apa.at
news/APA/Freitag, 11.06.21, 16:52:51

G7-Gip­fel im eng­li­schen Corn­wall begonnen

Im süd­eng­li­schen Corn­wall hat am Frei­tag­nach­mit­tag das G7-Gip­fel­tref­fen füh­ren­der Indus­trie­na­tio­nen begon­nen. Zu den drei­tä­gi­gen Bera­tun­gen in Car­bis Bay kamen die Staats- und Regie­rungs­chefs von Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en, Groß­bri­tan­ni­en, Kana­da, Japan und den USA erst­mals seit Aus­bruch der Pan­de­mie wie­der per­sön­lich zusam­men. US-Prä­si­dent Joe Biden begrüß­te die Plä­ne der G7-Grup­pe zur Spen­de von einer Mil­li­ar­de Coro­na-Impf­do­sen für ärme­re Län­der als historisch.
APA/APA/AFP/LUDOVIC MARIN

Die­se Ver­pflich­tung bil­de die Grund­la­ge für ein umfas­sen­des Paket von G7-Maß­nah­men zur Been­di­gung der Pan­de­mie im nächs­ten Jahr, teil­te das Wei­ße Haus am Frei­tag zum Auf­takt des Gip­fels mit. Die bri­ti­sche Regie­rung als Gip­fel-Gast­ge­ber hat­te davor mit­ge­teilt, dass die G7 ärme­ren Staa­ten mit einer Mil­li­ar­de Impf­do­sen hel­fen wol­le. Die bis nächs­tes Jahr geplan­te Unter­stüt­zung sol­le sowohl durch Ver­tei­lung als auch durch Finan­zie­rung von Impf­stoff mög­lich werden.

Das Wei­ße Haus teil­te mit, der Akti­ons­plan, der bei dem drei­tä­gi­gen Tref­fen beschlos­sen wer­de, umfas­se die Imp­fung der welt­weit am stärks­ten gefähr­de­ten Men­schen, die Bereit­stel­lung von Not­vor­rä­ten und die Unter­stüt­zung des welt­wei­ten wirt­schaft­li­chen Auf­schwungs. Bestand­teil sei­en auch Maß­nah­men, damit sich die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft auf künf­ti­ge Pan­de­mien vor­be­rei­ten und die­se ver­hin­dern, erken­nen sowie dar­auf reagie­ren kön­ne. Die USA – die eine Spen­de von einer hal­ben Mil­li­ar­de Impf­do­sen ange­kün­digt haben – wür­den die G7-Staa­ten in einer glo­ba­len Impf­kam­pa­gne anführen.

„Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten blei­ben dem Ziel ver­pflich­tet, Leben zu ret­ten und die Covid-19-Pan­de­mie jetzt zu been­den”, hieß es in der Mit­tei­lung wei­ter. „Wir rufen ande­re Län­der und Part­ner aus dem Pri­vat­sek­tor auf, die­ses Ziel zu unterstützen.”

US-Prä­si­dent Biden, für den es der ers­te inter­na­tio­na­le Gip­fel seit Beginn sei­ner Amts­zeit ist, twit­ter­te kurz vor Beginn, er freue sich, „unser Enga­ge­ment für den Mul­ti­la­te­ra­lis­mus zu ver­stär­ken und mit unse­ren Ver­bün­de­ten und Part­nern zusam­men­zu­ar­bei­ten, um eine gerech­te­re und inte­gra­ti­ve­re Welt­wirt­schaft auf­zu­bau­en”. Er hob her­vor: „Lasst uns an die Arbeit gehen.”

Nach Dar­stel­lung des Wei­ßen Hau­ses soll von dem Gip­fel ein wich­ti­ger Impuls zur Erho­lung der von der Pan­de­mie schwer beein­träch­tig­ten Welt­wirt­schaft aus­ge­hen. US-Prä­si­dent Biden und die ande­ren Staats- und Regie­rungs­chef der Grup­pe füh­ren­der Indus­trie­staa­ten sei­en sich einig, die glo­ba­le Öko­no­mie solan­ge wie nötig poli­tisch zu unter­stüt­zen. Ziel sei „eine star­ke, aus­ge­wo­ge­ne und inte­gra­ti­ve wirt­schaft­li­che Erho­lung”, die der Mit­tel­klas­se und arbei­ten­den Fami­li­en zugu­te komme.

Das Wei­ße Haus teil­te wei­ter mit, bei dem drei­tä­gi­gen Tref­fen wer­de eine Unter­stüt­zung für den US-Vor­schlag für eine glo­ba­le Min­dest­steu­er von 15 Pro­zent erwar­tet. Gro­ße Digi­tal­kon­zer­ne wie Apple oder Goog­le sol­len dem­nach künf­tig welt­weit min­des­tens 15 Pro­zent Steu­ern zah­len. Die G7-Finanz­mi­nis­ter hat­ten bei dem The­ma in der ver­gan­ge­nen Woche einen Durch­bruch erzielt. In einem nächs­ten Schritt sol­len die G20-Staa­ten – eine umfas­sen­de­re Grup­pe füh­ren­der und auf­stre­ben­der Wirt­schafts­na­tio­nen – ins Boot geholt werden.

Die Inter­na­tio­na­le Han­dels­kam­mer (ICC) kri­ti­sier­te unter­des­sen die bis­he­ri­gen Imp­stoff­s­pen­den­plä­ne der G7-Län­der als unzu­rei­chend und warn­te vor Fol­gen für die Welt­wirt­schaft. Wenn die G7 bei den Impf­stoff­s­pen­den nicht deut­lich zuleg­ten, setz­ten sie ihre eige­nen Bür­ger Gefah­ren aus, etwa, weil sich neue, gefähr­li­che­re Virus­va­ri­an­ten ent­wi­ckeln und neue Coro­na-Aus­brü­che die Lie­fer­ket­ten unter­bre­chen könn­ten, teil­te der Ver­band mit Sitz in Paris am Frei­tag mit. Er ver­tritt 45 Mil­lio­nen Unter­neh­men weltweit.

Zum Auf­takt des Gip­fels unter­strich der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son die Bedeu­tung der Zusam­men­kunft. „Die­ses Tref­fen muss unbe­dingt statt­fin­den”, sag­te John­son vor Beginn der ers­ten Arbeits­ge­sprä­che. Die Staats- und Regie­rungs­chefs müss­ten sicher­stel­len, dass sie die Lek­tio­nen aus der Coro­na-Pan­de­mie gelernt haben und dass die Volks­wirt­schaf­ten wie­der ansprän­gen, sag­te der Regie­rungs­chef. Es sei ent­schei­dend, dass die Welt gemein­sam auf die Kri­se reagiere.

John­son sag­te, er sehe gro­ße Chan­cen für einen Wie­der­auf­bau. Die G7 sei­en ver­eint in ihrer Visi­on einer ambi­tio­nier­te­ren, grü­ne­ren Welt, die Lösun­gen für den Kli­ma­wan­del fin­det. In grü­nen Tech­no­lo­gien lie­ge zudem die Chan­ce zum Auf­bau zahl­rei­cher Jobs. „Das ist es, was unse­re Bür­ger wol­len: Sicher­stel­len, dass wir gemein­sam die Pan­de­mie besie­gen”, sag­te John­son. Die Erho­lung von der Pan­de­mie müs­se bes­ser, grü­ner, fai­rer, gerech­ter und weib­li­cher aus­fal­len. Falls Ungleich­hei­ten bestehen blie­ben, bestehe die Gefahr, dass die Pan­de­mie eine „blei­ben­de Nar­be” hinterlasse.

Deutsch­lands Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel erhofft sich unter­des­sen vom Gip­fel in Corn­wall „sehr gute Ergeb­nis­se” vor allem zur Über­win­dung der Coro­na-Pan­de­mie sowie in der Impf­po­li­tik. Die G7-Staa­ten könn­ten bei ihrem Gip­fel zei­gen: „Wir den­ken nicht nur an uns, son­dern wir den­ken auch an die­je­ni­gen, die noch kei­ne Chan­ce haben, geimpft zu wer­den”, sag­te Mer­kel. Damit bezog sich die deut­sche Kanz­le­rin vor allem auch auf afri­ka­ni­sche Län­der, die auf Coro­na-Impf­stoff­s­pen­den rei­cher Natio­nen ange­wie­sen sind.

Am Frei­tag liegt der Schwer­punkt der Bera­tun­gen beim G7-Gip­fel zunächst auf der wirt­schaft­li­chen Erho­lung von der Coro­na-Pan­de­mie und bes­se­ren Bil­dungs­chan­cen für Mäd­chen. Am Abend ist ein Emp­fang mit Queen Eliza­beth II. und zahl­rei­chen ande­ren Mit­glie­dern der Königs­fa­mi­lie geplant.

Am Sams­tag domi­nie­ren die The­men Wirt­schaft und Außen­po­li­tik sowie Gesund­heit und der Umgang mit der Pan­de­mie den Gip­fel. Am Sonn­tag liegt ein Schwer­punkt auf Kli­ma­wan­del. Alle Zusam­men­künf­te sind pan­de­mie­be­dingt durch stren­ge Coro­na-Infek­ti­ons­schutz­maß­nah­men abgesichert.

Die Teil­neh­mer des Gip­fels nut­zen die Zusam­men­kunft tra­di­tio­nell auch für bila­te­ra­le Gesprä­che. Mer­kel nahm kurz vor Gip­fel­be­ginn an einem EU-Koor­di­nie­rungs­tref­fen mit Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ursu­la von der Ley­en, Rats­prä­si­dent Charles Michel, Ita­li­ens Regie­rungs­chef Mario Draghi und dem fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten Emma­nu­el Macron teil. Für Mer­kel dürf­te es der letz­te G7-Gip­fel sein.