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news/APA/Sonntag, 31.07.22, 11:37:50

Grü­ne Klub­che­fin Mau­rer: SPÖ „Par­tei des Betons und Benzins”

Die Grü­ne Klub­ob­frau Sig­rid Mau­rer wirft der SPÖ Popu­lis­mus vor. SPÖ-Che­fin Pame­la Ren­di-Wag­ner agie­re in der Teue­rungs­kri­se „wenig staats­tra­gend”, kri­ti­sier­te Mau­rer im APA-Inter­view. Ent­spre­chend zurück­hal­tend ist Mau­rer, was eine mög­li­che Ampel­ko­ali­ti­on nach der nächs­ten Wahl betrifft – sei die SPÖ doch auch beim Kli­ma­schutz „eine Par­tei des Betons und des Ben­zins”. „Nicht nach­voll­zieh­bar” ist für Mau­rer indes auch, dass die ÖVP Vik­tor Orbán „den roten Tep­pich ausrollt”.
APA/APA/EVA MANHART/EVA MANHART

Die Kri­tik der Oppo­si­ti­on, wonach Tür­kis-Grün zu wenig und zu lang­sam auf die enor­me Teue­rung reagie­re, weist Mau­rer erwar­tungs­ge­mäß zurück: Man habe bereits das drit­te Ent­las­tungs­pa­ket beschlos­sen, das mit 28 Mil­li­ar­den Euro auch „wesent­lich grö­ßer” sei als in ande­ren Län­dern wie Deutsch­land. Viel­mehr schoss die Grü­ne Klub­ob­frau den Ball zurück: „Selbst­ver­ständ­lich ist es die Auf­ga­be der Oppo­si­ti­on, die Regie­rung zu kri­ti­sie­ren, aber etwas sach­be­zo­ge­ne­re, fak­ten­be­zo­ge­ne­re Vor­schlä­ge wären schon ange­bracht.” Die SPÖ mache „einen Hau­fen popu­lis­ti­scher Vor­schlä­ge”, die von Öko­no­men als nicht prak­ti­ka­bel beur­teilt wür­den. Die Regie­rung wer­de hin­ge­gen bis Ende des Som­mers ein Modell für eine „Strom­preis­brem­se” vor­le­gen, das u.a. vom Wifo vor­ge­schla­gen wur­de und „das tat­säch­lich prak­ti­ka­bel ist im Gegen­satz zu Strom­preis­de­ckel-Ideen, wo man Strom­märk­te ande­rer Län­der subventioniert”.

„Dafür, dass die Frau Ren­di-Wag­ner sich schon als nächs­te Kanz­le­rin geriert, hal­te ich ihre Aus­sa­gen für äußerst wenig staats­tra­gend”, mein­te Mau­rer. Die Sozi­al­de­mo­kra­tie habe eine wich­ti­ge Rol­le in der öster­rei­chi­schen Demo­kra­tie, aber was sie der­zeit ablie­fe­re, sei ihrer „his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung und Tra­di­ti­on nicht wür­dig”, meint die Grü­ne Klub­ob­frau. „Seriö­se Poli­tik besteht aus sehr viel mehr als einem Taferl, das man im Ple­num in die Höhe streckt.”

Nicht grund­sätz­lich abge­neigt wäre Mau­rer aller­dings bei der jüngs­ten For­de­rung der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen SPÖ, die OMV wie­der zu ver­staat­li­chen. Zen­tra­le Infra­struk­tur in öffent­li­cher Hand mache sich bezahlt – die der­zei­ti­ge Ener­gie­kri­se sei aber „wesent­lich grö­ßer” als eine der­ar­ti­ge Ein­zel­maß­nah­me und „die­se Dis­kus­sio­nen kön­nen die aku­te Situa­ti­on jeden­falls nicht lösen”, glaubt Mau­rer aller­dings. Die Grü­ne Ener­gie­mi­nis­te­rin Leo­no­re Gewess­ler habe jeden­falls schon kon­kre­te Schrit­te gesetzt, erin­ner­te Mau­rer etwa an die Stra­te­gi­sche Gas­re­ser­ve. Gleich­zei­tig gehe es auch dar­um, unab­hän­gi­ger von Russ­land zu wer­den und die erneu­er­ba­ren Ener­gien mas­siv aus­zu­bau­en. „Hier bleibt die SPÖ jeg­li­chen Vor­schlag schul­dig – sie ist zum Schluss trotz­dem wie­der eine Par­tei des Betons und des Ben­zins”, befand Maurer.

Nach einer etwai­gen „Ampel­ko­ali­ti­on” aus SPÖ, Grü­nen und NEOS nach der nächs­ten Natio­nal­rats­wahl gefragt, blieb Mau­rer zurück­hal­tend. „Wir haben jetzt eine sta­bi­le Bun­des­re­gie­rung, die gro­ße Kri­sen zu bewäl­ti­gen hat, und die glau­be ich in den letz­ten zwei­ein­halb Jah­ren auch bewie­sen hat, dass sie dem gewach­sen ist.” Man arbei­te, und „ich sehe kei­nen Grund, über Neu­wah­len oder ande­re Koali­ti­ons­kon­stel­la­tio­nen zu spe­ku­lie­ren”. Nach einer Wahl gel­te es zu schau­en, wel­che Kon­stel­la­tio­nen mög­lich sind, wobei für die Grü­nen die best­mög­li­chen Ant­wor­ten auf die Kli­ma­kri­se zen­tral sei­en. „Die SPÖ hat in der letz­ten Zeit eher nicht den Ein­druck gemacht, dass ihr Kli­ma­schutz ein ernst­haf­tes Anlie­gen ist”, fin­det Maurer.

Aber auch mit dem der­zei­ti­gen Koali­ti­ons­part­ner läuft nicht immer alles rund. Die Rufe aus der ÖVP nach einer wei­te­ren Ver­schie­bung der CO2-Besteue­rung, dem Herz­stück der Grü­nen Regie­rungs­be­tei­li­gung, will Mau­rer nicht hören – dies sei aus­ge­schlos­sen, beton­te die Grü­ne Klubchefin.

Nicht son­der­lich begeis­tert zeig­te sich Mau­rer auch ob des jüngs­ten Besuchs des unga­ri­schen Pre­miers Vik­tor Orbán in Wien. „Die ras­sis­ti­schen und anti­se­mi­ti­schen Aus­sa­gen von Orbán sind abso­lut inak­zep­ta­bel und es war wich­tig, dass Kanz­ler Neham­mer (ÖVP) das bei sei­nem Gespräch mit dem unga­ri­schen Regie­rungs­chef in aller Deut­lich­keit ange­spro­chen hat”, erklär­te Mau­rer. Und dass Öster­reich mit sei­nem Nach­bar­staat Ungarn zusam­men­ar­bei­te und Gesprä­che geführt wür­den, sei legi­tim, gestand sie zu. „Es ist für mich aber nicht nach­voll­zieh­bar, war­um man einem Staats­chef, der sich wie­der­holt anti­se­mi­tisch und ras­sis­tisch äußert, der sich mit sei­ner EU-feind­li­chen Hal­tung brüs­tet und anti­de­mo­kra­ti­sche Bestre­bun­gen hat, den roten Tep­pich aus­rollt und ihn mit mili­tä­ri­schen Ehren emp­fängt”, kri­ti­sier­te Maurer.

Im Herbst wol­len die Grü­nen jeden­falls eini­ge Mate­ri­en wie­der ange­hen, die schon län­ger aus­stän­dig sind, dar­un­ter die Abschaf­fung des Amts­ge­heim­nis­ses mit­tels Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz. Ein Teil dar­aus – die Ver­öf­fent­li­chung von Stu­di­en, die von Minis­te­ri­en, Län­dern und Gemein­den beauf­tragt wur­den – sei ja bereits beschlos­sen. „Selbst­ver­ständ­lich ist unser Ziel, auch die rest­li­chen Tei­le zu einem posi­ti­ven Abschluss zu brin­gen”, beton­te Mau­rer. Man habe den Ein­druck, dass sich Län­der und Gemein­den hier jeweils hin­ter dem ande­ren ver­ste­cken. Kog­ler und Ver­fas­sungs­mi­nis­te­rin Karo­li­ne Edt­stad­ler (ÖVP) bemüh­ten sich der­zeit um Gesprä­che mit den Betrof­fe­nen, „um mal Tache­les zu reden”. Säu­mig ist die Regie­rung seit lan­gem auch beim Kli­ma­schutz­ge­setz – Mau­rer zeig­te sich den­noch zuver­sicht­lich, dass es „in den nächs­ten Mona­ten” beschlos­sen wird.

Mit wem an der Spit­ze die Grü­nen in die nächs­te Natio­nal­rats­wahl gehen sol­len, ließ Mau­rer offen. Spe­ku­la­tio­nen sei­en weder not­wen­dig noch sinn­voll. „Wer­ner Kog­ler ist ein her­vor­ra­gen­der Par­tei­chef, wir haben mit Leo­no­re Gewess­ler eine extrem umset­zungs­star­ke Kli­ma­schutz­mi­nis­te­rin, die in die­sen schwie­ri­gen Kri­sen­zei­ten die rich­ti­gen Ant­wor­ten und sehr kon­se­quen­te Arbeit liefert.”

„Aus Klub­ob­frau Mau­rer und ihren aggres­si­ven Anwür­fen gegen die SPÖ spricht die Ver­zweif­lung”, kon­ter­te der rote Vize­klub­chef Jörg Leicht­fried am Sonn­tag in einer Aus­sendung, „kein Wun­der ange­sichts der schlech­tes­ten Ver­trau­ens­wer­te, die eine Regie­rung je hat­te”. Eige­ne Vor­schlä­ge oder Lösungs­an­sät­ze wür­den nicht prä­sen­tiert, statt­des­sen wer­de bloß gegen die Oppo­si­ti­on pole­mi­siert. „Das ist alles nur mehr hilf- und plan­los”, fin­det Leicht­fried. Die Grü­nen agier­ten oft nur noch als rei­ne Befehls­emp­fän­ger der ÖVP. „Die eige­ne Glaub­wür­dig­keit wird man auch nicht durch ober­leh­rer­haf­te Kri­tik an der Oppo­si­ti­on zurückgewinnen.”