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news/APA/Montag, 03.05.21, 14:10:12

Har­ter Lock­down im Osten beendet

Der har­te Lock­down in Wien und Nie­der­ös­ter­reich ist in der Nacht auf Mon­tag zu Ende gegan­gen. Geschäf­te öff­nen wie­der, eben­so per­sön­li­che Dienst­leis­ter wie Fri­seu­re. In der Bun­des­haupt­stadt fiel auch die Mas­ken­pflicht an beleb­ten Orten. Seit Anfang April haben sich die bei­den Bun­des­län­der – zuerst gemein­sam mit dem Bur­gen­land, das bereits vor zwei Wochen wie­der öff­ne­te – in einem regio­na­len Lock­down befun­den. Grund war unter ande­rem eine Über­las­tung der Intensivstationen.
APA/APA/THEMENBILD/ROBERT JAE­GER

Das Ende des soge­nann­ten Ost-Lock­downs bedeu­tet auch, dass die in Wien und Nie­der­ös­ter­reich gel­ten­den restrik­ti­ven Aus­gangs­sper­ren nicht mehr gel­ten. Dort waren die­se rund um die Uhr in Kraft. So waren Fahr­ten in ande­re Regio­nen nur zu bestimm­ten Zwe­cken erlaubt. Auch die Kul­tur- und Frei­zeit­ein­rich­tun­gen wie Muse­en und Zoos dür­fen nun wie­der öff­nen – das aller­dings unter stren­gen Sicher­heits­vor­keh­run­gen. Wei­te­re Locke­run­gen soll es erst wie­der ab 19. Mai bun­des­weit geben.

Aus­ge­schert aus dem soge­nann­ten Ost-Lock­down war bereits vor zwei Wochen das Bur­gen­land. Dort waren der Han­del und der Dienst­leis­tungs­sek­tor wie­der geöff­net wor­den. Der dor­ti­ge Lan­des­haupt­mann Hans Peter Dosko­zil (SPÖ) muss­te wegen die­ses Vor­ge­hens Kri­tik ein­ste­cken. Mit dem Ende der ver­schärf­ten Maß­nah­men sind nun auch wie­der etwa Ein­kaufs­fahr­ten in ande­re Bun­des­län­der erlaubt.

Bun­des­kanz­ler Sebas­ti­an Kurz (ÖVP) sieht nach dem Ost-Lock­down die Stra­te­gie des regio­na­len Vor­ge­hens gegen die Pan­de­mie bestä­tigt: „Es war rich­tig, dass wir als eines der ers­ten Län­der auf Mas­sen­tests gesetzt haben und in der Pan­de­mie­be­kämp­fung gezielt regio­nal und nicht flä­chen­de­ckend vor­ge­gan­gen sind.” Mit die­sen bei­den Maß­nah­men habe man die drit­te Wel­le bes­ser meis­tern kön­nen als ande­re Län­der. Gleich­zei­tig beton­te er die Wich­tig­keit der Impfungen.

Die Infek­ti­ons­zah­len wür­den nach dem Ende des har­ten Lock­downs „ein biss­chen” nach oben gehen, erläu­ter­te die Gene­ral­di­rek­to­rin für die öffent­li­che Gesund­heit, Katha­ri­na Reich, im Ö1-„Morgenjournal”. Sie ver­wies jedoch auf stei­gen­de Impf­zah­len und die Test­pflicht für bestimm­te Berei­che. „Wir haben wirk­lich ein aus­ge­zeich­ne­tes Testan­ge­bot und so schau­en wir uns jetzt die nächs­ten Tage und Wochen an, wie das wei­ter geht, stimmt wei­ter­hin der Trend und stim­men die Zah­len?”, sag­te Reich.

Am 19. Mai könn­te öster­reich­weit auch wie­der die Gas­tro­no­mie ihre Türen öff­nen, wobei neben Imp­fun­gen und Tests unter Auf­sicht auch Wohn­zim­mer-Selbst­tests zuge­las­sen wer­den sol­len. „Es ist natür­lich so, dass das Tes­ten jetzt dann gleich­ge­stellt wird mit dem Imp­fen, aber in Wahr­heit ist es nicht das­sel­be. Das muss man ein­deu­tig sagen. Imp­fen ist der viel bes­se­re, siche­re und sta­bi­le­re Weg, um sich zu schüt­zen”, beton­te die Gene­ral­di­rek­to­rin für die öffent­li­che Gesund­heit. Die von der Regie­rung zuletzt für Mit­te Mai ange­kün­dig­ten Betriebs­imp­fun­gen wer­den laut Reich öster­reich­weit am 17. Mai star­ten. Wien wie­der­um hat damit bereits heu­te, Mon­tag, begonnen.

Die FPÖ for­dert, dass Wien die ab 19. Mai bun­des­weit ange­dach­ten Coro­na-Öff­nungs­schrit­te eben­falls umsetzt. Die Län­der haben die Mög­lich­keit, die­se für ein­zel­ne Berei­che oder ganz zu ver­schie­ben. Der Wie­ner Par­tei­chef Domi­nik Nepp warn­te in einer Pres­se­kon­fe­renz davor, Wien im Ver­gleich zu ande­ren Bun­des­län­dern zu benach­tei­li­gen: „Denn wenn dem nicht so wäre, dann wären in Stamm­ers­dorf die Heu­ri­gen drin­nen zu, aber 500 Meter wei­ter in Hagen­brunn offen.”

Schon jetzt habe der Han­del allein in Wien einen Umsatz­ver­lust von einer Mil­li­ar­de Euro erlit­ten, beklag­te er. Bür­ger­meis­ter Micha­el Lud­wig (SPÖ) müs­se sein Exper­ten­gre­mi­um, „bei dem es sich in Wirk­lich­keit um ein Lock­down-Gre­mi­um han­delt”, um Psy­cho­lo­gen, Han­dels- und Gastro­ver­tre­ter sowie Fach­leu­te aus Kunst, Kul­tur und Sport erwei­tern, ver­lang­te er. Der Lin­zer FPÖ-Gesund­heits­stadt­rat Micha­el Raml ver­wies dar­auf, dass in Linz kei­ne „über­bor­den­den Maß­nah­men oder Fleiß­auf­ga­ben” auf Kos­ten der Frei­heit der Bür­ger gemacht wor­den sei­en: „Wir haben Geset­ze und Ver­ord­nun­gen umge­setzt, aber ins­be­son­de­re etwa kei­ne Mas­ken­pflicht im Frei­en ver­ord­net. Eine sol­che hal­te ich für abso­lut sinnbefreit.”

In Wien wird noch die­se Woche ent­schie­den, wie es ab 19. Mai wei­ter­ge­hen soll. Bür­ger­meis­ter Lud­wig hat ange­kün­digt, in der zwei­ten Wochen­hälf­te wie­der Bera­tun­gen durch­zu­füh­ren. Jedoch hat er sich stets skep­tisch dazu geäu­ßert, gleich­zei­tig alle Berei­che wie­der auf­zu­sper­ren. Im Raum steht unter ande­rem, dass die Gas­tro­no­mie indoor vor­erst noch nicht öff­nen darf.