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news/APA/Freitag, 11.06.21, 05:14:00

G7 wol­len ärme­ren Län­dern mit Mil­li­ar­de Impf­do­sen helfen

Im Kampf gegen die Coro­na-Pan­de­mie will die G7-Grup­pe west­li­cher Wirt­schafts­mäch­te ärme­ren Staa­ten mit einer Mil­li­ar­de Impf­do­sen hel­fen. Das sol­le sowohl durch Ver­tei­lung als auch durch Finan­zie­rung von Impf­stoff mög­lich wer­den, kün­dig­te die bri­ti­sche Regie­rung in der Nacht zum Frei­tag an. Die Staats- und Regie­rungs­chefs wol­len dem­nach auch einen Plan aus­ar­bei­ten, um die Impf­stoff­pro­duk­ti­on auszuweiten. 
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Der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Bro­ris John­son ist in die­sem Jahr Gast­ge­ber des drei­tä­gi­gen G7-Gip­fels, der am Frei­tag­nach­mit­tag im süd­west­eng­li­schen Corn­wall beginnt. Erst­mals seit zwei Jah­ren kom­men die Staats- und Regie­rungs­chefs der wirt­schafts­star­ken west­li­chen Demo­kra­tien wie­der per­sön­lich zusam­men – wenn auch wegen Covid-19 unter stren­gen Vor­sichts­maß­nah­men. Zur Grup­pe der Sie­ben (G7) gehö­ren die USA, Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en, Kana­da, Frank­reich, Ita­li­en und Japan. 

Für US-Prä­si­dent Joe Biden ist es der ers­te gro­ße inter­na­tio­na­le Gip­fel, für den er sei­ne ers­te Aus­lands­rei­se seit Amts­an­tritt unter­nimmt. Für die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel wird es dage­gen der 15. und letz­te G7-Gip­fel sein.

Die G7-Staa­ten wol­len bei dem Gip­fel ihre Kräf­te bün­deln, um die Pan­de­mie zu bekämp­fen und die Welt bes­ser für künf­ti­ge Virus­aus­brü­che zu rüs­ten. „Glo­ba­le Lösun­gen sind gefor­dert”, steht in dem Ent­wurf einer „Gesund­heits­er­klä­rung von Car­bis Bay”, die der Deut­schen Pres­se-Agen­tur vor­liegt. Dar­in ver­pflich­ten sich die Staats- und Regie­rungs­chefs, „die kol­lek­ti­ven Abwehr­kräf­te zu stär­ken, um durch wirk­sa­mes mul­ti­la­te­ra­les Han­deln und ein gestärk­tes glo­ba­les Gesund­heits­sys­tem bes­ser gegen künf­ti­ge Pan­de­mien vor­zu­beu­gen, die­se zu ent­de­cken, dar­auf zu reagie­ren und sich davon zu erholen”.

Biden unter­strich, dass die Pan­de­mie noch nicht besiegt sei. „Ich möch­te klar­stel­len, dass das nicht das Ende unse­rer Bemü­hun­gen ist, Covid-19 zu bekämp­fen und die Welt zu imp­fen”, sag­te er am Don­ners­tag­abend. „Mor­gen wer­den die G7-Staa­ten den vol­len Umfang unse­res Enga­ge­ments ankündigen.”

Für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten hat Biden kurz vor dem Gip­fel eine neue Spen­de von 500 Mil­lio­nen Impf­do­sen an 92 ärme­re Län­der sowie an die Afri­ka­ni­sche Uni­on zuge­sagt. Sie sol­len bis spä­tes­tens Juni nächs­ten Jah­res gelie­fert und mit­hil­fe der inter­na­tio­na­len Impf­stoff­in­itia­ti­ve Covax ver­teilt wer­den. Für Gross­bri­tan­ni­en hat Pre­mier­mi­nis­ter und Gip­fel-Gast­ge­ber Boris John­son ange­kün­digt, dass sein Land 100 Mil­lio­nen Impf­do­sen aus sei­nem Über­schuss bei­steu­ern wer­de, den Groß­teil über die Impf­stoff­in­itia­ti­ve Covax. 

Kei­ne Einig­keit gibt es inner­halb der G7 wei­ter in der Debat­te, ob der Patent­schutz für Impf­stof­fe auf­ge­ho­ben wer­den soll – Biden, vie­le ande­re Staa­ten sowie Ent­wick­lungs­or­ga­ni­sa­tio­nen for­dern das. Frank­reichs Prä­si­dent Emma­nu­el Macron kün­dig­te am Don­ners­tag an, gemein­sam mit Süd­afri­ka auf dem G7-Gip­fel einen Vor­schlag auf den Tisch zu legen, um an einer zeit­lich und räum­lich begrenz­ten Aus­nah­me­re­ge­lung zu arbei­ten. Mer­kel und die EU-Kom­mis­si­on spra­chen sich erneut gegen eine Aus­set­zung aus. Kri­ti­ker einer Frei­ga­be argu­men­tie­ren, nicht die Paten­te sei­en das Hin­der­nis, son­dern Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten, Kennt­nis­se und Roh­stoff­nach­schub. EU-Rats­prä­si­dent Charles Michel sag­te: „Eine Aus­set­zung von Paten­ten mag gut klin­gen, aber sie ist kei­ne Wun­der­waf­fe.” Er ver­wies dar­auf, dass aus der EU bereits mehr als 270 Mil­lio­nen Impf­stoff­do­sen expor­tiert wor­den sei­en. Zudem sei die EU der größ­te Unter­stüt­zer der Covax-Initia­ti­ve für eine fai­re Impf­stoff-Ver­tei­lung. Mit mehr als 2,8 Mil­li­ar­den Euro wür­den bis Jah­res­en­de min­des­tens 100 Mil­lio­nen Dosen an Impf­stoff gespendet.

Neben dem Kampf gegen die Pan­de­mie ste­hen bei dem G7-Gip­fel im süd­west­eng­li­schen Bade­ort Car­bis Bay bis Sonn­tag der Kli­ma­schutz sowie der Umgang mit Russ­land und Chi­na im Mit­tel­punkt. Nach dem Streit über die Allein­gän­ge sei­nes Vor­gän­gers Donald Trump schmie­det Biden wie­der Alli­an­zen mit Ver­bün­de­ten und ver­folgt einen Neu­an­fang in der demo­kra­ti­schen Wer­te­ge­mein­schaft – auch, um einen Gegen­pol zu Russ­land und Chi­na zu bil­den. Als Gäs­te sind gleich­ge­sinn­te demo­kra­ti­sche Staa­ten wie Süd­ko­rea, Süd­afri­ka, Aus­tra­li­en und Indi­en zu dem Gip­fel eingeladen.