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news/APA/Montag, 13.09.21, 19:02:46

For­scher trai­nie­ren Toi­let­ten­gang von Kühen für den Klimaschutz

Im Rah­men eines For­schungs­pro­gramms zur Ver­rin­ge­rung von Treib­haus­gas­emis­sio­nen haben Wis­sen­schaf­ter Kühen bei­gebracht, in einem dafür vor­ge­se­he­nen Bereich zu uri­nie­ren. Die Mög­lich­keit, die­sen auf­zu­fan­gen, könn­te die Umwelt­be­las­tung durch Rin­der­hal­tung erheb­lich redu­zie­ren, erklär­te ein Team neu­see­län­di­scher und deut­scher Wis­sen­schaf­ter in einem Arti­kel in der aktu­el­len Aus­ga­be des Fach­ma­ga­zins „Cur­rent Biology”.
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Die Wis­sen­schaf­ter trai­nier­ten dem­nach 16 Käl­ber mit Hil­fe von Fut­ter­be­loh­nun­gen dar­auf, in einen Latri­nen­stall zu uri­nie­ren. Die Ergeb­nis­se sei­en ver­gleich­bar mit dem, was von einem drei­jäh­ri­gen Kind zu erwar­ten sei, erklär­ten die Forscher.

Die Idee, Kühe zu trai­nie­ren, um ihren Urin auf­zu­fan­gen, sei ursprüng­lich durch einen Witz ent­stan­den, sagt der Tier­ver­hal­tens­for­scher Lind­say Mat­thews. „Die Reak­ti­on der Leu­te ist natür­lich „ver­rück­te Wis­sen­schaf­ter” ”, aber das mache durch­aus Sinn.

Denn die Urin­aus­schei­dun­gen von Kühen sind in zwei­er­lei Hin­sicht pro­ble­ma­tisch: Sie set­zen das Treib­haus­gas Distick­stoff­mon­oxid, all­ge­mein bekannt als Lach­gas frei, und sie ent­hal­ten gro­ße Men­gen Nitrat, das sich im Boden und in Gewäs­sern abla­gert. „Wenn wir zehn oder 20 Pro­zent der Urin­aus­schei­dun­gen auf­fan­gen, könn­ten wir den Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen und die Nitrat­aus­wa­schung erheb­lich redu­zie­ren”, sagt Dou­glas Ellif­fe von der Uni­ver­si­tät Auck­land. Der auf­ge­fan­ge­ne Urin soll danach behan­delt werden.

Ellif­fe zufol­ge zei­gen die For­schungs­er­geb­nis­se, dass das Toi­let­ten­trai­ning von Kühen grund­sätz­lich mög­lich ist. Die Her­aus­for­de­rung bestehe nun dar­in, das Kon­zept zu erwei­tern, um gro­ße Her­den zu trai­nie­ren und es an Umge­bun­gen wie Neu­see­land anzu­pas­sen, wo die Tie­re die meis­te Zeit im Frei­en und nicht im Stall verbringen.

In Neu­see­land ver­ur­sacht die Land­wirt­schaft etwa die Hälf­te der Treib­haus­gas­emis­sio­nen, haupt­säch­lich in Form von Methan und Lach­gas. Seit Jah­ren wird des­halb inten­siv nach mög­li­chen Lösun­gen geforscht. Ande­re Pro­jek­te sind die Zucht von Nutz­tie­ren mit gerin­gem Methan­aus­stoß, die Ver­wen­dung alter­na­ti­ver Fut­ter­mit­tel oder gar Imp­fun­gen von Tie­ren, damit sie weni­ger schäd­li­che Gase produzieren.