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news/APA/Mittwoch, 13.10.21, 06:00:22

IEA: Für Null-Emis­sio­nen bis 2050 braucht es viel mehr Geld

Die bis­her geplan­ten Maß­nah­men zur Ein­hal­tung der Kli­ma­zie­le rei­chen bei wei­tem nicht aus. Zu die­sem Schluss kommt ein aktu­el­ler Bericht der Inter­na­tio­na­len Ener­gie­agen­tur (IEA) anläss­lich der bevor­ste­hen­den UN-Kli­ma­kon­fe­renz in Glas­gow. Um das Ziel der Net­to-Null-Emis­sio­nen bis 2050 zu errei­chen, müss­ten sich die welt­wei­ten Inves­ti­tio­nen in sau­be­re Ener­gie und Infra­struk­tur in den nächs­ten zehn Jah­ren mehr als verdreifachen.
APA/APA/AFP/LINDSEY PARNA­BY

Die IEA hat drei Sze­na­ri­en zur Ent­wick­lung der CO2-Emis­sio­nen bis 2050 durch­ge­rech­net. Dem ers­ten Modell lie­gen die bis­her umge­setz­ten und geplan­ten Kli­ma­schutz­maß­nah­men zugrun­de, im zwei­ten Modell wer­den die dar­über hin­aus von Regie­run­gen anvi­sier­ten Maß­nah­men ein­be­rech­net. Das drit­te Sze­na­rio zeigt, wel­che Maß­nah­men not­wen­dig wären, um bis zur Mit­te des Jahr­hun­derts welt­weit Net­to-Null-Emis­sio­nen zu errei­chen und die Erd­er­wär­mung unter 1,5 Grad Cel­si­us zu halten.

Mit den bis­her umge­setz­ten und geplan­ten Maß­nah­men wür­de die bis 2050 zusätz­lich benö­tig­te Ener­gie fast zur Gän­ze grün pro­du­ziert wer­den. Die jähr­lich aus­ge­sto­ße­nen Abga­se blie­ben damit bis 2050 jedoch auf dem glei­chen Niveau auf dem sie sich heu­te bewe­gen und die welt­wei­te Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur wür­de bis Ende des Jahr­hun­derts um 2,6 Grad Cel­si­us stei­gen und die Erde sich danach wei­ter erhitzen.

Wür­den zusätz­lich zu den bis­her gesetz­ten auch alle von Regie­run­gen anvi­sier­ten Maß­nah­men recht­zei­tig und in vol­lem Aus­maß rea­li­siert, hät­te das zur Fol­ge, dass die Nach­fra­ge nach fos­si­len Brenn­stof­fen bis 2025 ihren Höhe­punkt errei­chen wür­de und die jähr­li­chen CO2-Emis­sio­nen bis zur Jahr­hun­dert­mit­te um 40 Pro­zent abneh­men wür­den. Die Erde wür­de sich bis 2100 um 2,1 Grad Cel­si­us erwär­men, und auch danach wür­den die durch­schnitt­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren wei­ter steigen.

Um bis 2050 welt­weit CO2-Neu­tra­li­tät zu errei­chen, müss­ten die Inves­ti­tio­nen in sau­be­re Ener­gie und Infra­struk­tur allein in den nächs­ten zehn Jah­ren auf rund 4 Bil­lio­nen US-Dol­lar (rund 3,5 Bil­lio­nen Euro) ver­drei­facht wer­den, so IEA-Chef Fatih Birol. Von den zusätz­li­chen Gel­dern müss­ten rund 70 Pro­zent in Ent­wick­lungs- und Schwel­len­län­der flie­ßen. Der­zeit wird nicht genug Geld inves­tiert, um die zukünf­ti­ge Nach­fra­ge nach Ener­gie zu decken. Die dar­aus ent­ste­hen­de Unsi­cher­heit könn­te lang­fris­tig zu Tur­bu­len­zen auf den glo­ba­len Ener­gie­märk­ten füh­ren, etwa star­ke Preis­an­stie­ge oder Versorgungsengpässe.

Immer­hin 40 Pro­zent der zusätz­lich not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen wür­den sich jedoch „selbst bezah­len”, heißt es im Bericht: Dabei gehe es bei­spiels­wei­se um Maß­nah­men zur Stei­ge­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz oder dar­um, unge­plan­te Gas­aus­trit­te zu ver­hin­dern. Außer­dem brau­che es dop­pelt so vie­le Wind- und Solar­an­la­gen wie bis­her von Regie­run­gen anvi­siert. Das Ziel der CO2-Neu­tra­li­tät bie­te dar­über hin­aus enor­me wirt­schaft­li­che Mög­lich­kei­ten: So zum Bei­spiel neue Märk­te für Wind­tur­bi­nen, PV-Anla­gen, Bat­te­rien und Brennstoffzellen.