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news/APA/Sonntag, 19.06.22, 22:32:23

Kraft­werk Mel­lach soll im Not­fall wie­der Koh­le verbrennen

Das der­zeit still­ge­leg­te Fern­heiz­kraft­werk Mel­lach in der Stei­er­mark soll so umge­rüs­tet wer­den, dass dort im Not­fall wie­der aus Koh­le Strom und Wär­me erzeugt wer­den kön­nen. Das sag­te Ener­gie­mi­nis­te­rin Leo­no­re Gewess­ler (Grü­ne) in der „ZiB 2 am Sonn­tag” nach einem „klei­nen Kri­sen­ka­bi­nett”, bei dem sie mit Bun­des­kanz­ler Karl Neham­mer (ÖVP), Wirt­schafts­mi­nis­ter Mar­tin Kocher (ÖVP) und Exper­ten über die Siche­rung der Ener­gie­ver­sor­gung bera­ten hat.
APA/APA/AFP/ADEK BER­RY

Das Fern­heiz­kraft­werk Mel­lach süd­lich von Graz war das letz­te Koh­le­kraft­werk Öster­reichs. Im Früh­jahr 2020 wur­de dort zum letz­ten Mal aus Koh­le Strom erzeugt. Nun soll es wie­der umge­rüs­tet wer­den, damit es im Not­fall, wenn zu wenig Gas zur Ver­fü­gung steht, wie­der Koh­le ver­bren­nen kann. Das habe die Bun­des­re­gie­rung mit dem Ver­bund-Kon­zern ver­ein­bart, teil­te das Bun­des­kanz­ler­amt mit. Die Umrüs­tung wer­de Mona­te dau­ern, sag­te Gewess­ler, der Ver­bund-Kon­zern arbei­te mit Hoch­druck daran.

Ziel sei es, die Abhän­gig­keit von Russ­land zu ver­rin­gern um nicht erpress­bar zu sein, sag­te die Minis­te­rin. „Das wird für Öster­reich Jah­re dauern.”

Am Sonn­tag­vor­mit­tag hat­te die OMV gemel­det, dass aus Russ­land wie schon in den Tagen zuvor neu­er­lich etwa um die Hälf­te weni­ger Gas nach Öster­reich gelie­fert wur­de als üblich. Die Nach­fra­ge nach Gas sei der­zeit aber eher gering, feh­len­de Men­gen könn­ten gut durch Zukäu­fe auf dem Spot­markt ersetzt wer­den, erklär­te die OMV. Die Gas­ver­sor­gung sei sicher­ge­stellt, die OMV-Gas­spei­cher in Öster­reich mit einer Gesamt­ka­pa­zi­tät von 25.289 GWh sei­en bereits jetzt zu 64 Pro­zent befüllt.

Das Kli­ma­schutz­mi­nis­te­ri­um beton­te, dass Öster­reich bereits Mit­te Juni 39 Pro­zent sei­nes Jah­res­ver­brauchs in Gas­spei­chern ein­ge­spei­chert habe. Damit lie­ge Öster­reich bei der Bevor­ra­tung an zwei­ter Stel­le in der EU. Die Spei­cher­ka­pa­zi­tät von rund 95 Tera­watt­stun­den (TWh) ent­spre­che dem Bedarf eines gan­zen Jah­res, damit ver­fü­ge Öster­reich über eine der höchs­ten Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten in der EU. In den Som­mer­mo­na­ten lie­ge der Gas­be­darf in Öster­reich bei rund 4 bis 6 Tera­watt­stun­den, in Win­ter­mo­na­ten bei 10 bis 12 Tera­watt­stun­den. Ziel ist es, bis zum 1. Novem­ber 2022 die Spei­cher zu 80 Pro­zent gefüllt zu haben.

Der­zeit lagert in den Gas­spei­chern auf öster­rei­chi­schem Gebiet Gas mit einem Ener­gie­ge­halt von mehr als 38 TWh – ohne den Spei­cher Hai­dach, der nur an das deut­sche Gas­netz ange­schlos­sen ist, sind es mehr als 33 TWh.

Kri­tik aus der Wirt­schafts­kam­mer, dass es noch kei­ne Not­fall­plä­ne für den Fall eines Gas­lie­fer­stopps gebe, wies Gewess­ler zurück. Es gebe sehr wohl Kri­te­ri­en für Ener­gie­len­kungs­maß­nah­men. Man kön­ne aber die Lis­ten der betrof­fe­nen Unter­neh­men nicht ver­öf­fent­li­chen. „Das sind bör­se­no­tier­te Unter­neh­men. Ich kann jetzt hier im TV und in der Öffent­lich­keit kei­ne Namen die­ser Unter­neh­men nen­nen, das wür­de unmit­tel­bar zu Aus­wir­kun­gen auf den Bör­sen­kurs führen.”

Für die Ein­füh­rung der ver­scho­be­nen CO2-Beprei­sung im Okto­ber sei­en alle Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen wor­den, sag­te die Ministerin.