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news/APA/Freitag, 11.06.21, 13:06:42

„Hader on Ice” fei­er­te umju­bel­te Pre­mie­re im Stadt­saal Wien

Gan­ze 17 Jah­re hat Josef Hader sei­ne Fans auf ein neu­es Solo­pro­gramm war­ten las­sen. Am Don­ners­tag hat­te „Hader on Ice” schließ­lich Pre­mie­re im Wie­ner Stadt­saal – und die hohe Erwar­tungs­hal­tung im Vor­feld wur­de nicht ent­täuscht. Denn der hei­mi­sche Kaba­rett­star tut das, was er am bes­ten kann: Im non­cha­lant-amika­len Plau­der­ton seziert er die Graus­lich­kei­ten eines selbst­ge­rech­ten Wohl­stands­le­bens so prä­zi­se, dass man sich mit­un­ter eis­kalt erwischt fühlt.
APA/APA/Presseagentur Hoanzl/Lukas Beck

Dass die Sehn­sucht nach einem neu­en Hader groß war, ver­riet bereits der fre­ne­ti­sche Applaus, der auf­bran­de­te, sobald der Kaba­ret­tist die nur mit rotem Bar­ho­cker und Ser­vier­wa­gen bestück­te Büh­ne betrat. Nur kei­ne Auf­re­gung, signa­li­sier­te er den Zuschau­ern: „Ich mach das schon – mit mei­ner Pre­mie­ren­rou­ti­ne.” Ein Sei­ten­hieb gegen sich selbst.

Denn seit 2004 brach­te Hader – lässt man das immer wie­der vari­ier­te Best-of „Hader spielt Hader” (ab 2012) bei­sei­te – kein neu­es Stück mehr auf die Büh­ne. „Hader muss weg” hieß das bis­her letz­te Pro­gramm und der Humo­rist, der sich im Lauf der Jah­re auch eine viel beach­te­te Schau­spiel­kar­rie­re erar­bei­te­te, über­rasch­te damals inso­fern, als er es als eine Art Live-Film insze­nier­te, in dem er alle Rol­len selbst spielte.

Mit „Hader on Ice” kehrt er nun zum klas­si­schen Ein­ak­ter-Mono­log zurück. Schnell fühlt man sich an sei­nen Rie­sen­er­folg „Pri­vat” (1994) erin­nert. Das Kon­zept: Der ver­meint­lich „ech­te” Josef Hader erzählt über sich und sein Leben – und er lässt dies­mal gleich auf­hor­chen. „Das ist mein letz­tes Pro­gramm”, meint er. Denn er sei ins Wein­vier­tel („Die Tos­ca­na von Öster­reich – genau­so über­schätzt”) gezo­gen, habe dort einen baro­cken Pfarr­hof reno­vie­ren las­sen und wol­le in die­ser „gespens­ti­schen Gegend” inmit­ten die­ses „Zwer­gen­volks aus der Zwi­schen­eis­zeit” einen Coro­na-Roman schrei­ben und sich der Gar­ten­ar­beit widmen.

Hader bzw. sei­ne Kunst­fi­gur plau­dert nett und „CO2-neu­tra­len Kari­bik-Rum” süf­felnd vor sich hin, doch recht bald wird einem mul­mig beim Zuhö­ren. Denn hin­ter der Ver­trau­lich­keit schim­mert immer mehr Ver­lo­gen­heit durch. Als Enten­em­bry­os essen­der Vege­ta­ri­er, der der Umwelt zulie­be jetzt nur noch ein ein­zi­ges Auto fährt und aus dem Kon­sum­wahn aus­ge­stie­gen sei, weil sich sein nige­ria­ni­scher Haus­die­ner sowie­so um alles küm­me­re, gefällt sich der (erfolg)reiche Künst­ler, der es sich in sei­ner inne­ren Käl­te recht gut ein­ge­rich­tet hat. Der Mensch sei halt nicht so gemacht, dass er Mit­leid hat mit ande­ren Men­schen, die im Mit­tel­meer ersau­fen. „Aber wenn der Leo­nar­do DiCa­prio im Stu­dio so tut, als würd” er ersau­fen, da geht uns das Herz auf.”

Nach und nach legt Hader die cha­rak­ter­li­chen Abgrün­de und gleich­zei­ti­ge Arm­se­lig­keit sei­ner Figur frei. Ein see­lisch Ver­wun­de­ter spricht da, der sich in Zynis­mus und Ver­schwö­rungs­theo­rien flüch­tet, sei­nen Tag mit Alko­hol struk­tu­riert, jun­ge Frau­en, „die man noch for­men kann”, ver­schleißt, und sein Lebens­mot­to so zusam­men­fasst: „Zur bes­ten Zeit auf die Welt kom­men, der nächs­ten Genera­ti­on alles weg­fres­sen und schmerz­frei ster­ben.” Kalt­schnäu­zig und vol­ler Ver­ach­tung, gibt Hader den har­ten Kerl, der sich aber eh auf der Sei­te der Guten wähnt, der schnell die Wür­de ver­liert, wenn es eng wird, und wim­mert und flennt, wenn man es sich mit Geld und Ruhm nicht mehr rich­ten kann.

Es wäre nicht Hader, gäbe es nicht auch im neu­en Pro­gramm – wobei auf­merk­sa­me Fans bemerkt haben wer­den, dass ein paar Sequen­zen bereits im zu Coro­na­zei­ten regel­mä­ßig befüll­ten Online-Play­er des Kaba­ret­tis­ten zu sehen waren – sur­rea­le Ele­men­te. So ler­nen wir bald den spre­chen­den Wolf „Rudl” ken­nen – wohl eine schi­zo­phre­ne Spie­ge­lung. Mit ihm, dem letzt­lich ein­zi­gen ver­blie­be­nen Freund, sitzt Hader am Ende am Kla­vier und singt „Some­whe­re Over The Rain­bow”. Ein doch noch herz­er­wär­men­des Fina­le einer laut beju­bel­ten und teils mit Stan­ding Ova­tions gefei­er­ten Kabarettpremiere.

(S E R V I C E – )