news/APA/Freitag, 03.07.20, 10:22:24

Kaba­ret­tis­tin Lore Krai­ner gestor­ben

Für ihre Chan­sons „mit Senf” wur­de sie zum Publi­kums­lieb­ling, für den sati­ri­schen Ö1-„Guglhupf”, der jeden Sonn­tag ser­viert wur­de, war sie über drei Jahr­zehn­te die prä­gen­de „Rosi­ne”: Die Sän­ge­rin und Kom­po­nis­tin Lore Krai­ner, Gran­de Dame in der Män­ner­do­mä­ne des Wie­ner Kaba­retts und legen­där für ihre gewitz­ten Lie­der, ist am Frei­tag 89-jäh­rig in ihrem Haus in Ober­wal­ters­dorf gestor­ben.
APA/APA (Archiv)/GEORG HOCH­MUTH

Lore Krai­ner wur­de am 4. Novem­ber 1930 in Graz gebo­ren und stu­dier­te am Kon­ser­va­to­ri­um Kla­vier. Nach dem Krieg war sie am Gra­zer Thea­ter Neu­ber enga­giert, danach stell­te sie ein Stu­den­ten­ka­ba­rett mit anschlie­ßen­der Tour­nee zusam­men. Von 1950 bis 1965 arbei­te­te sie gemein­sam mit ihrem Mann, dem Buf­fo-Tenor Gün­ther Krai­ner, als Pia­nis­tin und Enter­tai­ne­rin in der Schweiz. 1968 kehr­ten die bei­den nach Graz zurück und führ­ten den „Girar­di-Kel­ler”, ein Spe­zia­li­tä­ten­re­stau­rant im Geburts­haus von Alex­an­der Girar­di. Zwi­schen­durch setz­te die Krai­ner sich ans Kla­vier und sang für die Gäs­te.

Zu Beginn der 70er-Jah­re begann sie dann, eige­ne Chan­sons zu schrei­ben. Ger­hard Bron­ner „ent­deck­te” sie und pro­du­zier­te mit ihr die Schall­plat­te „Men­schen, Mäu­se und Lipiz­za­ner”. Neben wei­te­ren Plat­ten­auf­nah­men folg­ten Chan­son­aben­de wie „Krai­ner mit Senf” oder „So wahr ich Krai­ner heiß”. 1974 über­sie­del­te sie nach Wien, und 1975 nach Ober­wal­ters­dorf bei Baden.

Von 1988 bis 2009 lei­te­te sie mit Kurt Sobot­ka den Ö1-„Guglhupf”, den sie seit 1978 mit­ge­stal­te­te. Außer­dem bear­bei­te­te sie Thea­ter­stü­cke und musi­ka­li­sche Büh­nen­wer­ke und hat eini­ge Bücher geschrie­ben, u.a. „Im Gugl­hupf – 16 Jah­re Zeit im Ton”. Als Kom­men­ta­to­rin des Zeit­ge­sche­hens ist Krai­ner aller­dings nicht nur aus dem Sonn­tags­ra­dio bekannt: Mehr als 3.000 Lie­der hat sie im Lau­fe ihrer Kar­rie­re für Klein­kunst­büh­nen kom­po­niert und geschrie­ben.

Krai­ner war aber nicht nur die Gran­de Dame des Wie­ner Kaba­retts, son­dern auch die Doy­enne des öster­rei­chi­schen Tarock. Die lei­den­schaft­li­che Köni­g­ru­fe­rin gewann so man­ches Tur­nier und ließ es sich auch nicht neh­men, ihrer Lei­den­schaft immer wie­der öffent­lich Aus­druck zu ver­lei­hen. Zu ihren zahl­rei­chen Ehrun­gen zähl­ten u.a. 1984 der Nes­troy-Ring der Stadt Wien, 1985 das Gol­de­ne Ehren­zei­chen des Lan­des Stei­er­mark und 2003 das Gol­de­nen Ehren­zei­chen für Ver­diens­te um das Bun­des­land Nie­der­ös­ter­reich. Im März 2005 wur­de sie mit dem Berufs­ti­tel „Pro­fes­sor” aus­ge­zeich­net, dem 2011 das Gol­de­ne Ehren­zei­chen für Ver­diens­te um das Land Wien folg­te.