum auf­zu­bau­en und deren Besu­cher sich aus dem direk­ten Umfeld spei­sen, näm­lich Regio­nal- und Lan­des­mu­se­en. Aber auch vie­le Muse­en, die als klas­si­sche Aus­flugs­zie­le gel­ten, mel­den gute Zah­len, die annä­hernd mit dem Vor­jahr zu ver­glei­chen sind. Muchitschs Fazit: „Zur­zeit ist die öster­rei­chi­sche Muse­ums­land­schaft also noch recht intakt, aber ent­schei­dend für vie­le Insti­tu­tio­nen wer­den die kom­men­den zwei bis drei Jah­re wer­den.”