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news/APA/Freitag, 05.08.22, 13:32:59

Getrei­de­ern­te dürf­te das Vor­jah­res­ni­veau übertreffen

Das Getrei­de auf den hei­mi­schen Fel­dern hat sich heu­er trotz Tro­cken­heit im Früh­jahr als robust erwie­sen und ist gut gewach­sen. Die Agrar­markt Aus­tria (AMA) schätzt die Ern­te­men­ge für 2022 auf rund 2,9 Mio. Ton­nen. Damit liegt der Getrei­de­er­trag im Schnitt der ver­gan­ge­nen fünf Jah­re und über­trifft das Vor­jah­res­ni­veau von 2,8 Mio. Ton­nen. Als Grün­de für das posi­ti­ve Ergeb­nis führ­te AMA-Vor­stands­chef Gün­ter Gries­mayr Flä­chen­aus­wei­tun­gen und höhe­re Hekt­ar­er­trä­ge an.
APA/APA/dpa/Harald Tit­tel

Zu einer Aus­deh­nung der Anbau­flä­chen kam es im Ver­gleich zum Vor­jahr ins­be­son­de­re bei Din­kel (+24 Pro­zent), Hart­wei­zen (+19 Pro­zent), Win­ter­gers­te (+6 Pro­zent) und Rog­gen (+4,8 Pro­zent). Die Anbau­flä­che von Weich­wei­zen – der Kul­tur mit dem größ­ten Flä­chen­an­teil in Öster­reich – erhöh­te sich um 2,9 Pro­zent auf 244.501 Hekt­ar. „Sämt­li­che Getrei­de­ar­ten, die vor­wie­gend in der Lebens­mit­tel­er­zeu­gung benö­tigt wer­den, wur­den ver­mehrt ange­baut”, infor­mier­te Gries­mayr am Frei­tag bei einer Pressekonferenz.

Gesun­ken sind die Anbau­flä­chen von Som­mer­kul­tu­ren. Ein­bu­ßen gab es bei der vor­nehm­lich als Brau­gers­te ver­wen­de­ten Som­mer­gers­te (-19 Pro­zent) sowie bei Hafer (-16,7 Pro­zent). Der größ­te Rück­gang wur­de jedoch bei der Hir­se­an­bau­flä­che mit minus 21 Pro­zent ver­zeich­net. Nur gering­fü­gig ver­än­dert hat sich Anbau­flä­che von Mais (-1,3 Prozent).

Damit setzt sich ein bereits in den Vor­jah­ren erkenn­ba­rer Trend fort. „Es kommt zu einer Ver­la­ge­rung von den Früh­jahrs­an­bau­kul­tu­ren zu den Herbst­an­bau­kul­tu­ren”, sag­te Gries­mayr. Das Ziel bestehe dar­in, die Win­ter­feuch­te bes­ser aus­zu­nut­zen und die Som­mer­hit­ze zu umge­hen. Die Ertrags­si­cher­heit wer­de somit gestei­gert. Hin­ter­grund sei­en zuneh­men­de Klimaveränderungen.

Die Wahl der Kul­tu­ren bzw. die Flä­chen­ver­tei­lung wur­de teil­wei­se auch durch die Aus­wir­kun­gen des Ukrai­ne-Kriegs bestimmt. Auf­grund der in die Höhe geschnell­ten Prei­se für Dün­ge­mit­tel grif­fen die hei­mi­schen Land­wir­te ver­mehrt auf die wenig düng­e­in­ten­si­ven Soja­boh­nen zurück. Nach einem Anstieg von 22,7 Pro­zent erreicht die Soja-Anbau­flä­che mit 17.176 Hekt­ar heu­er ein Rekordniveau.

Auch die Bio­acker­flä­che sei mit einem Plus von 1 Pro­zent noch ein­mal aus­ge­wei­tet wor­den. Der Bio-Anteil an der Gesamt­ge­trei­de­pro­duk­ti­on beträgt heu­er 9,3 Pro­zent und „bleibt damit auf sehr hohem Niveau sta­bil”, sag­te Griesmayr.

Mit Blick auf die Ern­te­men­gen ste­chen Zuwäch­se bei Hart­wei­zen (+31 Pro­zent), Rog­gen (+9,7 Pro­zent) sowie Weich­wei­zen (+8 Pro­zent) her­vor. Weni­ger üppig fällt die Gers­ten­ern­te aus, die heu­er – trotz ver­stärk­tem Anbau der kli­ma­fit­ten Win­ter­gers­te – um 4,3 Pro­zent hin­ter dem Niveau des Vor­jah­res zurück­blei­ben dürfte.

Eben­so wenig opti­mis­tisch ist der Aus­blick für die Mais­ern­te, die auf­grund von Hit­ze­wel­len und Tro­cken­heit mit einem Minus von 280 Ton­nen bzw. 11,7 Pro­zent deut­li­che Ein­bu­ßen erwar­ten lässt. Die erwar­te­te Gesamt­pro­duk­ti­on von Getrei­de beläuft sich auf knapp 5 Mio. Ton­nen und bleibt damit sowohl hin­ter dem Vor­jah­res­ni­veau und dem Fünf­jah­res­schnitt (jeweils rund 5,2 Mio. Ton­nen) zurück.

„Der Herbst war sehr tro­cken, was den Anbau im Gegen­satz zum Jahr davor, wo es sehr feuch­te Ver­hält­nis­se gege­ben hat, begüns­tig­te. Ande­rer­seits haben die Nie­der­schlä­ge im Win­ter gefehlt”, fass­te der Vor­sit­zen­de des AMA-Fach­bei­ra­tes für Getrei­de, Ernst Karpfin­ger, die Rah­men­be­din­gun­gen der heu­ri­gen Pro­duk­ti­on zusam­men. Nach der Dür­re im Früh­jahr habe der Mai dann jedoch aus­rei­chend Nie­der­schlä­ge gebracht. „Das Getrei­de ist damit gera­de noch posi­tiv durchs Ziel gegan­gen”, sag­te Karpfinger.

Sor­gen berei­ten die Herbst­kul­tu­ren. „Dafür war der Juli schon zu heiß”, außer­dem habe es zu wenig Nie­der­schlä­ge gege­ben. Von den Hit­ze­phä­no­me­nen sei­en vor allem Kul­tu­ren wie Mais, Soja­boh­nen, Son­nen­blu­men oder Zucker­rü­ben betrof­fen. Bei man­chen Kul­tu­ren rech­ne man daher „mit Ertrags­ein­bu­ßen und Schä­di­gun­gen”. Ins­ge­samt wer­de das Jahr aber gut aus­fal­len, vor allem mit Blick auf die Qua­li­tät. Das heu­er gewon­ne­ne Getrei­de sei von hoher Güte und wei­se gute Knet- und Back­ei­gen­schaf­ten auf, berich­te­te Karpfinger.