apa.at
news/APA/Freitag, 14.01.22, 21:55:00

John­son wegen Lock­down-Par­tys unter Druck

Der wegen einer Rei­he von Skan­da­len ange­schla­ge­ne bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son gerät immer stär­ker unter Druck. Anlass ist ein Medi­en­be­richt über zwei wei­te­re Par­tys in sei­nem Amts­sitz in der Dow­ning Street. Nicht nur wur­den auch die­se laut „Dai­ly Tele­graph” trotz gel­ten­der Coro­na-Ein­schrän­kun­gen gefei­ert, son­dern sie fan­den auch noch am Vor­abend der Bei­set­zung von Prinz Phil­ip, dem Ehe­mann von Köni­gin Eliza­beth, im ver­gan­ge­nen April statt.
APA/APA/POOL/JACK HILL

John­son sah sich am Frei­tag somit zum zwei­ten Mal in die­ser Woche ver­an­lasst, sich für Par­tys in sei­nem Amts­sitz zu ent­schul­di­gen – dies­mal aber sogar direkt bei der Köni­gin. Bei poli­ti­schen Geg­nern, aber auch in den eige­nen Rei­hen sto­ßen die Vor­gän­ge auf immer weni­ger Ver­ständ­nis. Rück­tritts­ru­fe wer­den lauter.

„Es ist zutiefst bedau­er­lich, dass dies zu einer Zeit der natio­na­len Trau­er geschah”, sag­te ein Spre­cher John­sons vor Jour­na­lis­ten. Man habe sich beim Palast ent­schul­digt. Der Spre­cher füg­te hin­zu, John­son sei am besag­ten Tag der Fei­ern, dem 16. April 2021, im Land­sitz Che­quers gewe­sen. Auch sei er zu kei­ner Zusam­men­kunft ein­ge­la­den gewe­sen. Erst am Mitt­woch hat­te sich der Pre­mier im Par­la­ment für sei­ne Teil­nah­me an einer Gar­ten­par­ty ent­schul­digt, die es im Mai 2020 inmit­ten des ers­ten Coro­na-Lock­downs gege­ben hatte.

Dem „Tele­graph” zufol­ge muss es bei den Fei­ern im April 2021 aus­ge­las­sen zuge­gan­gen sein. Mit­ar­bei­ter sol­len in einem nahe gele­ge­nen Super­markt grö­ße­re Men­gen Alko­hol gekauft haben, Musik sei über ein Lap­top abge­spielt wor­den, und eine Schau­kel von John­sons Sohn sei zu Bruch gegan­gen. Das alles soll statt­ge­fun­den haben, obwohl zu dem Zeit­punkt pan­de­mie­be­dingt Gren­zen für Zusam­men­künf­te von Per­so­nen unter­schied­li­cher Haus­hal­te gal­ten. Beson­ders pre­kär ist zudem, dass die Nati­on mit Köni­gin Eliza­beth II. um deren Gemahl trau­er­te, der im Alter von 99 Jah­ren gestor­ben war. Am Tag nach den Par­tys in der Dow­ning Street nahm die Queen in der St George’s Cha­pel Abschied von ihrem Mann, mit dem sie 73 Jah­re lang ver­hei­ra­tet gewe­sen war. Wegen der Coro­na-Beschrän­kun­gen saß sie allei­ne in einer Bank­rei­he der Kirche.

Auf­grund der auf­ge­flo­ge­nen Par­tys steckt John­son in einer der schwers­ten Kri­sen sei­ner Amts­zeit. Die­se wird bereits von meh­re­ren ande­ren Skan­da­len über­schat­tet, etwa die Ver­wen­dung von Spen­den bei der Reno­vie­rung von John­sons Dienst­sitz. Wäh­rend die Oppo­si­ti­on längst sei­nen Rück­tritt for­dert, rücken inzwi­schen auch zuneh­mend Mit­glie­der der Kon­ser­va­ti­ven Par­tei von John­son ab, aus Furcht, sie könn­ten stell­ver­tre­tend von ihren Wäh­lern abge­straft wer­den. „Lei­der ist die Posi­ti­on des Pre­mier­mi­nis­ters unhalt­bar gewor­den”, sag­te der kon­ser­va­ti­ve Abge­ord­ne­te Andrew Brid­gen, ein ehe­ma­li­ger John­son-Unter­stüt­zer. „Die Zeit ist reif, die Büh­ne zu verlassen.”

Die Skan­da­le wirk­ten sich auch in Umfra­gen nega­tiv für die regie­ren­de Kon­ser­va­ti­ve Par­tei aus. Einer Erhe­bung des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Savan­ta Com­Res wuchs der Vor­sprung der oppo­si­tio­nel­len Labour-Par­tei vor John­sons Tories auf zehn Pro­zent­punk­te. In der Umfra­ge kam Labour auf 42 Pro­zent (plus fünf Pro­zent­punk­te), die Kon­ser­va­ti­ven auf 32 Pro­zent (minus ein Pro­zent­punkt). 70 Pro­zent der 2151 Befrag­ten spra­chen sich für John­sons Rück­tritt aus. Die nächs­te Par­la­ments­wahl fin­det regu­lär 2024 statt.