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news/APA/Dienstag, 04.05.21, 17:13:17

G7-Staa­ten suchen Schul­ter­schluss im Umgang mit China

Die Außen­mi­nis­ter der G7-Staa­ten­grup­pe haben bei ihrem Tref­fen in Lon­don über den Umgang mit Chi­na bera­ten. Bei ihren Gesprä­chen in der bri­ti­schen Haupt­stadt such­ten die Minis­ter am Diens­tag nach einer gemein­sa­men Hal­tung gegen­über der immer selbst­be­wuss­ter auf­tre­ten­den Volks­re­pu­blik. Das ers­te per­sön­li­che Tref­fen der Minis­ter­run­de seit zwei Jah­ren stand auch im Zei­chen der Corona-Pandemie.
APA/APA/POOL/BEN STANS­ALL

Die G7-Minis­ter waren am Mon­tag zu drei­tä­gi­gen Bera­tun­gen in der bri­ti­schen Haupt­stadt zusam­men­ge­kom­men. Zum Auf­takt ihres Tref­fens spra­chen sie bei einem Arbeits­es­sen über die Atom­kon­flik­te mit dem Iran und Nord­ko­rea. Am Diens­tag stand dann Chi­nas Macht­stre­ben im Fokus. Der Wes­ten blickt mit Sor­ge auf den zuneh­men­den wirt­schaft­li­chen und mili­tä­ri­schen Ein­fluss Pekings.

Es gehe den G7 nicht dar­um, Chi­na „in Schach oder klein zu hal­ten”, sag­te US-Außen­mi­nis­ter Ant­o­ny Blin­ken dazu am Mon­tag. „Wir ver­su­chen, die inter­na­tio­na­le regel­ba­sier­te Ord­nung auf­recht­zu­er­hal­ten, in die unse­re Län­der in so vie­len Jahr­zehn­ten so viel inves­tiert haben, was nicht nur unse­ren eige­nen Bür­gern, son­dern den Men­schen auf der gan­zen Welt zugu­te kam – und übri­gens auch China.”

Der bri­ti­sche Außen­mi­nis­ter Domi­nic Raab rief die Regie­rung in Peking dazu auf, ihre Ver­pflich­tun­gen in Bezug auf die Auto­no­mie­rech­te der Son­der­ver­wal­tungs­zo­ne Hong­kong ein­zu­hal­ten. Zugleich müs­se nach „kon­struk­ti­ven Wegen” gesucht wer­den, um mit Chi­na zusam­men­zu­ar­bei­ten, etwa im Kampf gegen den Kli­ma­wan­del. „Wirt­schafts­in­ter­es­sen gibt es über­all, aber Fra­gen der Men­schen­rech­te und der Frei­heits­rech­te müs­sen grö­ße­ren Raum bekom­men, wenn es um Chi­na geht”, beton­te der deut­sche Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas.

Die Chi­na-Poli­tik ist in der G7 zwi­schen den Euro­pä­ern und den USA umstrit­ten, weil Washing­ton einen deut­lich här­te­ren Kurs gegen­über Peking ver­folgt als die Euro­pä­er. Das Vor­ge­hen der chi­ne­si­schen Füh­rung gegen die mus­li­mi­sche Min­der­heit der Uigu­ren wird von den USA schär­fer ange­pran­gert, und ein gera­de erst zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und Chi­na abge­schlos­se­nes Inves­ti­ti­ons­ab­kom­men wird von den US-Ver­bün­de­ten kri­tisch gese­hen. Dif­fe­ren­zen gibt es auch hin­sicht­lich einer mög­li­chen Betei­li­gung des chi­ne­si­schen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­rie­sen Hua­wei am Aus­bau des schnel­len 5G-Mobilfunknetzes.

Seit dem Beginn der Pan­de­mie hat­ten die Außen- und Ent­wick­lungs­mi­nis­ter der G7 nur vir­tu­el­le Kon­fe­ren­zen abge­hal­ten. Zu ihrem ers­ten per­sön­li­chen Tref­fen seit 2019 begrüß­ten sie sich per Ell­bo­gen, im Kon­fe­renz­saal waren ihre Tische mit Ple­xi­glas­schei­ben von­ein­an­der abgetrennt.

Der Grup­pe der sie­ben füh­ren­den Indus­trie­na­tio­nen gehö­ren die USA, Kana­da, Deutsch­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Ita­li­en und Japan an. Hin­zu­ge­la­den in Lon­don waren auch Ver­tre­ter aus Indi­en, Süd­ko­rea, Bru­nei und Südafrika.

Bei dem G7-Tref­fen in Lon­don ste­hen auch Gesprä­che über die Kon­flik­te in Myan­mar, Syri­en und Liby­en sowie die Bekämp­fung der Coro­na-Pan­de­mie auf der Agen­da. Am Mitt­woch soll es unter ande­rem um eine gerech­te­re Ver­tei­lung der Coro­na-Impf­stof­fe gehen.

Auch über den Umgang mit Mos­kau wol­len die Minis­ter in Lon­don bera­ten. Groß­bri­tan­ni­en will den Kampf gegen Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen aus Russ­land ver­stär­ken und bei dem G7-Tref­fen einen „schnel­len Wider­le­gungs­me­cha­nis­mus” vorschlagen.

Blin­ken reist am Mitt­woch in die Ukrai­ne, um der Regie­rung in Kiew die Unter­stüt­zung der USA zuzu­si­chern, nach­dem mas­si­ve rus­si­sche Trup­pen­be­we­gun­gen nahe der ukrai­ni­schen Gren­ze in den ver­gan­ge­nen Wochen Befürch­tun­gen vor einem mög­li­chen rus­si­schen Ein­marsch in die Ukrai­ne genährt hatten.

Gast­ge­ber Raab hat­te die G7 nach einem Tref­fen mit sei­nem US-Kol­le­gen Blin­ken am Mon­tag zur Geschlos­sen­heit auf­ge­ru­fen. Ziel der bri­ti­schen G7-Prä­si­dent­schaft sei es, „offe­ne und demo­kra­ti­sche Gesell­schaf­ten zusam­men­zu­brin­gen und Einig­keit zu demons­trier­ten in einer Zeit, in der dies so nötig ist, um gemein­sa­me Her­aus­for­de­run­gen und wach­sen­de Gefah­ren zu bewäl­ti­gen”. Für Juni ist im süd­west­eng­li­schen Corn­wall der nächs­te G7-Gip­fel der Staats- und Regie­rungs­chefs geplant, an dem erst­mals auch US-Prä­si­dent Joe Biden teilnimmt.

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Der deut­sche Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas ver­spricht sich von dem Tref­fen ein kla­res Zei­chen für Men­schen­rech­te, Rechts­staat­lich­keit und Demo­kra­tie. „Über­all auf der Welt ver­su­chen auto­ri­tä­re Staa­ten, uns gegen­ein­an­der aus­zu­spie­len, wer­den Regel­brü­che zur Nor­ma­li­tät – sei es im Indo­pa­zi­fik, in Latein­ame­ri­ka oder in Ost­eu­ro­pa”, sag­te der SPD-Poli­ti­ker vor sei­nem Abflug nach Lon­don. Es sei wich­tig, sich dem geschlos­sen und glaub­wür­dig ent­ge­gen zu stel­len. Maas woll­te das Tref­fen auch für bila­te­ra­le Gesprä­che mit Gip­fel­teil­neh­mern nutzen.