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news/APA/Dienstag, 04.05.21, 12:52:26

Gro­ße Per­so­na­le für Star­fo­to­gra­fin Elfie Semo­tan zum 80.

Das bun­te Pan­op­ti­kum eines Künst­ler­le­bens als Hom­mage: Das Kunst Haus Wien wid­met der Foto­le­gen­de Elfie Semo­tan zu ihrem im Juli anste­hen­den 80. Geburts­tag eine gro­ße Per­so­na­le. „Hal­tung und Pose” ver­sam­melt neue und alte Arbei­ten, Seri­en und Ein­zel­auf­nah­men, Schwarz-Weiß- und Farb­fo­to­gra­fie, Land­schaft und Por­trät ohne zeit­li­ches Kor­sett. Die rund 150 gezeig­ten Bil­der for­men statt­des­sen einen Werk­kor­pus aus Simi­la­ri­tä­ten und Dif­fe­ren­zen mit einem Roten Faden: Elfie Semotan.
APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

„Es war uns wich­tig, die gro­ße Band­brei­te des Werks zu zei­gen”, umriss Co-Kura­to­rin Bet­ti­na Leidl bei der Prä­sen­ta­ti­on am Diens­tag das Kon­zept, eine brei­te Viel­falt aus dem Oeu­vre der Viel­ar­bei­te­rin zu prä­sen­tie­ren. Dabei wer­den nun auch die kom­mer­zi­el­len Arbei­ten etwa für Mode­fir­men nicht ausgespart.

Über 60 Jah­re spannt sich dabei der Bogen, der aller­dings abseits stren­ger the­ma­ti­scher Blö­cke oder Pha­sen gehängt ist, son­dern epo­chen­über­grei­fen­de Wech­sel­spie­le zwi­schen ein­zel­nen Auf­nah­men ermög­licht. So hän­gen immer wie­der Auf­nah­men ver­schie­dens­ter Künst­ler­ate­liers oder Por­träts nebst Land­schafts­im­pres­sio­nen. Zu sehen sind auch Seri­en, die direkt von der Bil­den­den Kunst inspi­riert sind wie „Prä­raf­fae­li­ten” aus 2005 oder „Inspi­red by Luci­an Freud” 1997. Die Por­träts von Grö­ßen wie Maria Lass­nig und Loui­se Bour­geois, Franz West oder Ornel­la Muti mischen sich unter Abzü­ge, für die sich Semo­tan direkt an gro­ßen Vor­bil­dern wie Dia­ne Arbus oder Wil­liam Eggles­ton orientiert.

Auf die­se Wei­se erwach­sen neue Blick­be­zü­ge, Form­wie­der­ho­lun­gen fügen sich zu Sys­te­men über die Jahr­zehn­te hin­weg – und ent­steht der Ein­druck, dass das eini­gen­de Band der Arbei­ten der unprä­ten­ziö­se Zugang und die unauf­ge­reg­te Selbst­be­stim­mung der Frau hin­ter der Kame­ra ist. So habe sie immer wie­der von den Fir­men ursprüng­lich ins Tref­fen gewor­fe­ne Ideen für Shoo­tings über den Hau­fen gewor­fen, erin­ner­te sich Semo­tan beim Gang durch die Ausstellung.

Auf die­se Wei­se ent­stan­den unkon­ven­tio­nel­le Mode­ar­bei­ten, wenn Semo­tan etwa eine Tän­ze­rin im Kleid auf den Boden legt oder sie Vivi­en Sola­ri („Life moves fast”) foto­gra­fiert, indem sie dem Modell Objek­te in Bewe­gung zur Sei­te stellt. „Ich hät­te auch ger­ne Still­le­ben mit Wasch­mit­teln gemacht – aber es hat mich nie­mand gefragt”, unter­strich die Fast-Jubi­la­rin ihren prag­ma­ti­schen Zugang zur Werbearbeit.

Zugleich habe sich das Metier auch ver­än­dert, wenn sie etwa auf die Serie „Pusz­ta” aus 1990 bli­cke, bei der sie wäh­rend der Mode­ab­lich­tung auch die Land­schaft und Men­schen der unga­ri­schen Step­pe in den Fokus neh­men konn­te. „Damals hat­te ich viel Zeit, auch alles dane­ben zu foto­gra­fie­ren”, erin­ner­te sich Semo­tan ohne gro­ße Weh­mut an Auf­trä­ge, bei denen man als Foto­gra­fin noch fünf Tage für letzt­lich zehn Auf­nah­men bekam.

Dabei ist Semo­tan früh auf die ent­ste­hen­de Digi­tal­tech­nik umge­stie­gen, die sich rasend schnell ver­bes­sert und einen unschlag­ba­ren Vor­teil gegen­über der ana­lo­gen Arbeit habe, so Semo­tan. Schließ­lich zeigt sich bei der Ana­log­fo­to­gra­fie das eigent­li­che Bild immer erst im Nach­hin­ein: „Es gab immer Über­ra­schun­gen – mal gute, mal schlech­te.” Auch ein schö­nes Mot­to für eine epo­chen­über­span­nen­de Fotokarriere.

(S E R V I C E – „Elfie Semo­tan: Hal­tung und Poe­sie” im Kunst Haus Wien, Unte­re Weiß­ger­ber­stra­ße 13, 1030 Wien von 5. Mai bis 29. August täg­lich von 10 bis 18 Uhr. Dazu erschie­nen der gleich­na­mi­ge Kata­log, 177 Sei­ten, Ver­lag Foto­hof, 27 Euro. )