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news/APA/Donnerstag, 10.06.21, 16:45:01

Inves­tor Wolf wird MAN-Werk in Steyr übernehmen

Inves­tor Sieg­fried Wolf wird doch das von der Schlie­ßung bedroh­te Lkw-Werk von MAN in Steyr über­neh­men. Der Ver­trag über den Ver­kauf wur­de am Don­ners­tag in Mün­chen vom Auf­sichts­rat besie­gelt, bestä­tig­ten er und MAN-CEO Andre­as Tost­mann. Im April war Wolf noch mit sei­nem ers­ten Ange­bot bei der Beleg­schaft abge­blitzt, wor­auf er nach­bes­ser­te. Arbei­ter­be­triebs­rat Hel­mut Emler zeig­te sich über­rascht und erklär­te, „wir neh­men den Ver­kauf zur Kenntnis”.
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Wolfs ver­bes­ser­tes Kon­zept sieht die Beschäf­ti­gung von 1.400 Mit­ar­bei­tern vor. Der­zeit besteht die Stamm­be­leg­schaft aus rund 1.900 Per­so­nen. Tost­mann bestä­tig­te in einem sozia­len Netz­werk den Deal: „Das ist eine gute Nach­richt: Für Steyr, für Ober­ös­ter­reich, für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter vor Ort – und für MAN. Das Werk in Steyr bleibt erhal­ten!” Die Fir­ma WSA von Inves­tor Sieg­fried Wolf wer­de den Stand­ort über­neh­men. Damit wür­den Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze geret­tet und es gebe eine kla­re Zukunftsperspektive.

Als ein­zi­ge trag­fä­hi­ge Alter­na­ti­ve zur Schlie­ßung sei nur der Ver­kauf an WSA in Fra­ge gekom­men, da dar­über hin­aus – trotz gegen­tei­li­ger Berich­te – bis zuletzt kei­ne wei­te­ren Kauf­in­ter­es­sen­ten indus­tri­ell schlüs­si­ge Ange­bo­te vor­ge­legt hät­ten. Damit das gelin­gen konn­te, hät­ten bei­de Sei­ten auf­ein­an­der zuge­hen müs­sen. Das sei jetzt pas­siert. Es habe Hand­lungs­druck bestan­den: Die Maß­nah­men zur Schlie­ßung sei­en bereits weit vor­an­ge­schrit­ten gewe­sen. „Ich freue mich des­halb sehr, dass wir gemein­sam die Ret­tung erreicht haben und das Werk unter der Füh­rung von WSA eine ech­te Zukunft hat”, hielt Tost­mann fest. 

Die gemein­sa­men Plä­ne mit WSA sol­len der gro­ßen Mehr­heit der Mit­ar­bei­ter, eben­so wie den Aus­zu­bil­den­den, wei­ter­hin gute und siche­re Arbeits­plät­ze sowie Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven bie­ten. Der Ver­kauf sei für alle Betei­lig­ten die best­mög­li­che Lösung. Der Vor­stand habe dem Ver­kauf bereits Mitt­woch­abend zuge­stimmt. Heu­te sei­en laut Tost­mann die Unter­schrift unter den Ver­trag und die Zustim­mung des Auf­sichts­rats erfolgt: „Wir wer­den jetzt alles dafür tun, den Stand­ort plan­voll zu übergeben.” 

Sieg­fried Wolf schil­der­te in einer Pres­se­au­sen­dung, bis Anfang 2023 wür­den wei­ter im Auf­trag von MAN Lkw und Lkw-Kom­po­nen­ten her­ge­stellt und par­al­lel dazu neue Fer­ti­gun­gen auf­ge­baut. Von die­sen sol­len ab 2023 sie­ben neue Nutz­fahr­zeug­ty­pen unter der Mar­ke „Steyr” für den Export auf den Welt­markt vom Band laufen. 

Wolf will dabei sei­ne Zusa­gen aus dem ver­bes­ser­ten Über­nah­me- und Sozi­al­plan­kon­zept ein­lö­sen: Es sol­len 1.250 Mit­ar­bei­ter und sämt­li­che Lehr­lin­ge beschäf­tigt wer­den. Die maxi­ma­le Lohn­re­duk­ti­on wer­de minus 15 Pro­zent vom Net­to­be­zug betra­gen. Zusätz­lich könn­ten in einer mit dem Land Ober­ös­ter­reich geschaf­fe­nen, zweck­ge­bun­de­nen offe­nen For­schungs- und Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft wei­te­re 150 Beschäf­tig­te Arbeit finden. 

Ins­ge­samt sei es so mög­lich, zwei Drit­tel der bis­her am Stand­ort täti­gen Stamm­be­leg­schaft zu hal­ten. Bei der neu­en Pro­dukt­li­nie – sie­ben Nutz­fahr­zeu­ge vom Kas­ten­wa­gen über einen City­bus bis zum Lkw – wer­de man in Steyr künf­tig auf die Schwer­punk­te Elek­tro­mo­bi­li­tät, Was­ser­stoff­tech­no­lo­gie und auto­no­mes Fah­ren set­zen. „Damit kann der tra­di­tio­nel­le Indus­trie­stand­ort mit sei­nen hoch qua­li­fi­zier­ten Beschäf­tig­ten unter der wie­der­be­leb­ten Mar­ke Steyr einer erfolg­rei­chen Zukunft ent­ge­gen­se­hen”, ver­si­cher­te Wolf in der Mitteilung.

Emler gra­tu­lier­te Wolf, der am Don­ners­tag in Steyr war, zum Kauf des „tol­len Wer­kes”. Jetzt wol­le sich der Betriebs­rat so schnell wie mög­lich mit dem neu­en Eigen­tü­mer an einen Tisch set­zen. Denn „je mehr Arbeits­plät­ze erhal­ten wer­den umso bes­ser”, klang Emler eher zweck­op­ti­mis­tisch. Wie die Beleg­schaft den Ver­kauf auf­ge­nom­men hat, dazu mach­te er kei­ne Anga­ben. Noch im April hat­ten ja zwei Drit­tel gegen Wolfs Über­nah­me­kon­zept votiert.

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