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news/APA/Sonntag, 18.07.21, 09:07:39

Kei­ne Ent­war­nung bei Hoch­was­ser in Salzburg

Nach­dem eine Stark­re­gen­front in wei­ten Tei­len des Lan­des Salz­burg in der Nacht auf Sonn­tag für Hoch­was­ser und Erd­rut­sche gesorgt hat, konn­te das Land Salz­burg am Sonn­tag­mor­gen noch kei­ne Ent­war­nung geben. Der Zivil­schutz­alarm in der Stadt Hal­lein, wo am Sams­tag die Alt­stadt über­flu­tet wur­de, blieb auf­recht. Es wer­den wei­te­re star­ke Regen­fäl­le erwar­tet. Damit ver­bun­den kann es auch zu wei­te­ren Über­flu­tun­gen kom­men, hieß es in einer Aus­sendung des Landes.
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Am Sonn­tag­mor­gen lagen den Behör­den noch kei­ne Mel­dun­gen über ver­letz­te oder ver­miss­te Per­so­nen vor, berich­te­te das Land Salz­burg in einer Aus­sendung. Der Kata­stro­phen­schutz der Bezir­ke stimm­te sich mit den Ein­satz­kräf­ten ab und ver­schaff­te sich einen Über­blick über die Gesamt­la­ge. Lan­des­weit waren seit Sams­tag­abend 2.265 Per­so­nen von 60 Feu­er­weh­ren an 669 Stel­len im Einsatz.

In Hal­lein ver­wan­del­te sich am Sams­tag der Koth­bach in einen rei­ßen­den Fluss durch die Ten­nen­gau­er Bezirks­haupt­stadt. Ein abge­stell­ter Pkw wur­de mit­ge­ris­sen, das Was­ser drang in meh­re­re Gebäu­de ein. Für Bewoh­ner, die zunächst nicht in ihre Häu­ser konn­ten, wur­de ein Not­quar­tier ein­ge­rich­tet. Wie hoch die Schä­den in der Alt­stadt sind, ist momen­tan noch nicht abschätzbar.

In Kuchl eva­ku­ier­ten die Ein­satz­kräf­te nach einem Muren­ab­gang drei Häu­ser. In Hal­lein und Mit­ter­sill wur­de Zivil­schutz­alarm aus­ge­löst. Die Bevöl­ke­rung wur­de auf­ge­for­dert, in den Häu­sern zu blei­ben, Tief­ga­ra­gen und Kel­ler nicht zu betre­ten und sich auch von den Däm­men der Fließ­ge­wäs­ser fernzuhalten.

In Mit­ter­sill im Salz­bur­ger Pinz­gau muss­te die Hub­brü­cke ange­ho­ben wer­den. Bereits am Nach­mit­tag über­schritt die Salz­ach die Warn­gren­ze. In Lofer wur­de ein Cam­ping­platz vor­sorg­lich eva­ku­iert und die Per­so­nen, die in einem Zelt über­nach­te­ten in ein Not­quar­tier in der Mit­tel­schu­le Lofer gebracht. In Neu­kir­chen am Groß­ve­ne­di­ger (Bezirk Zell am See) muss­ten in der Wie­sen­sied­lung die Bewoh­ner in den obe­ren Stock­wer­ken bleiben.

Laut Kata­stro­phen­schutz und dem Hydro­gra­phi­schen Dienst des Lan­des Salz­burg wird der Regen noch bis min­des­tens Sonn­tag­mit­tag anhal­ten, erst am Abend wird mit einer Ent­span­nung der Lage gerech­net. Bis dahin wird die Bevöl­ke­rung gebe­ten, unnö­ti­ge Fahr­ten und Spa­zier­gän­ge zu ver­mei­den. Was­ser­ab­läu­fe soll­ten frei­ge­hal­ten, Kel­ler­schäch­te abge­deckt und die Pegel­stän­de im Auge behal­ten wer­den. Die Bevöl­ke­rung soll zudem die Hin­wei­se und War­nun­gen der Behör­den befolgen.

Auf­grund der aktu­el­len Hoch­was­ser­si­tua­ti­on im Bun­des­land Salz­burg hat die ÖBB zwei Stre­cken­ab­schnit­te gesperrt. Zwi­schen Gol­ling und Wer­fen sowie zwi­schen Schwarz­ach Sankt Veit und Saal­fel­den gibt es der­zeit kei­nen Zug­ver­kehr. Die Gleis­an­la­gen ste­hen teil­wei­se unter Was­ser, berich­te­ten die ÖBB in einer Aus­sendung. Die Pinz­gau­er Lokal­bahn ver­kehrt momen­tan nur zwi­schen Zell am See und Pie­sen­dorf. Wei­ter nach Krimml wur­de ein Schie­nen­er­satz­ver­kehr ein­ge­rich­tet. Auch auf den ÖBB-Stre­cken wur­de ein Schie­nen­er­satz­ver­kehr mit Bus­sen ein­ge­rich­tet. Erst nach dem Absin­ken der Pegel kön­nen die Abschnit­te auf Schä­den über­prüft wer­den. Des­halb könn­ten über die Dau­er der Stre­cken­un­ter­bre­chung noch kei­ne Anga­ben gemacht wer­den, hieß es.

Auch im benach­bar­ten Berch­tes­gar­de­ner Land in Bay­ern hat der sint­flut­ar­ti­gem Regen schwe­re Schä­den ver­ur­sacht. Medi­en­be­rich­ten zufol­ge kam dabei zumin­dest eine Per­son ums Leben.

In Tirol for­der­te der star­ke Regen in der Nacht auf Sonn­tag die Ein­satz­kräf­te wei­ter­hin stark. Meh­re­re Muren­ab­gän­ge, über­flu­te­te Kel­ler und Tief­ga­ra­gen waren die Fol­ge der hef­ti­gen Nie­der­schlä­ge. Es gab kei­ne Ver­letz­ten. Der Zivil­schutz­alarm für die Stadt Kuf­stein wur­de in der Früh auf­ge­ho­ben, berich­te­te das Land. In den beson­ders betrof­fe­nen Gebie­ten im Unter­land haben die Nie­der­schlags­men­gen von 70 bis 120 Mil­li­me­ter mit Spit­zen bis zu 170 Mil­li­me­ter zu einer Hoch­was­ser­ent­wick­lung mit Schei­teln über eines 30-jähr­li­chen Hoch­was­sers geführt. Eine Ent­span­nung ist laut ZAMG erst Sonn­tag­nach­mit­tag zu erwar­ten, für den Sonn­tag wur­de wei­te­re Regen­men­gen von bis zu 40 Mil­li­me­ter pro­gnos­ti­ziert. Die Bevöl­ke­rung ist daher wei­ter auf­ge­ru­fen, ihre Häu­ser nicht zu verlassen. 

Der Ort Kelch­sau (Bezirk Kitz­bü­hel) war in der Früh zudem wegen einer Mure abge­schnit­ten. Gegen Mit­ter­nacht wur­de die Kelch­sau­er Lan­des­stra­ße zum Teil von der Kelch­sau­er Ache weg­ge­ris­sen und ist seit­dem nicht mehr pas­sier­bar. Meh­re­re Bäche waren über­ge­tre­ten. Seit 01.00 Uhr kann auch der zwei­te Weg nach Kelch­sau wegen einer unter­spül­ten Brü­cke nicht mehr befah­ren wer­den, berich­te­te die Poli­zei in der Früh. Weil in dem Ort am Abend ein Fest statt­fand, waren somit rund 80 Men­schen, die nicht in Kelch­sau woh­nen, eingeschlossen.

In Söll muss­ten 16 Per­so­nen im Bereich Ried aus Vor­sicht eva­ku­iert wer­den, da der Bereich von einem Hang­rutsch bedroht ist, infor­mier­te das Land Tirol. Die Per­so­nen befin­den sich der­zeit in einem Hotel und wer­den durch die Ret­tung ver­sorgt, da die Gebäu­de nach wie vor nicht betre­ten wer­den können.

Auch die Bri­xen­ta­ler Bun­des­stra­ße in Westendorf (Bezirk Kitz­bü­hel) wur­de über­flu­tet, betrof­fen war die Bahn­un­ter­füh­rung. Ein Bach trat über die Ufer, wor­auf­hin Was­ser und Schlamm über eine Wie­se zur Bun­des­stra­ße flos­sen. Die­se war wäh­rend der Nacht eini­ge Stun­den gesperrt. In Itter (Bezirk Kitz­bü­hel) kam es eben­falls zu einer Über­flu­tung – der Grün­holz­bach trat über die Böschung. Auf­grund des hohen Was­ser­stan­des der Bri­xen­ta­ler Ache in Itter wur­de der süd­li­che Teil des Cam­ping­plat­zes im Ort eva­ku­iert und gesperrt. Eben­so eva­ku­iert wur­de ein Cam­ping­platz in Mau­rach am Achen­see (Bezirk Schwaz). Gegen 02.00 Uhr ereig­ne­te sich ein Muren­ab­gang auf die Achen­see Bun­des­stra­ße. Die­se wur­de anschlie­ßend gesperrt.

Die Leit­stel­le Tirol ver­zeich­ne­te von Sams­tag­abend bis Sonn­tag­früh in Kuf­stein 194 und im Bezirk Kitz­bü­hel 97 Feu­er­wehr­ein­sät­ze. Allei­ne in der Bezirks­haupt­stadt muss­ten die Feu­er­weh­ren bis 24.00 Uhr rund 100 Mal aus­rü­cken. Was­ser gelang­te in die Innen­stadt, weil Zulauf­bä­che des Inn über die Ufer tra­ten. Laut Lan­des­feu­er­wehr­inspek­ti­on wur­den zwei Kata­stro­phen­zü­ge ange­for­dert, Hil­fe kom­me zudem aus Bayern.

Auf­grund von Ver­mu­rungs-Gefahr wur­de Sams­tag­abend die Fel­ber­tau­ern­stra­ße zwi­schen der Maut­stel­le und Hin­ter­burg gesperrt. Die Dau­er der Sper­re ist der­zeit unbe­kannt. Nicht befahr­bar sind außer­dem die See­fel­der Stra­ße (B 177), die Eiberg­bun­des­stra­ße (B 173) und die Ger­los­stra­ße in Rich­tung Ger­lo­s­pass (B 165). Eini­ge Zug­ver­bin­dun­gen im Tiro­ler Unter­land – wie jene ins Bri­xen­tal – sind laut ÖBB auf­grund der Wit­te­rung unter­bro­chen. Fahr­gäs­te sol­len sich vor Fahrt­an­tritt jeden­falls informieren. 

„Glück­li­cher­wei­se sind kei­ne Per­so­nen zu Scha­den gekom­men. Die Auf­räum­ar­bei­ten wer­den in den Mor­gen­stun­den star­ten, je nach­dem wie die Lage sich ent­wi­ckelt”, sag­ten Lan­des­haupt­mann Gün­ther Plat­ter (ÖVP) und Bezirks­haupt­mann Chris­toph Platz­gum­mer. Sie bedank­ten sich bei den Ein­satz­or­ga­ni­sa­tio­nen für ihr schnel­les Handeln.