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news/APA/Donnerstag, 23.06.22, 14:50:59

Hin­ter­eg­gers Pau­ken­schlag: Kar­rie­re­en­de mit 29 Jahren

Mar­tin Hin­ter­eg­ger hat mit einem Pau­ken­schlag sei­ne Kar­rie­re als Fuß­ball-Pro­fi für been­det erklärt. Den Ent­schluss des 29-Jäh­ri­gen teil­te der deut­sche Bun­des­li­gist und Euro­pa-League-Sie­ger Ein­tracht Frank­furt mit. Der Ver­tei­di­ger habe den Vor­stand des Clubs am Don­ners­tag in einem per­sön­li­chen Gespräch dar­über infor­miert. Hin­ter­eg­ger bat dem­nach, ihn umge­hend von den Ver­pflich­tun­gen sei­nes bis Juni 2024 lau­fen­den Ver­trags zu entbinden.
APA/A­PA/d­pa-Zen­tral­bil­d/­Soe­ren Stache

Der Kon­trakt sei des­halb „nach inten­si­ven Gesprä­chen mit dem Spie­ler und des­sen Bera­ter Chris­ti­an Sand sowie nach Rück­spra­che mit Chef­trai­ner Oli­ver Glas­ner” aus­ge­setzt wor­den, hieß es in der Mit­tei­lung. Hin­ter­eg­ger gab eine Erklä­rung für sei­ne Ent­schei­dung ab. Die­se sei bereits seit län­ge­rem in ihm gereift.

„Ich hat­te bereits im ver­gan­ge­nen Herbst ers­te Gedan­ken, nach der Sai­son auf­zu­hö­ren. Ich habe mich sport­lich in einer schwie­ri­gen Pha­se befun­den: Mei­ne Leis­tun­gen waren schwan­kend. Die Sie­ge haben sich nicht mehr so gut ange­fühlt, dafür tat jede Nie­der­la­ge dop­pelt so weh. Mein Leis­tungs­schub im Früh­jahr und unse­re gemein­sa­men Erfol­ge in der Euro­pa League haben mich dann umso mehr moti­viert, mich mit einem gro­ßen sport­li­chen Erfolg zu ver­ab­schie­den”, sag­te Hin­ter­eg­ger dem­nach. „Den Sieg in der Euro­pa League habe ich des­we­gen so aus­gie­big genos­sen, weil ich da schon wuss­te, dass es mei­ne letz­te gro­ße Sie­ges­fei­er mit den fan­tas­ti­schen Fans in die­ser Stadt sein wür­de, die mei­ne zwei­te Hei­mat gewor­den ist.”

Ein­trachts Sport-Vor­stand Mar­kus Krö­s­che berich­te­te indes von einer „uner­war­te­ten” Ent­schei­dung. „Aber er hat uns sei­ne Per­spek­ti­ve und Grün­de ein­drück­lich und über­zeu­gend dar­ge­legt. Daher war es für uns kei­ne Fra­ge, die­sem sport­lich schmerz­li­chen, aber mensch­lich nach­voll­zieh­ba­ren Wunsch zu entsprechen.”

Eigent­lich soll­te Hin­ter­eg­ger beim Vor­stand vor­spre­chen, um sich über eine seit Wochen schwe­len­de Cau­sa zu äußern. Zuletzt war der Kärnt­ner auf­grund sei­ner Geschäfts­be­zie­hun­gen mit dem frü­he­ren FPÖ-Gemein­de­rat Hein­rich Sickl medi­al in Erklä­rungs­not gera­ten. Der Ver­tei­di­ger been­de­te die Bezie­hung zwar und grenz­te sich nach rechts ab, irri­tier­te mit State­ments aber Ein­trachts links­ge­rich­te­te Fans.

„In den ver­gan­ge­nen Wochen haben sich rund um mei­nen „Hin­ti-Cup”, den ich mit Herz­blut und bes­ten Gewis­sens aus­ge­tra­gen habe, eini­ge The­men erge­ben, deren Trag­wei­te mir erst im Nach­hin­ein klar gewor­den ist. Emo­tio­na­le, viel­leicht unbe­dach­te Wor­te von mir haben zu Irri­ta­tio­nen geführt und dafür möch­te ich mich ent­schul­di­gen”, wur­de Hin­ter­eg­ger nun zitiert. Er bedaue­re dies. „Um es noch mal ganz klar zu sagen: rech­tes, into­le­ran­tes und men­schen­ver­ach­ten­des Gedan­ken­gut ver­ur­tei­le ich aufs Schärfs­te. Wer mich kennt, weiß das”, stell­te Hin­ter­eg­ger noch ein­mal klar.

Seit Jän­ner 2019 spiel­te Hin­ter­eg­ger für die Ein­tracht. Zunächst leih­wei­se für ein hal­bes Jahr, ehe ihn die Frank­fur­ter fix vom FC Augs­burg ver­pflich­te­ten. Hin­ter­eg­ger hat­te stets erklärt, sei­ne Zukunft in Frank­furt zu sehen. Für die „Adler” stand er in 138 Pflicht­spie­len auf dem Feld und galt auf­grund sei­ne nah­ba­ren Art als Publi­kums­lieb­ling. 2019 schaff­te er es mit der Ein­tracht ins Halb­fi­na­le der Euro­pa League, in die­sem Jahr sah er den Titel­ge­winn auf­grund einer Ver­let­zung von der Tri­bü­ne aus. Auch Öster­reichs Spie­le in der Nati­ons League unter Neo-Team­chef Ralf Rang­nick ver­pass­te der 67-fache Inter­na­tio­na­le des­halb zuletzt.

Für Krö­s­che ver­dient Hin­ter­eg­gers Schritt „Respekt und Aner­ken­nung”. Über die Zukunft des Kärnt­ners bei den Hes­sen war zuletzt ohne­hin hef­tig spe­ku­liert wor­den. Hin­ter­eg­ger sag­te erst unlängst, dass er sei­ne Pro­fi-Kar­rie­re bei der Ein­tracht been­den wol­le – dass dies schon jetzt pas­siert, war den­noch über­ra­schend. Dazu kommt: Schon im Spät­herbst und in die­sem April war der Ver­ein zwei­mal auf Hin­ter­eg­ger zuge­gan­gen, um die­sen um einen Abgang zu beten, um die Kas­sa zu fül­len. Ver­öf­fent­licht hat dies jüngst Hin­ter­eg­ger selbst, was den Club­chefs eben­falls nicht gefiel.